„Ein Wech­sel­bad der Ge­füh­le“

Frank Sun­der­mann über das knapp ge­won­ne­ne Di­rekt­man­dat und die Si­tua­ti­on in Düs­sel­dorf

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost -

Für den SPD-Di­rekt­kan­di­da­ten Frank Sun­der­mann im Wahl­kreis 83 – St­ein­furt III ist am spä­ten Sonn­tag­abend ein wah­rer Wahl­kri­mi zu En­de ge­gan­gen. Wir spra­chen mit dem Wes­ter­kap­pel­ner, der ges­tern Mor­gen be­reits auf dem Weg nach Düs­sel­dorf zu ei­nem Tref­fen mit Par­tei­ge­nos­sen aus der Re­gi­on war.

Von Kat­ja Nie­mey­er

Von ei­ni­gen wird er sich ver­ab­schie­den müs­sen: Die SPD hat am Sonn­tag 30 ih­rer bis­her 99 Sit­ze im nord­rhein­west­fä­li­schen Land­tag ein­ge­büßt.

Herr Sun­der­mann, herz­li­chen Glück­wunsch zum Wahl­sieg. Ihr Her­aus­for­de­rer Fe­lix Hol­ling von der CDU lag an­fangs vor­ne. Erst nach stun­den­lan­gem War­ten stand fest, dass Sie Ihr Land­tags­man­dat er­folg­reich ver­tei­di­gen konn­ten. Was ging Ih­nen da­bei durch den Kopf ?

Ich muss­te an den Meis­ter­schafts­kampf 2001 den­ken, als der FC Bay­ern sich in der Nach­spiel­zeit noch zum Ti­tel schoss. Das war ein ähn­li­ches Wech­sel­bad der Ge­füh­le.

Ha­ben Sie die Wech­sel­stim­mung bei den Bür­gern im Land ge­spürt, oder wa­ren Sie völ­lig über­rascht von Frank Sun­der­manns Ju­bel an ei­nem für die NRW-So­zi­al­de­mo­kra­ten ins­ge­samt de­sas­trö­sen Wahl­abend. Der Wes­ter­kap­pel­ner ist der An­sicht, dass CDU und FDP ei­nen kla­ren Re­gie­rungs­auf­trag ha­ben, den sie jetzt um­set­zen müss­ten.

dem für die SPD de­sas­trö­sen Er­geb­nis?

Am Wahl­stand im Ge­spräch mit den Men­schen ha­be ich nicht ge­spürt, dass die Stim­mung ge­kippt ist. Da ist man in so ei­ner Art Tun­nel. Aber klar: Die Um­fra­ge­er­geb­nis­se in den letz­ten Wo­chen vor

der Wahl ha­ben ja ganz ein­deu­tig die Wen­de an­ge­zeigt.

In­wie­weit tra­gen Sie als ein­zel­ner Ab­ge­ord­ne­ter ei­ne Mit­ver­ant­wor­tung für das Er­geb­nis?

Ich bin ei­ner von 99 Ab­ge­ord­ne­ten, au­ßer­dem wirt­schafts­po­li­ti­scher

Spre­cher und in­so­fern na­tür­lich mit­ver­ant­wort­lich.

Vie­le Men­schen är­gern sich über ei­ne aus ih­rer Sicht miss­lun­ge­ne Schul­po­li­tik und ho­he Un­ter­richts­aus­fall­zei­ten, über maro­de

Stra­ßen, und sie sor­gen sich um die in­ne­re Si­cher­heit. Ein Teil der Kri­tik rich­tet sich al­ler­dings an den grü­nen Ko­ali­ti­ons­part­ner der SPD. Si­cher­lich stand die grü­ne Schul­po­li­tik hef­tig in der Kri­tik. Aber ich bin jetzt nicht der­je­ni­ge, der mit dem Fin­ger auf den Ko­ali­ti­ons­part­ner zeigt. Schließ­lich ha­ben wir zum Bei­spiel die Ent­schei­dung zur In­klu­si­on in den Schu­len mit­ge­tra­gen.

Mit dem Schulz-Ef­fekt scheint es nicht mehr weit her zu sein. Nach den kla­ren Nie­der­la­gen im Saar­land, in Schles­wig-Hol­stein und jetzt in NRW ist der Hy­pe um den SPD-Kanz­ler­kan­di­da­ten und Par­tei­chef nun of­fen­bar vor­bei. Wün­schen Sie sich wie­der Sig­mar Ga­b­ri­el zu­rück? (Lacht): Nein. Ich mag Sig­mar Ga­b­ri­el, bin aber den­noch über­zeugt, dass es rich­tig war, Mar­tin Schulz ins Ren­nen um das Kanz­ler­amt zu schi­cken. Im Üb­ri­gen: Über den Hy­pe um Schulz ha­be ich mich schon ein we­nig ge­wun­dert. Ei­gent­lich hat er doch die gan­ze Zeit für nichts an­de­res ge­wor­ben als für die tra­di­tio­nel­len so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Wer­te.

Stel­len Sie sich jetzt auf ei­ne Op­po­si­ti­ons­rol­le im Land­tag ein? Oder hof­fen Sie noch auf ei­ne Gro­ße Ko­ali­ti­on?

Nein, ich hof­fe nicht auf ei­ne Gro­ße Ko­ali­ti­on. CDU und FDP ha­ben mit 100 von 199 Sit­zen ei­nen kla­ren Re­gie­rungs­auf­trag. Den müs­sen sie jetzt um­set­zen.

Wei­te­re Be­rich­te aus Wes­ter­kap­peln le­sen Sie im In­ter­net auf noz.de/wes­ter­kap­peln

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.