Spu­ren­su­che am Mu­se­ums­tag im Os­na­brü­cker Land

Kunst, Ku­rio­ses, All­tags­kul­tur und Gra­bungs­fun­de

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Region -

Sie ma­chen Ge­schich­te le­ben­dig und Ge­gen­wart ver­ständ­lich, re­gen zum Nach­den­ken und Stau­nen an: Mu­se­en sind weit mehr als ein Hort der Ver­gan­gen­heit. Ih­re the­ma­ti­sche Viel­falt rückt am Sonn­tag, 21. Mai, auch im Os­na­brü­cker Land der In­ter­na­tio­na­le Mu­se­ums­tag in den Blick.

„Spu­ren­su­che. Mut zur Ver­ant­wor­tung“lau­tet das Mot­to des Ak­ti­ons­ta­ges, der be­reits zum 40. Mal vom In­ter­na­tio­na­len Mu­se­ums­rat ICOM aus­ge­ru­fen wird. Auch zahl­rei­che Mu­se­en in der Re­gi­on la­den an die­sem Tag zur Spu­ren­su­che ein. Und die führt in Has­ber­gen weit in die Ver­gan­gen­heit. Schließ­lich hat sich das Museum Geo­zen­trum Hüg­gel ei­ner Zeit ver­schrie­ben, die seit Jahr­mil­lio­nen in St­ein kon­ser­viert ist. Meh­re­re Gra­bun­gen för­der­ten sie zu­ta­ge – zu­letzt im Herbst ver­gan­ge­nen Jah­res. Ne­ben der Dau­er­aus­stel­lung prä­sen­tiert das Museum zum Ak­ti­ons­tag des­halb auch ei­ni­ge Ex­po­na­te der jüngs­ten Gra­bung. Und die brach­te durch­aus be­mer­kens­wer­te Er­kennt­nis­se.

Ak­tu­el­le Er­geb­nis­se

Denn die Fach­leu­te fan­den im Hüg­gel nicht nur ma­ri­ti­me Be­woh­ner der Re­gi­on in deut­lich bes­se­rer Qua­li­tät als zu­vor. Dem Team um Fa­bi­an Mül­ler ge­lang auch der Nach­weis ei­nes für das Os­na­brü­cker Land völ­lig neuen Mi­ne­rals. Zum In­ter­na­tio­na­len Mu­se­ums­tag führt der wis­sen­schaft­li­che Lei­ter der Gra­bung in­ter­es­sier­te Be­su­cher zwi­schen 11 und 18 Uhr per­sön­lich durch die Aus­stel­lung. Wer die Ur­ge­schich­te lie­ber er­lau­fen möch­te, der hat da­zu um 11 und 14 Uhr bei Füh­run­gen durch den Hüg­gel Ge­le­gen­heit.

Zu ei­ner ganz be­son­de­ren Spu­ren­su­che lädt ab 11 Uhr un­ter­des­sen das Ot­to-Mo­der­sohn-Museum in Teck­len­burg ein. Mit Hai­kus, den von aus­drucks­vol­ler Kon­zen­tra­ti­on ge­kenn­zeich­ne­ten Kurz­ge­dich­ten ja­pa­ni­scher Tradition, be­ge­ben sich die Be­su­cher auf Spu­ren­su­che in den Land­schaf­ten aus dem Früh­werk Mo­der­sohns. „Ma­le­rei trifft Poe­sie“lau­tet das an­re­gen­de Mot­to, das bei­de Kunst­for­men ganz neu entdecken lässt.

Töp­fer­wa­ren

Für Ha­gen stand einst die Töp­fer­wa­re. Die al­te Hand­werks­kunst fand vor Ort op­ti­ma­le Be­din­gun­gen. Und so emp­fahl sich Ha­gen früh als wich­ti­ges Zen­trum der Töp­fe­rei in der Re­gi­on. Ih­re Ge­schich­te zeich­net von 15 bis 18 Uhr das Töp­fe­rei­mu­se­um im Al­ten Pfarr­haus nach und prä­sen­tiert da­bei die größ­te ke­ra­mi­sche Samm­lung Nord­deutsch­lands. Ge­ziel­te Gra­bun­gen schu­fen auch hier die Ba­sis für die Aus­stel­lung. Heu­te ver­mit­telt ei­ne gro­ße Vi­tri­ne im Museum ei­nen Ein­druck von je­nem Bild, das sich den Fach­leu­ten bei den Aus­gra­bun­gen dar­bot. Bei Füh­run­gen er­fah­ren die Be­su­cher zu­dem Wis­sens­wer­tes über die lan­ge Töp­fer­tra­di­ti­on in Ha­gen und über so man­che Ku­rio­si­tät un­ter den Ex­po­na­ten.

