War­um Trump ge­plau­dert hat

„Hu­ma­ni­tä­re Grün­de“für Wei­ter­ga­be ge­hei­mer In­fos an Russ­land ge­nannt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Wie­der muss sich Do­nald Trump un­be­que­me Fra­gen zu Russ­land ge­fal­len las­sen. Bei ei­nem Tref­fen mit Ver­tre­tern des Kreml soll er all­zu frei­mü­tig über bri­san­te Ge­heim­dienst­in­for­ma­tio­nen ge­plau­dert ha­ben. Er selbst stellt es ganz an­ders dar.

WASHINGTON. US-Prä­si­dent Do­nald Trump hat ei­ne Wei­ter­ga­be von In­for­ma­tio­nen an rus­si­sche Re­gie­rungs­ver­tre­ter ver­tei­digt. Trump er­klär­te, er ha­be mit dem rus­si­schen Au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej La­w­row „Fak­ten über Ter­ro­ris­mus und Flug­si­cher­heit“ge­teilt. Da­zu ha­be er als Prä­si­dent das Recht.

Der Prä­si­dent ging da­mit auf Vor­wür­fe ein, wo­nach er hoch­sen­si­ble Ge­heim­dienst­in­for­ma­tio­nen aus­ge­plau­dert ha­be. Laut ei­nem Be­richt der „Washington Post“soll Trump bei dem Tref­fen mit La­w­row und dem rus­si­schen Bot­schaf­ter Ser­gej Kis­lyak am ver­gan­ge­nen Mitt­woch sen­si­ble De­tails über ei­nen An­schlags­plan der Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) of­fen­bart ha­ben. Die In­for­ma­tio­nen stamm­ten dem­nach vom Ge­heim­dienst ei­nes mit den USA be­freun­de­ten Lan­des – und hät­ten nicht wei­ter­ge­ge­ben wer­den dür­fen. Russ­land de­men­tier­te die Be­rich­te.

Die Er­kennt­nis­se, über die nach der „Washington Post“auch die „New York Ti­mes“be­rich­te­te, stamm­ten den Zei­tun­gen zu­fol­ge aus dem in­ne­ren Zir­kel der Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS). Das Ma­te­ri­al sei so sen­si­bel, dass es nicht ein­mal in brei­te­ren Krei­sen der US-Re­gie­rung oder mit Ver­bün­de­ten ge­teilt wor­den sei, schrieb die „New York Ti­mes“. Aus dem, was Trump bei dem Tref­fen im Oval Of­fice des Wei­ßen Hau­ses ge­sagt ha­be, kön­ne Russ­land auf die Qu­el­le der In­for­ma­tio­nen so­wie die Me­tho­de der In­for­ma­ti­ons­ge­win­nung schlie­ßen, hieß es.

Laut ei­nem wei­te­ren Be­richt der „New York Ti­mes“stamm­ten die Er­kennt­nis­se aus is­rae­li­schen Ge­heim­dienst­quel­len. Die Zei­tung be­rief sich da­bei auf Mit­ar­bei­ter der US-Re­gie­rung. Ein Spre­cher des is­rae­li­schen Au­ßen­mi­nis­te­ri­ums woll­te da­zu kei­ne Stel­lung neh­men.

Dass die Hin­wei­se zu­min­dest zum Teil aus Is­ra­el stam­men könn­ten, hät­te ei­ne be­son­de­re Bri­sanz. Über den Um­weg Russ­land könn­ten die In­for­ma­tio­nen an den Iran ge­lan­gen – Erz­feind Is­ra­els und Ver­bün­de­ter Russ­lands. Trump be­sucht im Zu­ge sei­ner ers­ten Aus­lands­rei­se in der nächs­ten Wo­che Jerusalem.

Der US-Prä­si­dent soll un­ter an­de­rem den Na­men der sy­ri­schen Stadt ge­nannt ha­ben, in der der Ge­heim­dienst die In­for­ma­tio­nen ge­won­nen hat­te. Er ha­be of­fen­bar mit sei­nem Wis­sen prah­len wol­len, hieß es in den Be­rich­ten. Da­bei han­del­te es sich den An­ga­ben zu­fol­ge um ei­ne mög­li­che Be­dro­hung durch IS-Ter­ro­ris­ten im Zu­sam­men­hang mit der Nut­zung von Lap­tops an Bord von Flug­zeu­gen.

Trump be­grün­de­te die Preis­ga­be der In­for­ma­tio­nen da­mit, dass er es aus „hu­ma­ni­tä­ren Grün­den“ge­tan ha­be. Au­ßer­dem ha­be er Russ­land da­zu be­we­gen wol­len, mehr im Kampf ge­gen den Ter­ro­ris­mus zu tun.

Nicht nur von den De­mo­kra­ten, son­dern auch aus Trumps ei­ge­ner Par­tei kam Kri­tik. „Ganz of­fen­sicht­lich be­fin­den sie sich in ei­ner Ab­wärts­spi­ra­le“, sag­te der re­pu­bli­ka­ni­sche Se­na­tor Bob Cor­ker über das Wei­ße Haus. Auch der Vor­sit­zen­de des Ab­ge­ord­ne­ten­hau­ses, Paul Ryan, der dem Prä­si­den­ten bis­her äu­ßerst treu war, for­der­te Auf­klä­rung von Trump.

Ge­lös­te At­mo­sphä­re: US-Prä­si­dent Do­nald Trump (Mit­te) un­ter­hält sich am vo­ri­gen Mitt­woch mit Russ­lands Au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej La­w­row (links) und dem rus­si­schen Bot­schaf­ter Ser­gej Kisljak im Wei­ßen Haus. Fo­to: Rus­si­an For­eign Mi­nis­try/AP/dpa

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