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Nie­der­lan­de: Pre­mier Rut­te muss neue Ko­ali­ti­on schmie­den

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von Fa­bi­an Busch

AMS­TER­DAM. Die Nach­richt kommt am Mon­tag­abend auch für er­fah­re­ne Be­ob­ach­ter über­ra­schend. „Es hat nicht ge­klappt“, sagt die nie­der­län­di­sche Ge­sund­heits­mi­nis­te­rin Edith Schippers, als sie in Den Haag vor die Pres­se tritt. Sie hat­te die Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen für ei­ne li­be­ral-christ­de­mo­kra­tisch-grü­ne Re­gie­rung ge­lei­tet. Am En­de er­folg­los: „Ein­wan­de­rung war die Hür­de, die zu hoch war“, so Schippers.

Zwei Mo­na­te nach den Par­la­ments­wah­len steht die Re­gie­rungs­bil­dung in den Nie­der­lan­den da­mit wie­der ganz am An­fang. Die La­ge ist schwie­rig: 13 Par­tei­en sit­zen seit März in der Zwei­ten Kam­mer. Mi­nis­ter­prä­si­dent Mark Rut­te hat­te mit sei­ner kon­ser­va­tiv-li­be­ra­len VVD zwar die meis­ten Stim­men ge­holt. Um auf ei­ne Mehr­heit zu kom­men, braucht er aber min­des­tens drei Part­ner. Des­we­gen ver­han­del­te er un­ter Lei­tung sei­ner Ge­sund­heits­mi­nis­te­rin mit Par­tei­en, die stark hin­zu­ge­won­nen hat­ten: Christ­de­mo­kra­ten (CDA), So­zi­al­li­be­ra­le (D66) und Grün-Links.

Die Ver­hand­lungs­füh­rer hat­ten brei­te ideo­lo­gi­sche Grä­ben zu über­brü­cken, be­ton­ten aber im­mer wie­der die gu­te Ge­sprächs­at­mo­sphä­re und ih­ren Wil­len zur Ei­ni­gung. Um­welt­po­li­ti­ker leg­ten be­reits weit­rei­chen­de Vor­schlä­ge zur Kli­ma­po­li­tik vor.

Am En­de ha­ben sich dann aber die Stand­punk­te zu Ein­wan­de­rung und In­te­gra­ti­on als un­über­brück­bar er­wie­sen – das The­ma, das auch den Wahl­kampf ge­prägt hat­te. Die Spit­zen­po­li­ti­ker woll­ten nach dem Schei­tern ih­rer Ge­sprä­che kei­ne ge­nau­en An­ga­ben zu den Streit­punk­ten ma­chen, nie­man­dem die Schuld in die Schu­he schie­ben. Klar ist aber, dass sie sich bei dem The­ma un­ter­schied­lich pro­fi­lie­ren woll­ten. Rut­te be­zeich­net es als sein Ver­dienst, dass das von ihm mit­ver­han­del­te Tür­kei­ab­kom­men die Zahl der Flücht­lin­ge in Eu­ro­pa deut­lich ge­senkt ha­be. „Ich will kei­nen An­füh­rer un­se­res Lan­des, der stolz dar­auf ist, Men­schen im Stich zu las­sen“, hat­te ihm der Grü­nen-Front­mann Jes­se Kla­ver in ei­ner Wahl­de­bat­te ent­ge­gen­ge­schmet­tert.

Für die nie­der­län­di­schen Grü­nen wä­re die Re­gie­rungs­be­tei­li­gung ei­ne Pre­mie­re ge­we­sen – aber wohl auch ei­ne Be­las­tungs­pro­be. Ei­ne Ko­ali­ti­on mit Rut­tes rechts­li­be­ra­ler VVD und dem CDA wä­re der grü­nen Ba­sis wohl nur bei weit­rei­chen­den Zu­ge­ständ­nis­sen der Part­ner ver­mit­tel­bar ge­we­sen. Rut­te wie­der­um hat­te sich schon im Wahl­kampf ei­ne har­te Hal­tung ge­gen­über Flücht­lin­gen zu­ge­legt – of­fen­bar auch, um Rechts­po­pu­list Geert Wil­ders kei­ne Wäh­ler zu­zu­trei­ben.

Wil­ders wie­der­um mel­de­te sich nach dem Schei­tern der Ver­hand­lun­gen über den Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter zu Wort. Sei­ne Par­tei sei für die Ko­ali­ti­ons­ge­sprä­che „kom­plett ver­füg­bar“. Ei­ne Zu­sam­men­ar­beit mit ihm ha­ben bis­her aber fast al­le Par­tei­en aus­ge­schlos­sen. Als wahr­schein­lich gilt eher, dass Rut­te es wei­ter­hin mit CDA und D66 ver­sucht – als neu­en Part­ner aber die klei­ne cal­vi­nis­ti­sche Chris­ten-Uni­on ins Boot ho­len will.

Mark Rut­te Fo­to: dpa

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