Auch das Schloss in Bad Iburg war wie­der­holt Schau­platz von Gra­bun­gen. Im Schloss­mu­se­um las­sen Fund­stü­cke aus un­ter­schied­li­chen Epo­chen von 14 bis 17 Uhr die Gra­bungs- und Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Iburg le­ben­dig wer­den. Aus­ge­wähl­te Ex­po­na­te wie mit­tel­al­ter­li­che Schreib­grif­fel, Abt­stä­be oder Ke­ra­mik er­zäh­len von der über 900-jäh­ri­gen Ge­schich­te der Dop­pel­an­la­ge. Um 15 Uhr gibt zu­dem ei­ne Füh­rung durch die his­to­ri­schen In­nen­räu­me mit dem pracht­vol­len Rit­ter­saal und durch die Bin­nen­hö­fe Ein­blick in das hö­fi­sche und klös­ter­li­che Le­ben ver­gan­ge­ner Zei­ten. Um 16.30 Uhr sind dann die Kin­der ab 6 Jah­ren ein­ge­la­den zu ei­nem Be­such bei „Rit­ter­bi­schof Ben­no“. Treff­punkt ist je­weils am Schloss­mu­se­um.

Dem ade­li­gen Le­ben am Hof stellt der Hei­mat­ver­ein Gla­ne von 15 bis 17 Uhr den länd­li­chen All­tag auf Aver­becks Hof ge­gen­über. Denn zur Dau­er­aus­stel­lung im Spei­cher ge­hört ein auf der Ba­sis von Aus­gra­bun­gen er­stell­tes Mo­dell des Ho­fes im 11. Jahr­hun­dert. Mit kost­ba­ren Hau­ben und Trach­ten, pracht­vol­len Mess­ge­wän­der und schlich­ten All­tags­ge­gen­stän­de zeich­net die Dau­er­aus­stel­lung im stim­mungs­vol­len Am­bi­en­te des his­to­ri­schen Fach­werk­spei­chers ein le­ben­di­ges Bild ver­gan­ge­ner Ta­ge. Gleich ne­ben­an öff­net das auf­wen­dig re­stau­rier­te Wirt­schafts­ge­bäu­de des Ho­fes mit wei­te­ren Aus­stel­lungs­räu­men, Prä­senz­bi­blio­thek und mit ei­nem voll­stän­dig ein­ge­rich­te­ten Fo­to­la­bor sei­ne Tü­ren.

Land­tech­nik

Der Ge­schich­te der land­wirt­schaft­li­chen Tech­nik hat sich das Trak­to­ren­mu­se­um in Wes­ter­kap­peln ver­schrie­ben. In zwei his­to­ri­schen Fach­werk­ge­bäu­den prä­sen­tiert das Museum von 10 bis 18 Uhr die Mecha­ni­sie­rung in der Land­wirt­schaft und die tech­ni­sche Viel­falt im Schlep­per­bau. Nicht nost­al­gi­sche Rück­be­sin­nung steht da­bei im Mit­tel­punkt. Viel­mehr ver­mit­telt die über Jahr­zehn­te ge­wach­se­ne Aus­stel­lung je­ne Ent­wick­lungs­stu­fen der Tech­nik, die das zu­vor von har­ter Hand­ar­beit ge­präg­te Le­ben der Bau­ern er­leich­tert ha­ben. Ein be­son­de­rer Schwer­punkt liegt da­bei auf den An­triebs- und Zug­ma­schi­nen vom Dampf­lo­ko­mo­bil über Sta­tio­när­mo­to­ren bis zum Trak­tor mit Trans­mis­si­on für den Dresch­kas­ten.

Neu struk­tu­riert und zeit­ge­mäß kon­zi­piert, prä­sen­tiert sich das Hei­mat­mu­se­um am Kirch­platz in Bis­sen­dorf den Be­su­chern. Schon der Weg in die Aus­stel­lungs­räu­me lässt Orts­ge­schich­te er­spü­ren. Denn knar­ren­de Stie­gen füh­ren hin­auf auf den ehe­ma­li­gen Korn­bo­den des denk­mal­ge­schütz­ten Hau­ses Bis­sen­dorf.

Dort lädt der Hei­mat- und Wan­der­ver­ein von 13 bis 17 Uhr dem Mot­to des Ta­ges ge­mäß zur Spu­ren­su­che ein – in al­ten An­sichts­kar­ten, Land­kar­ten und Fo­to­gra­fi­en et­wa, die die Ent­wick­lung des Orts­bil­des nach­zeich­nen.

Die Na­tur vor Ort bil­det ei­nen wei­te­ren Schwer­punkt: Das Prä­pa­rat ei­nes Birk­hahns – in frei­er Na­tur kaum noch zu se­hen – hielt ei­gens zum Ak­ti­ons­tag Ein­zug ins Museum. Ver­mut­lich aus dem spä­ten 19. Jahr­hun­dert stammt das Po­ly­fon, das wie fast al­le Aus­stel­lungs­ob­jek­te nicht nur be­trach­tet, son­dern an­ge­fasst wer­den darf.

Im St­ein kon­ser­viert, zeigt die­ser Raub­fisch im Museum Geo­zen­trum Hüg­gel sei­ne schar­fen Zähne. Fo­to: Pe­tra Ro­pers

Der Wan­del der All­tags­kul­tur spie­gelt sich in den Töp­fer­wa­ren, die im Töp­fe­rei­mu­se­um in Ha­gen zu se­hen sind. Fo­to: Pe­tra Ro­pers

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