Ex-Be­triebs­rats­chef bleibt straf­frei

Mey­er Werft: Ge­richt stellt Ver­fah­ren we­gen Nö­ti­gung ge­gen Geld­auf­la­ge ein

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

Das Straf­ver­fah­ren we­gen Nö­ti­gung ge­gen den frü­he­ren Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den der Pa­pen­bur­ger Mey­er Werft, Ibra­him Er­gin, ist ge­gen ei­ne Geld­auf­la­ge von 5000 Eu­ro vor­läu­fig ein­ge­stellt.

Von Gerd Scha­de PA­PEN­BURG. Wie das Amts­ge­richt Pa­pen­burg ges­tern mit­teil­te, muss Er­gin die­sen Be­trag in­ner­halb der nächs­ten sechs Mo­na­te in Ra­ten an ei­ne ge­mein­nüt­zi­ge Ein­rich­tung zah­len. „Bei frist­ge­rech­ter Er­fül­lung der Auf­la­ge wird das Ver­fah­ren end­gül­tig ein­ge­stellt“, so das Ge­richt. Da­mit blie­be er straf­frei, wie Amts­ge­richts­di­rek­tor Ha­rald Dee­ken auf Nach­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on be­stä­tig­te. Mit dem Be­schluss ist der für die kom­men­de Wo­che an­be­raum­te Haupt­ver­hand­lungs­ter­min, zu dem an zwei Ta­gen ins­ge­samt 19 Zeu­gen ge­la­den wa­ren, auf­ge­ho­ben.

Er­gin war vor­ge­wor­fen wor­den, in sei­ner Funk­ti­on als Be­triebs­rat in den Jah­ren 2011 und 2012 Werk­stu­den­ten ge­nö­tigt zu ha­ben, in die Ge­werk­schaft IG Me­tall ein­zu­tre­ten. Die Staats­an­walt­schaft Os­na­brück sprach von sechs Fäl­len. Er­gin hat die Vor­wür­fe stets ab­ge­strit­ten, zwi­schen­zeit­lich je­doch selbst vor­ge­schla­gen, das Ver­fah­ren ge­gen ei­ne Zah­lung von 5000 Eu­ro ein­zu­stel­len.

Die­sen De­al hat­te die Staats­an­walt­schaft je­doch ab­ge­lehnt. Zur Be­grün­dung hat­te es da­zu un­ter an­de­rem von­sei­ten des Spre­chers der Staats­an­walt­schaft, Alex­an­der Re­te­mey­er, im De­zem­ber ge­hei­ßen, dass Er­gin sich „nicht frei­kau­fen“kön­ne und es aus Grün­den des Op­fer­schut­zes zum Pro­zess kom­men soll­te. „Wir sind mit der Ein­stel­lung ein­ver­stan­den“, er­klär­te Re­te­mey­er am Di­ens­tag auf An­fra­ge.

Die Mey­er Werft be­grüßt den Be­schluss des Ge­richts. „Wir ha­ben die Ent­schei­dung zur Kennt­nis ge­nom­men. Es ist gut, dass das The­ma be­en­det ist“, er­klär­te Werft­spre­cher Pe­ter Hack­mann. Die Werft hat­te die straf­recht­li­chen Er­mitt­lun­gen in­di­rekt über ih­re An­wäl­te auf den Weg ge­bracht.

Auch bei der IG Me­tall wur­de die Nach­richt po­si­tiv auf­ge­nom­men. „Al­len Be­tei­lig­ten bleibt da­mit ein lang­wie­ri­ges, mög­li­cher­wei­se über meh­re­re In­stan­zen lau­fen­des Ver­fah­ren er­spart“, er­klär­te Mein­hard Gei­ken, Be­zirks­lei­ter der IG Me­tall Küs­te. Die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens sei aber we­der ein Schuld­ein­ge­ständ­nis noch ei­ne Ver­ur­tei­lung Erg­ins. „Für ihn gilt wei­ter­hin die Un­schulds­ver­mu­tung. Wir er­war­ten, dass das von al­len re­spek­tiert wird und die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens so für ei­ne Be­frie­dung sorgt“, so Gei­ken.

Er­gin hat die Werft im ver­gan­ge­nen Som­mer ver­las­sen. Er ist in­zwi­schen als Ge­werk­schafts­se­kre­tär beim Deut­schen Ge­werk­schafts­bund in Ol­den­burg tä­tig.

Mit der vor­läu­fi­gen Ein­stel­lung des Straf­ver­fah­rens nei­gen sich die ge­richt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen für Er­gin in Sa­chen Mey­er Werft dem En­de zu. Das Un­ter­neh­men hat­te ihm we­gen der Nö­ti­gungs­vor­wür­fe im Sep­tem­ber 2015 frist­los kün­di­gen wol­len, war mit dem Vor­ha­ben aber we­gen Form­feh­lern vor dem Ar­beits­ge­richt Lin­gen ge­schei­tert. Kurz vor der Ver­hand­lung in zwei­ter In­stanz vor dem Ar­beits­ge­richt Han­no­ver ei­nig­ten sich die Streit­par­tei­en im ver­gan­ge­nen Au­gust au­ßer­ge­richt­lich.

Ge­gen ei­ne Zah­lung von 5000 Eu­ro stellt das Amts­ge­richt Pa­pen­burg das Ver­fah­ren ge­gen den frü­he­ren Vor­sit­zen­den des Be­triebs­ra­tes der Mey­er Werft, Ibra­him Er­gin (vor­ne), ein. Fo­to: Gerd Scha­de/Ar­chiv

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