Den Gar­ten in die Woh­nung ho­len

„In­door Gar­de­ning“: Nutz­pflan­zen zie­hen in den ei­ge­nen vier Wän­den

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen - Von Loui­sa Rie­pe

Kein ei­ge­ner Gar­ten und trotz­dem Lust auf fri­sches, selbst ge­züch­te­tes Ge­mü­se? Der Trend „In­door Gar­de­ning“weist den Weg. Be­son­ders Groß­städ­ter, Rent­ner oder Stu­den­ten ohne Gar­ten kom­men da­bei auf ih­re Kos­ten.

OS­NA­BRÜCK. Egal ob im Sa­lat, auf Brot oder im Smoot­hie – Sil­via Ap­pel liebt Spros­sen. Und wenn sie Lust auf das kna­ckig-fri­sche Ge­mü­se hat, ern­tet die Würz­bur­ge­rin ein­fach ein paar Hand­voll von ih­rer Fens­ter­bank. Je­der­zeit, 356 Ta­ge im Jahr. Ap­pel ist Gar­ten-Blog­ge­rin und hat ein Buch zum The­ma „In­door Gar­de­ning“ge­schrie­ben. Un­ter dem Be­griff ver­steht sie die Zucht von Nutz­pflan­zen im Haus. Kräu­ter und Salate, aber auch To­ma­ten oder Pa­pri­ka las­sen sich näm­lich auch in den ei­ge­nen vier Wän­den an­bau­en.

Auf die Idee kam Ap­pel selbst, als sie nach ei­nem lan­gen Som­mer das En­de der Gar­ten­sai­son be­dau­er­te. „Ich dach­te: Es wä­re doch schön, den Gar­ten für den Win­ter ein­fach in die Woh­nung zu ho­len“, er­in­nert sie sich. Mit ih­rem Wis­sen aus dem el­ter­li­chen Nutz­gar­ten und et­was In­ter­net-Re­cher­che ent­wi­ckel­te sie dar­auf­hin vie­le Ide­en, um Ba­si­li­kum und Co. auch in der Stadt­woh­nung auf­zu­zie­hen.

Ent­schei­dend da­für ist vor al­lem das Licht. Pe­ter­si­lie und Schnitt­lauch wach­sen auch auf ei­ner hel­len Fens­ter­bank, sagt Ap­pel. Aber Pa­pri­ka oder To­ma­ten müs­sen zu­sätz­lich be­leuch­tet wer­den, um zu kei­men und Früch­te zu tra­gen. Sie zim­mer­te sich des­halb Pflan­zen­re­ga­le

mit LED-Strah­lern aus Bau­markt-Ma­te­ria­li­en zu­sam­men. Und we­nig spä­ter ern­te­te sie das ers­te Ge­mü­se in den ei­ge­nen vier Wän­den.

Wer nicht selbst zu Ham­mer und Sä­ge grei­fen will, für den gibt es zahl­rei­che Kom­plett-Sets für das In­door Gar­de­ning zu kau­fen. Un­ter­neh­men wie Plan­tui aus Finn­land oder SproutsIQ aus den

USA bie­ten Sys­tem­lö­sun­gen mit Sa­men­kap­seln, in­tel­li­gen­ter Be­wäs­se­rung und op­ti­ma­ler Be­leuch­tung an. Da­mit sol­len die Pflan­zen mit mi­ni­ma­lem Auf­wand und ohne Er­de in je­der Kü­che wach­sen. Al­ler­dings sind die Sys­te­me re­la­tiv teu­er.

Ei­ne güns­ti­ge­re Al­ter­na­ti­ve gibt es bei Ikea. Der schwe­di­sche Mö­bel­kon­zern hat

sei­ne „In­door Gar­den“-Li­nie „Vä­xer“in Zu­sam­men­ar­beit mit der Uni­ver­si­tät für Agrar­wis­sen­schaf­ten in Upp­sa­la ent­wi­ckelt und im Som­mer 2016 auf den Markt ge­bracht. Für rund 80 Eu­ro kann man sich al­le Bau­tei­le zu­sam­men­stel­len und mit dem Gärt­nern los­le­gen. Gar­ten­ex­per­ten be­wer­ten das Sys­tem sehr po­si­tiv.

Zwei deut­sche Start-ups ge­hen in der Ent­wick­lung noch wei­ter: Das Team von Agri­lu­ti­on aus Mün­chen ar­bei­tet an ei­nem Ku­bus mit Pflanz­schub­la­den, Be­wäs­se­rung und Be­lich­tung, der sich als fes­tes Ele­ment in Ein­bau­kü­chen in­te­grie­ren lässt – ei­ne Art Kühl­schrank mit op­ti­ma­len Be­din­gun­gen für das „In­door Gar­de­ning“. Die Ber­li­ner von In­farm ar­bei­ten mit Ho­tels, Re­stau­rants und Su­per­märk­ten zu­sam­men und in­stal­lie­ren klei­ne Ge­wächs­häu­ser mit Hy­dro­kul­tu­ren di­rekt in den Groß­kü­chen und Ver­kaufs­räu­men.

Blog­ge­rin Sil­via Ap­pel bleibt in ih­rem Heim­gar­ten lie­ber beim klas­si­schen Blu­men­topf. Die hoch tech­ni­sier­ten Fer­tig­sys­te­me pas­sen nicht zu ih­rer Phi­lo­so­phie: „Gärt­nern – auch im Haus – hat für mich auch im­mer et­was Ur­sprüng­li­ches. Das Han­tie­ren mit Er­de und Sa­men ist für mich ein Le­bens­ge­fühl.“Beim „In­door Gar­de­ning“kön­nen das auch Groß­städ­ter ohne Gar­ten spü­ren – ge­nau wie Stu­den­ten mit klei­nem Geld­beu­tel oder Se­nio­ren, die nicht mehr so mo­bil sind. Al­len, die es ein­mal aus­pro­bie­ren möch­ten, emp­fiehlt Ap­pel ih­re ge­lieb­ten Spros­sen: „Die sind ex­trem sim­pel, man muss sie nur ein­mal am Tag mit Was­ser ab­spü­len. Das soll­te wirk­lich je­dem ge­lin­gen.“

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Auf der hei­mi­schen Fens­ter­bank las­sen sich Salate, Kräu­ter und To­ma­ten züch­ten. Das „In­door Gar­de­ning“ist ein neu­er Trend. Fo­to: EMF/Sil­via Ap­pel

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