Das un­ge­lieb­te Kind

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - Von Ste­fan Lüd­de­mann s.lued­de­mann@noz.de

Ak­tu­ell gibt es da nie­man­den“: So ant­wor­te­te Nord­rhein-West­fa­lens ab­ge­wähl­te Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft (SPD) vor dem Ur­nen­gang in ei­nem Fra­ge­bo­gen auf die Fra­ge nach ih­rem liebs­ten Ro­man­hel­den. Ei­ne Re­gie­rungs­che­fin, die nicht liest? Krafts Ant­wort wirk­te wie das Si­g­net ei­ner Re­gie­rung, der Kul­tur gleich­gül­tig ist. Kul­tur fir­mier­te un­ter Kraft im Bin­de­strich-Port­fo­lio der Mi­nis­te­rin Chris­ti­na Kamp­mann als spür­bar un­ge­lieb­tes Kind der Lan­des­po­li­tik.

Die­ser Zu­stand spie­gel­te ei­ne weit­ver­brei­te­te Mar­gi­na­li­sie­rung der Kul­tur­po­li­tik. Vie­le Städ­te ver­zich­te­ten auf ei­nen ei­ge­nen Kul­tur­de­zer­nen­ten, vie­le Län­der auf ei­ge­ne Kul­tur­mi­nis­ter. Die­ser Zu­stand ist per se skan­da­lös. In Nord­rheinWest­fa­len ist er Ausweis ei­ner un­glaub­li­chen Ge­dan­ken­lo­sig­keit.

Schließ­lich ver­fügt das nach der Be­völ­ke­rung größ­te Bun­des­land über ei­ne her­aus­ra­gen­de Viel­falt und Qua­li­tät der Küns­te und der Kul­tur. Ob Pi­na Bausch oder Jo­seph Beuys, Köl­ner Dom oder „Ruhr2010“– NRW ist ein Kraft­werk der Kul­tur. Das müss­te nur end­lich er­kannt und ernst ge­nom­men wer­den. Für NRW er­gä­be sich die groß­ar­ti­ge Chan­ce, die ei­ge­ne Ge­schich­te mit Kul­tur end­lich ein­mal voll­stän­dig zu er­zäh­len.

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