An­ge­klag­ter will To­des­stra­fe für sich

Sy­rer soll sei­ne Frau er­sto­chen ha­ben – „Hat­te das Ge­fühl, nicht ge­braucht zu sein“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Weltspiegel -

Ein Mann ist an­ge­klagt, sei­ne Frau auf Rü­gen er­sto­chen zu ha­ben. Er be­kennt sich in­di­rekt zu der Tat – und for­dert für sich die To­des­stra­fe.

Ein äl­te­rer Mann be­tritt den Ge­richts­saal: Sein Rü­cken ist ge­beugt, die Haa­re grau, der Schritt schlur­fend – nicht nur, weil er Fuß­fes­seln trägt. Mo­ha­med A. ist 54 Jah­re alt – an­ge­klagt, sei­ne Ehe­frau auf der Insel Rü­gen mit ei­nem Kü­chen­mes­ser er­sto­chen zu ha­ben. Bis zur Tat am 23. No­vem­ber 2016 glaub­te ei­ne Nach­ba­rin, er wä­re der Vater der 41-jäh­ri­gen Ge­tö­te­ten.

Seit Mon­tag muss sich der An­ge­klag­te vor dem Stral­sun­der Land­ge­richt we­gen Tot­schlags ver­ant­wor­ten. Er soll sei­ne Frau, die wie er aus Sy­ri­en stammt, mit acht Mes­ser­sti­chen um­ge­bracht ha­ben. Dem Staats­an­walt zu­fol­ge floh die Frau mit le­bens­ge­fähr­li­chen Ver­let­zun­gen noch auf die Stra­ße, wo sie starb. Der Mann wur­de dort mit dem Mes­ser in der Hand fest­ge­nom­men.

Im Au­gust 2014 war das Ehe­paar mit sei­nen zwei min­der­jäh­ri­gen Kin­dern nach Deutsch­land ge­kom­men. Auf Wunsch sei­ner Frau ha­be er Haus und Au­to in Sy­ri­en ver­kauft. „Wir woll­ten, dass die Kin­der in die Schu­le ge­hen kön­nen“, sagt er zum Be­weg­grund. Doch schon die Rei­se riss die Fa­mi­lie aus­ein­an­der. Zwei grö­ße­re Söh­ne im Al­ter von 17 und 22 Jah­ren, die eben­falls mit der Fa­mi­lie die Hei­mat ver­las­sen hat­ten, sei­en auf dem Weg nach Eu­ro­pa um­ge­kehrt und wie­der nach Sy­ri­en zu­rück­ge­kehrt, er­klärt er mit­hil­fe ei­nes Dol­met­schers. Ein wei­te­rer er­wach­se­ner Sohn leb­te be­reits in Deutsch­land.

Wäh­rend sei­ne Frau und die Kin­der sich auf das Le­ben in Deutsch­land ein­stell­ten, mach­te sich bei ihm ei­ne gro­ße Fas­sungs­lo­sig­keit und zu­neh­men­de Ei­fer­sucht breit. Er ha­be nicht ver­stan­den, dass sei­ne Kin­der ein selbst­stän­di­ges Le­ben füh­ren woll­ten und da­bei von sei­ner Frau un­ter­stützt wur­den: „Ich hat­te das Ge­fühl, nicht mehr ge­braucht zu sein.“Des­halb sei es in der Ver­gan­gen­heit zwi­schen ihm und sei­ner Frau mehr­fach zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen ge­kom­men.

Die Be­weis­la­ge scheint ein­deu­tig, auch wenn der Mann die Tat am ers­ten Pro­zess­tag nur in­di­rekt ein­räumt. Der 54-Jäh­ri­ge gibt an, zu­vor mit sei­ner Frau in der Woh­nung in Streit ge­ra­ten zu sein, nach­dem die­se ihm an­ge­droht hat­te, ihn zu ver­las­sen. Im Streit sei er in die Kü­che ge­gan­gen und ha­be ein Mes­ser ge­holt. Auf die Fra­ge, wer sei­ne Frau ge­tö­tet ha­be, ant­wor­tet er aus­wei­chend: „Ich war al­lein mit ihr in der Woh­nung.“Es sei doch ein­deu­tig, was dort pas­siert sei. Er­in­nern kön­ne er sich an den Ablauf nicht mehr. Vom Ge­richt for­dert er ein „gu­tes Ur­teil“. Er wol­le die To­des­stra­fe ha­ben. „Wenn ich mich wei­ter dar­an er­in­ne­re, ster­be ich je­den Tag meh­re­re To­de“, be­grün­det er sein Ver­lan­gen.

Die Rich­te­rin – sicht­bar be­stürzt von die­ser Aus­sa­ge – er­klär­te ihm, dass es in Deutsch­land zum Glück kei­ne To­des­stra­fe ge­be. „Ich wä­re nicht Rich­te­rin, wenn wir die To­des­stra­fe hät­ten“, sag­te sie.

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In Fuß­fes­seln wird der An­ge­klag­te in den Ge­richts­saal ge­führt. Er soll sei­ne Frau er­sto­chen ha­ben. Fo­to: dpa

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