Über­res­te ei­ner le­gen­dä­ren Band

Lon­do­ner Vic­to­ria and Al­bert Museum zeigt gro­ße Pink-Floyd-Re­tro­spek­ti­ve

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - Von Ka­trin Pri­byl

Das Lon­do­ner Vic­to­ria and Al­bert Museum zeigt in der Aus­stel­lung „The Pink Floyd Ex­hi­bi­ti­on – Their Mor­tal Re­mains“die „sterb­li­chen Über­res­te“aus 50 Jah­ren Band­Ge­schich­te. Doch man will nicht nur Ob­jek­te aus­stel­len: Die Ga­le­ri­en des Mu­se­ums sol­len in die psy­cho­de­li­sche Un­ter­grund-Szene der 60erJah­re ent­füh­ren.

Ein Schwein schwebt hoch oben in der Luft, ge­nau­so wie die Ko­pie ei­nes Kriegs­flug­zeugs, wäh­rend ein gi­gan­ti­scher, auf­blas­ba­rer Leh­rer mit Rohr­stock in der Hand auf den Be­su­cher her­un­ter­blickt. Er wirkt psy­chisch ge­stört. Auch er im über­tra­ge­nen Sin­ne ein Schwein für sei­nen Er­schaf­fer, Ro­ger Wa­ters. Der Mu­si­ker hat die Er­fah­rung mit sei­nem bö­sen Leh­rer, des­sen Aus­bil­dung laut dem be­rühm­ten Lied nie­mand braucht, künst­le­risch ver­ar­bei­tet. Das Schwein flog da­ge­gen über die Lon­do­ner Bat­ter­sea Po­wer Sta­ti­on und bil­de­te das le­gen­dä­re Co­ver für das Al­bum „Ani­mals“– auch die­se Sze­ne­rie mit dem Nach­bau der Sta­ti­on ver­an­schau­licht in der neuen Aus­stel­lung des Vic­to­ria and Al­bert Mu­se­ums über die bri­ti­sche Band Pink Floyd.

Der Ti­tel „Their Mor­tal Re­mains“, ih­re sterb­li­chen Über­res­te, klingt zwar et­was fins­ter. Aber die Schau ist ei­ne fas­zi­nie­ren­de und gleich­wohl ein­dring­li­che Er­in­ne­rung dar­an, wie lan­ge Pink Floyd be­reits die Büh­nen die­ser Welt ro­cken. Es ist ei­ne Rei­se durch fünf Jahr­zehn­te, dar­ge­stellt an­hand von Ori­gi­nal-In­stru­men­ten, Brie­fen, Out­fits und Kun­st­ob­jek­ten, Büh­nen-Ac­ces­soires und Fo­to­gra­fi­en, Vi­deo-Auf­nah­men und Ta­ge­buch­ein­trä­gen. Der Be­su­cher be­tritt die Schau durch ei­ne Re­plik des ur­sprüng­li­chen Tour­bus­ses und lan­det so­fort in der psy­che­de­li­schen Welt der 60er- Jah­re aus Licht- und Vi­deo­shows. Ge­grün­det 1965 von Syd Bar­rett, Nick Ma­son, Ro­ger Wa­ters und Rick Wright, ex­pe­ri­men­tier­ten die Mu­si­ker be­reits zu Be­ginn ih­rer Kar­rie­re so­wohl mit Kunst, mit Neue­run­gen in der Ton­tech­nik als auch mit Dro­gen und wa­ren Teil ei­ner re­bel­li­schen Ju­gend­kul­tur.

