Sel­ber ak­tiv wer­den für ein Mo­nu­ment der Lie­be

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Von Rai­ner Lah­man­nLam­mert rll@noz.de

Die Au­gen schlie­ßen, „Für im­mer!“ru­fen und den Schlüs­sel in die Ha­se wer­fen. Ist das ro­man­tisch? Oder ist es nicht eher ma­ka­ber, gren­zen­lo­se Lie­be mit ei­nem Sym­bol aus­zu­drü­cken, das für Ver­schlos­sen­heit und Ker­ker steht? Wer bis über bei­de Oh­ren ver­liebt ist, denkt nicht dar­über nach. Aber wenn mas­sen­haft ros­ten­de Schlös­ser Schä­den an kom­mu­na­len Brü­cken­ge­län­dern ver­ur­sa­chen, dann muss die Stadt re­agie­ren. Und dann sind

auch die Lie­bes­paa­re ge­for­dert, ihr Ri­tu­al in­fra­ge zu stel­len.

Mit gro­ßem Wohl­wol­len für al­le, die mit Schmet­ter­lin­gen im Bauch son­der­ba­re Din­ge tun, ha­ben die Po­li­ti­ker über den Um­gang mit Lie­bes­schlös­sern dis­ku­tiert. Viel­leicht, weil Os­na­brück sich im­mer noch als Glücks­haupt­stadt ver­steht. Und weil es nicht scha­den kann, dem Glück ab und zu ein Schäl­chen Milch hin­zu­stel­len.

Bei al­ler Lie­be: Wenn sich Paa­re in ih­rem Zwei­sam­keits­tau­mel mit ei­nem ros­ten­den Schloss an ei­nem Brü­cken­ge­län­der ver­ewi­gen wol­len, dann ist das – ohne ro­sa Bril­le be­trach­tet – Sach­be­schä­di­gung. Auf Dau­er ei­ne teu­re An­ge­le­gen­heit für die All­ge­mein­heit. Des­halb kann auch ei­ne Glücks­haupt­stadt nicht dar­auf ver­zich­ten, ge­gen sol­chen Un­fug ein­zu­schrei­ten. Wer sei­ne Lie­bes­schwü­re auf Häu­ser­wän­de, Au­tos oder Schau­fens­ter sprüht, könn­te auch nicht auf Nach­sicht hof­fen.

Bleibt noch die Fra­ge, ob es Auf­ga­be der Stadt ist, ei­nen „le­ga­len“Ort für das bunte Schlös­ser-Trei­ben be­reit­zu­stel­len. An den Brü­cken lässt sich ja ab­le­sen, dass die­ser seit zehn Jah­ren gras­sie­ren­de Brauch zahl­rei­che An­hän­ger hat. Wenn so vie­le Men­schen ein stäh­ler­nes Be­kennt­nis zu ih­rem liebs­ten Men­schen ab­ge­ben wol­len, soll­ten sie sich zu­sam­men­schlie­ßen und ein Mo­nu­ment der Lie­be kre­ieren. Et­wa ei­nen stäh­ler­nen Baum mit vie­len Ve­räs­te­lun­gen, an de­nen sich die Lie­bes­schlös­ser an­brin­gen las­sen, ohne dass Brü­cken Scha­den neh­men. Die Stadt wird so ei­ne Initia­ti­ve si­cher­lich un­ter­stüt­zen, in­dem sie ei­nen ge­eig­ne­ten Stand­ort zur Ver­fü­gung stellt.

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