Steu­er­plä­ne: Weil will So­li ab­schaf­fen

Nie­der­sach­sen legt Kon­zept vor

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest -

Die nie­der­säch­si­sche Lan­des­re­gie­rung schal­tet sich in den Streit um ei­ne bun­des­wei­te Steu­er­ent­las­tung ein: Mi­nis­ter­prä­si­dent Weil will den So­li ab­schaf­fen und die Ein­kom­men­steu­er neu ord­nen.

Von Klaus Wie­sche­mey­er HAN­NO­VER. Nie­der­sach­sen schlägt die Ab­schaf­fung des So­li­da­ri­täts­zu­schla­ges und ei­ne Re­form der Ein­kom­men­steu­er vor. Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) stell­te am Di­ens­tag in Han­no­ver ein ge­mein­sam mit dem Münch­ner Ifo-In­sti­tut er­ar­bei­te­tes Steu­er­mo­dell mit dem Na­men „Nie­der­sach­sen­ta­rif “vor.

Dem­nach soll der für den Auf­bau Ost ein­ge­führ­te So­li­da­ri­täts­zu­schlag ab­ge­schafft wer­den. Die da­mit frei wer­den­den 20 Mil­li­ar­den Eu­ro sol­len zur Hälf­te durch ei­ne Neu­ge­stal­tung der Ein­kom­men­steu­er wie­der her­ein­ge­holt wer­den – da­mit ver­blie­be ei­ne Steu­er­ent­las­tung von 10 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Bei der Ein­kom­men­steu­er soll der stei­le An­stieg bei nied­ri­gen Ein­kom­men ab­ge­flacht wer­den. Bei Gut­ver­die­nern schlägt der Plan ei­ne An­he­bung des Spit­zen­steu­er­sat­zes ab 150000 Eu­ro Jah­res­ein­kom­men auf 49 Pro­zent an. Bis­lang gilt die­ser ab ei­nem Ein­kom­men von knapp 55 000 Eu­ro und liegt mit 42 Pro­zent deut­lich nied­ri­ger. Mit dem Mo­dell wür­den drei Vier­tel der Steu­er­pflich­ti­gen ent­las­tet, sag­te Fi­nanz­mi­nis­ter Pe­ter-Jür­gen Schnei­der (SPD). Vor al­lem bei ge­rin­gen und mitt­le­ren Ein­kom­men soll die Er­leich­te­rung spür­bar sein.

Ei­ne Mehr­be­las­tung stel­le sich erst ab ei­nem Jah­res­ein­kom­men von über 112 000 Eu­ro (Al­lein­ste­hen­de) und 210 000 Eu­ro (Ver­hei­ra­te­te) ein. Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil be­zeich­ne­te den Nie­der­sach­sen­ta­rif als „Im­puls“und Kon­zept „mit Maß und Mit­te“.

Als Vor­griff auf das noch aus­ste­hen­de Steu­er­kon­zept der Bun­des-SPD will Weil das Pa­pier nicht ver­stan­den wis­sen. Al­ler­dings durch­aus als fun­dier­ten Dis­kus­si­ons­bei­trag, der nicht auf Kos­ten von Län­dern und Kom­mu­nen geht. Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz ken­ne das Pa­pier, sag­te Weil. Schulz hat­te am Mon­tag­abend er­klärt, Nie­der­sach­sen ar­bei­te an ei­nem Kon­zept.

Weil gab sich über­zeugt, dass der Nie­der­sach­sen-Vor­schlag bes­ser sei als die bis­her vor­ge­stell­ten Kon­zep­te der po­li­ti­schen Kon­kur­renz: „Wenn ir­gend­je­mand ei­ne bes­se­re Idee hat, wer­de ich ihm zu­stim­men. Ich ha­be sie nur noch nicht ge­hört“, sag­te er.

Mit vol­ler Wucht ins Knie

CDU und FDP kri­ti­sier­ten den Vor­schlag. Weil tre­te Mar­tin Schulz nur zwei Ta­ge nach der Wahl in Nord­rheinWest­fa­len „mit vol­ler Wucht von hin­ten in die Knie“, sag­te der CDU-Spit­zen­kan­di­dat Bernd Al­t­hus­mann. Der Chef der CDU-Lan­des­grup­pe im Bun­des­tag, Ma­thi­as Mid­del­berg, warn­te vor ei­ner Schä­di­gung des Wirt­schafts­stand­orts Nie­der­sach­sen. „Die mas­si­ven Steu­er­er­hö­hun­gen im obe­ren Ta­rif­be­reich tref­fen nicht nur ,Rei­che‘ , son­dern die Mas­se der nie­der­säch­si­schen Un­ter­neh­men“, warn­te Mid­del­berg. FDP-Land­tags­frak­ti­ons­chef Chris­ti­an Dürr kri­ti­sier­te, dass Weil aus dem Kon­zept kei­nen Bun­des­rats­an­trag ma­chen will. „Man wird den Ver­dacht nicht los, dass hier auf Kos­ten der Steu­er­zah­ler ein Bei­trag zum SPD-Wahl­kampf ge­leis­tet wer­den soll“, sag­te Dürr.

Der Bund der Steu­er­zah­ler sprach von „Zu­cker­brot und Peit­sche“. Der So­li ha­be 26 Jah­re nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung je­g­li­che Le­gi­ti­mi­tät ver­lo­ren, sag­te Prä­si­dent Rei­ner Holz­na­gel. An­ge­sichts von Re­kord­ein­nah­men sei­en Steu­er­er­hö­hun­gen aber un­an­ge­bracht.

Ste­phan Weil schlägt ei­ne Steu­er­re­form vor. Fo­to: dpa

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