Die Aus­stel­lung wur­de chro­no­lo­gisch nach Al­ben ge­ord­net, und man er­kennt, wie sich die Band stets neu er­fun­den hat. Am En­de kre­ierten die Meis­ter der vi­su­el­len Ef­fek­te auf der Büh­ne ein wah­res Rock-Thea­ter und lie­fer­ten bom­bas­ti­sche Büh­nen­shows vor bis zu 90 000 Men­schen. Und so feie­re die Aus­stel­lung eben auch „ei­ne 25jäh­ri­ge gol­de­ne Zeit, als Al­bum­ver­käu­fe durch die De­cke gin­gen und die In­dus­trie über­flu­tet wur­de mit Geld“, sag­te Au­brey Po­well. Er ist ei­ner der Grün­der des De­si­gnTeams von Hip­gno­sis, das für die be­rühm­tes­ten Plat­ten­co­ver ver­ant­wort­lich zeich­net und ge­mein­sam mit dem Museum und den noch le­ben­den Band­mit­glie­dern die Re­tro­spek­ti­ve zu­sam­men­ge­stellt hat. Pink Floyd hät­ten das Mot­to ge­habt: „Die Kunst kommt zu­erst, Geld erst da­nach“, er­in­nert er sich.

Das 1973 er­schie­ne­ne Al­bum „The Dark Si­de of the Moon“mach­te Pink Floyd zu glo­ba­len Su­per­stars. Doch es fällt auf, wie sich die Künst­ler um­so mehr zu­rück­zo­gen, je eu­pho­ri­scher sie auf der Welt­büh­ne ge­fei­ert wur­den. „Wel­cher von ih­nen ist Pink?“, lau­te­te der Dau­er­witz, und er be­zog sich auf die Zu­rück­hal­tung der Mu­si­ker. „Sie hät­ten sich wäh­rend ih­rer ei­ge­nen Auf­trit­te ih­rem Pu­bli­kum an­schlie­ßen kön­nen, ohne er­kannt zu wer­den“, be­fand En­de der 80er der Jour­na­list und Pro­du­zent John Peel über die Bei­na­he-An­ony­mi­tät von Pink Floyd. Die Re­tro­spek­ti­ve im Vic­to­ria and Al­bert Museum macht deut­lich, dass es nur we­ni­ge Bands in der Rock­ge­schich­te ge­schafft ha­ben, die Auf­merk­sam­keit weg von den Personen auf die Mu­sik zu len­ken.

Dass im­mer wie­der die Fet­zen zwi­schen den Band­mit­glie­dern flo­gen, klingt an, aber lei­se. Da­bei be­ton­te Ro­ger Wa­ters noch vor zwei Jah­ren in ei­nem In­ter­view, wie „un­an­ge­nehm“die letz­ten zehn Jah­re in der Band ge­we­sen wa­ren. Das Miss­be­ha­gen sei ge­kom­men, „nach­dem wir mit ‚The Dark Si­de of the Moon‘ ir­gend­wie er­reicht hat­ten, was wir als jun­ge Män­ner er­rei­chen woll­ten: er­folg­reich zu sein. Un­se­re We­ge gin­gen phi­lo­so­phisch und po­li­tisch aus­ein­an­der.“Es war das er­folg­reichs­te Al­bum von Pink Floyd. Ihm ist in der Aus­stel­lung ein Raum ge­wid­met: Vor schwar­zem Hin­ter­grund bricht ein wei­ßer Licht­strahl an ei­nem Pris­ma, der sich da­durch in die Spek­tral­far­ben auf­fä­chert.

Das Museum rech­net bei sei­ner neuen Aus­stel­lung mit ei­nem ähn­li­chen Er­folg wie vor vier Jah­ren, als die Da­vi­dBo­wie-Schau ei­nen Re­kord auf­stell­te. Es war die am schnells­ten aus­ver­kauf­te Aus­stel­lung in der Ge­schich­te des Mu­se­ums. Pink Floyds sterb­li­chen Über­res­te sol­len an die­sen Er­folg an­knüp­fen.

Das Co­ver des „Ani­mals“-Al­bums mit ei­nem flie­gen­den Schwein über der Lon­do­ner Bat­ter­sea Po­wer Sta­ti­on wur­de für die Aus­stel­lung nach­ge­baut. Fo­to: AFP

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