„Ei­ne Ein­bruch­se­rie ist gut fürs Ge­schäft“

Die Os­na­brü­cker Tre­sor­b­au­fir­ma Karl Reyl fer­tigt Maß­schrän­ke für schüt­zens­wer­te Kost­bar­kei­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Von Joa­chim Dier­ks

OS­NA­BRÜCK. Kunst­voll ver­zier­te Geld­schrän­ke – frü­her wa­ren sie der Stolz der Fir­men­pa­tri­ar­chen. Sie stan­den für gu­te Ge­schäf­te, er­hiel­ten ei­nen Eh­ren­platz. Mo­der­ne Mo­del­le sind qua­dra­tisch und schlicht. Die Os­na­brü­cker Tre­sor­b­au­fir­ma Karl Reyl hat sich dem Wan­del des Mark­tes an­ge­passt.

„Wir ver­kau­fen heu­te wie­der mehr Geld­schrän­ke aus Ei­gen­fer­ti­gung“, sagt Ralf Rei­zer, Ge­schäfts­füh­rer der Fir­ma Karl Reyl. Ge­ra­de bei Pri­vat­kun­den stei­ge das Si­cher­heits­be­dürf­nis. „Ich mag’ s bald gar nicht sa­gen, aber es ist so: Ei­ne Ein­bruch­se­rie ist gut fürs Ge­schäft.“Klei­ne­re Wert­schrän­ke, die man auch bei ei­nem Um­zug noch ei­ni­ger­ma­ßen mit­neh­men kön­ne, wür­den gut nach­ge­fragt. Rei­zer zählt auf den Ab­schre­ckungs­ef­fekt je­des Tre­sors: Zu­min­dest in der Be­schaf­fungs­kri­mi­na­li­tät ge­he es um das schnel­le, leicht zu­gäng­li­che Geld. „Wenn die ei­nen Tre­sor se­hen, dann ge­hen sie ein Haus wei­ter“, sagt Rei­zer.

Auch bei der Grün­dung der Fir­ma 1958 durch Karl Reyl bau­te das Os­na­brü­cker Un­ter­neh­men maß­ge­schnei­der­te Tre­so­re. Reyl fand sei­ne Kund­schaft un­ter Fir­men und Pri­vat­leu­ten. Aus Al­ters­grün­den such­te er 1980 ei­nen Nach­fol­ger. Ei­ne Lö­sung er­gab sich im Be­kann­ten­kreis. Reyl und Schlos­ser­meis­ter Kurt Rei­zer, Se­ni­or­chef der Os­na­brü­cker Me­tall­bau­fir­ma Rei­zer, wa­ren Schüt­zen­brü­der. Zum 1. Sep­tem­ber 1980 über­nahm Rei­zer die Tre­sor­b­au­fir­ma mit­samt drei ver­blie­be­nen Mit­ar­bei­tern und rich­te­te ihr ei­ne neue Werk­statt im ei­ge­nen Fir­men­kom­plex ein. Ju­ni­or­chef Ralf Rei­zer wur­de Ge­schäfts­füh­rer der recht­lich wei­ter­hin selbst­stän­di­gen Fir­ma Reyl.

Die für das Os­na­brü­cker Un­ter­neh­men glück­li­che Wen­de zu in­di­vi­du­el­le­ren Geld­schrän­ken wur­de mit der wach­sen­den Be­deu­tung von Prüf­insti­tu­ten und kom­ple­xe­ren An­for­de­run­gen ein­ge­lei­tet. „Vor­her gab es prak­tisch nur zwei Si­cher­heits­stu­fen“, er­klärt Ralf Rei­zer, „‚A‘ für leich­ten Ein­bruch­schutz und oh­ne Schutz ge­gen Feu­er, ‚B‘ mit Schutz ge­gen Feu­er.“Deut­sche und eu­ro­päi­sche Nor­men le­gen seit­her Wi­der­stands­klas­sen fest in Ab­hän­gig­keit von ge­werb­li­cher oder pri­va­ter Nut­zung.

Seit 2005 hat Reyl sich dar­auf spe­zia­li­siert, Kun­den zu be­ra­ten und in­di­vi­du­el­le Lö­sun­gen zu ent­wi­ckeln. De­ren Grund­la­ge sind pas­sen­de Pro­duk­te aus den Lie­fer­pro­gram­men der we­ni­gen Se­ri­en­an­bie­ter, die es noch gibt. Sie wer­den zu­ge­kauft, die Schrän­ke ge­ge­be­nen­falls an­ge­passt. Reyl baut sie beim Kun­den ein und über­nimmt die War­tung.

Die Stär­ke des Os­na­brü­cker Her­stel­lers liegt dar­in, die schüt­zen­den Schrän­ke in „Los­grö­ße 1“auf Be­stel­lung genau nach den Vor­stel­lun­gen des Kun­den fer­ti­gen zu kön­nen. Wenn ei­ne Dach­schrä­ge zu be­rück­sich­ti­gen war – kein Pro­blem. Wenn ei­ner be­son­ders vie­le Ein­zel­fä­cher ha­ben woll­te – kein Pro­blem.

Ser­vice­leis­tun­gen ma­chen ei­nen wich­ti­gen Teil des Ge­schäfts aus. Wenn die Zah­len­kom­bi­na­ti­on nicht mehr funk­tio­niert, der Schlüs­sel hakt oder ver­lo­ren ge­gan­gen ist, kann Reyl hel­fen. Dann be­sorgt Reyl das Ge­schäft der Pan­zer­kna­cker­ban­de, al­ler­dings pro­fes­sio­nell und wie­der­her­stel­lungs­freund­lich. Gar nicht so sel­ten mel­den sich Zoll oder Steu­er­fahn­dung und wün­schen ei­ne Tre­sor­öff­nung.

„Reyl ist mein Hob­by“, sagt Ralf Rei­zer. In Haupt­funk­ti­on ist der Ober­meis­ter der Me­tal­lIn­nung Os­na­brück Chef der Me­tall­bau­fir­ma Hans Rei­zer. „Aber wenn dann mal so ein kunst­vol­les al­tes Rie­gel­werk nicht mehr ge­hor­chen will, dann reizt mich das.“

Kunst­vol­le al­te Rie­gel­wer­ke nimmt sich Me­tall­bau­er Ralf Rei­zer am liebs­ten per­sön­lich vor. Fo­to: Jörn Mar­tens

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