„Am An­fang lacht man noch“

Ma­xi­mi­li­an Brück­ner bril­liert in bit­ter­bö­ser Sa­ti­re „Hin­da­fing“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Medien / Fernsehen - Von Frank Jür­gens

In der her­aus­ra­gen­den Po­lit­sa­ti­re „Hin­da­fing“über­rascht Ma­xi­mi­li­an Brück­ner als dro­gen­süch­ti­ger Po­li­ti­ker.

So lä­diert hat man Ma­xi­mi­li­an Brück­ner noch in kei­ner Rol­le ge­se­hen. In der Ein­gangs­se­quenz der bril­lan­ten Mi­ni­se­rie „Hin­da­fing“liegt er ge­fes­selt in der Tief­kühl­tru­he. Spä­ter wird dem viel­fach preis­ge­krön­ten Schau­spie­ler in sei­ner neuen Rol­le als Bür­ger­meis­ter Al­fons Zischl so man­ches Haar ge­krümmt und an­ge­k­okelt. Und das al­les, weil der auf­stre­ben­de Po­li­ti­ker plei­te und dro­gen­ab­hän­gig ist und an das Schwarz­geld sei­nes ver­stor­be­nen Va­ters möch­te, in des­sen Schat­ten er steht. Der Plan ei­nes „Bio-Shop­ping­pa­ra­die­ses“und die Ver­pflich­tung zur Auf­nah­me von Flücht­lin­gen mar­kie­ren da­bei nur den Be­ginn ei­ner gan­zen Rei­he von un­heil­vol­len Ver­ket­tun­gen, die zu ei­nem mit­tel­schwe­ren Erd­be­ben füh­ren. Was üb­ri­gens wörtlich zu neh­men ist.

Das baye­ri­sche „Far­go“?

An­ge­sichts die­ser sich an­bah­nen­den Es­ka­la­ti­on der Er­eig­nis­se fühl­ten sich die Pro­du­zen­ten der – man kann es gar nicht oft ge­nug be­to­nen – wirk­lich her­aus­ra­gen­den Mi­ni­se­rie „Hin­da­fing“be­mü­ßigt, ihr Pro­dukt als „baye­ri­sche Ant­wort auf ‚Far­go‘ vor­zu­stel­len. Sind sol­che Ver­glei­che nicht von vorn­her­ein da­zu ver­dammt, nach hin­ten los­zu­ge­hen?

Haupt­dar­stel­ler Brück­ner re­agiert dar­auf im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on ähn­lich wie zu­letzt Bas­ti­an Pas­tew­ka, des­sen Se­rie „Mor­gen hör ich auf“un­nö­ti­ger­wei­se ei­nen Ver­gleich mit „Brea­king Bad“aufs Au­ge ge­drückt be­kam. „Ich fin­de sol­che Ver­glei­che im­mer ganz schwie­rig“, be­tont der ehe­ma­li­ge „Tat­ort“-Kom­mis­sar-Darstel­ler Brück­ner. „Das legt et­was vor, was es nicht sein soll. ‚Hin­da­fing‘ ist ‚Hin­da­fing‘ . Wir ha­ben da ver­sucht,

et­was Ei­ge­nes zu ma­chen, nichts an­zu­leh­nen. Wenn bei ir­gend je­man­dem so ein Ein­druck ent­steht – um­so schö­ner.“

Ge­tra­gen wird die sechs­tei­li­ge Se­rie von ei­nem Lo­kal­ko­lo­rit, das so gar nicht in das Bild baye­ri­scher Hei­ma­tidyl­le pas­sen will. Und auch der Hu­mor ist ein an­de­rer als je­ner, der uns bei­spiels­wei­se aus den Schmun­zel­kri­mis à la „Hu­bert und Stal­ler“ent­ge­gen­weht. Was aber macht „Hin­da­fing“nun an­ders?

Brück­ner kommt um­ge­hend auf ei­ne le­ben­de Le­gen­de zu spre­chen. „Im Baye­ri­schen Fern­se­hen gibt es ja Franz Xa­ver Bo­gner, der mit sei­ner Se­rie ‚Ir­gend­wie und So­wie­so‘ ei­ne der ganz gro­ßen Se­ri­en in Bay­ern ge­schaf­fen hat. Man hat in den letz­ten 20 Jah­ren das Ge­fühl ge­habt, dass je­der ver­sucht hat, das nach­zu­ma­chen. Aber man kam halt nie ran. Wir ha­ben jetzt ver­sucht, et­was Ei­ge­nes zu ma­chen, auch mit po­li­ti­schen The­men, die Re­le­vanz ha­ben. Am An­fang lacht man noch, aber zum Schluss wird das ei­ne bit­ter­bö­se Sa­ti­re, bei der ei­nem das La­chen im Hal­se ste­cken bleibt.“

„Har­tes Ge­schäft“

Wie der Zu­fall es will, hat Brück­ner, der ei­gent­lich „nie Se­ri­en ma­chen“woll­te, vor neun Jah­ren als Ge­mein­de­rat sei­ner Hei­mat­ge­mein­de in Rie­dering ei­ge­ne Er­fah­run­gen in der Kom­mu­nal­po­li­tik ge­sam­melt. „Ich bin da auf­ge­wach­sen und hat­te ir­gend­wie das Be­dürf­nis, et­was zu­rück­zu­ge­ben“, be­grün­det er die­sen Schritt. Und bricht so­gleich ei­ne Lan­ze für die rea­le Kom­mu­nal­po­li­tik. „Das ist ein har­tes Ge­schäft für al­le Leu­te, die sich da en­ga­gie­ren. Das ist ja wie ein Eh­ren­amt. Das wird nicht rich­tig be­zahlt, und man han­delt sich ganz schnell den Un­mut der Be­völ­ke­rung ein.“Aber er sieht auch Schnitt­punk­te zwi­schen po­li­ti­scher Rea­li­tät und der Sa­ti­re in „Hin­da­fing“. „Ich glau­be, dass die Rea­li­tät be­stimmt noch schlim­mer ist als die Sa­ti­re“, sagt Brück­ner. So sei klar, dass Flücht­lin­ge ein Ge­schäft sein könn­ten und man mit ih­nen ho­hen po­li­ti­schen Druck aus­üben kön­ne. „In der Sa­ti­re steckt ein gro­ßes Stück Wahr­heit.“

Fo­to: BR/Neu­e­su­per/Gün­ther Reisp

Plei­te und dro­gen­ab­hän­gig: der auf­stre­ben­de Po­li­ti­ker Al­fons Zischl (Ma­xi­mi­li­an Brück­ner) in der Mi­ni­se­rie „Hin­da­fing“.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.