Zwi­schen Abs­trak­ti­on und Rea­lis­mus

Ma­ler Žar­ko Ra­dic stellt sei­ne Bil­der in der Ga­le­rie Kunst-Ge­nuss aus

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Tom Bull­mann

OS­NA­BRÜCK. Ei­ne Frau im knap­pen Mi­ni­rock zieht die Bli­cke auf sich. Doch in welch ei­nem Mi­lieu be­wegt sie sich? Wei­ter hin­ten lehnt ein bier­bäu­chi­ger Streu­ner an ei­nem La­ter­nen­mast, vor ei­ner Me­tro­po­len­ku­lis­se fla­niert ein Mann mit Schie­ber­müt­ze, und auf ei­ner Brü­cke ist die Sil­hou­et­te ei­nes Man­nes zu se­hen, der sich im nächs­ten Mo­ment in die Tie­fe stür­zen könn­te.

„In the Dar­kness“ist das Bild be­ti­telt, das auf be­ein­dru­cken­de Wei­se mit den Rea­li­täts­ebe­nen spielt. Ei­ner­seits könn­te sich die Sze­ne­rie so in ei­ner Groß­stadt ir­gend­wo in un­se­rer Welt ab­ge­spielt ha­ben. Den­noch wirkt sie ir­re­al, denn der Künst­ler, der das Werk schuf, ar­bei­tet mit ei­ni­gen sti­lis­ti­schen Tricks. So ist die Frau im Vor­der­grund selt­sam ein­di­men­sio­nal. Pla­ka­tiv, fast wie in PopArt-Ma­nier cha­rak­te­ri­siert sie das Am­bi­en­te. Die Stadt mit ih­ren Wol­ken­krat­zern im Hin­ter­grund ist ge­ra­de­zu rea­lis­tisch, da­ge­gen wirkt der Mann auf der Brü­cke vor dem rie­si­gen Voll­mond sur­re­al.

„Abs­trak­ti­on und Rea­lis­mus im Dia­log“lau­tet na­he­lie­gend der Ti­tel der Aus­stel­lung mit Ar­bei­ten von Žar­ko Ra­dic. Die Ent­wick­lung des Künst­lers wird an­hand von ei­ni­gen äl­te­ren Bil­dern ver­deut­licht. Vor mehr als zehn Jah­ren ar­bei­te­te er abs­trakt, wid­me­te sich der in­for­mel­len Ma­le­rei. Doch im Lau­fe der Jah­re schlich sich zu­neh­mend die Rea­li­tät in sei­ne Wer­ke. Fi­gu­ra­ti­ves zeugt mehr und mehr von sei­nem Drang, per­sön­li­che Er­fah­run­gen und Ge­sell­schaft­li­ches in sei­ne Bil­der zu in­te­grie­ren.

Be­son­ders krass wird das in sei­nem Bild „Im Mu­se­um“deut­lich. Da sitzt ein Mann mit Ruck­sack breit­bei­nig vor ei­nem mo­no­chrom-schwar­zen Bild, das an das „Schwar­ze Qua­drat“von Ka­si­mir Ma­le­witsch er­in­nert. Doch der „Be­trach­ter“hat sei­nen Kopf ge­senkt, als schaue er statt auf das Bild auf sein Smart­phon. Und im Vor­der­grund wird ein le­sen­der Mann mit pun­ki­gem Haar­schnitt und her­un­ter­ge­las­se­ner Ho­se zum Kun­st­ob­jekt. Ein­fach nur skur­ri­le Sze­ne­rie oder sub­ti­le Aus­ein­an­der­set­zung mit Zeit­geist und Kunst­markt? Ei­nes ist je­den­falls auf­fäl­lig: dass Žar­ko Ra­dic sei­ne ak­tu­el­len Bil­der in­sze­niert. Wie auf ei­ner Büh­ne agie­ren die Prot­ago­nis­ten. Der Grund ist na­he­lie­gend. Lan­ge Zeit ar­bei­te­te der ge­bür­ti­ge Ser­be als Büh­nen­bild­ner für nam­haf­te Re­gis­seu­re wie Claus Pey­mann oder Le­an­der Haus­s­mann.

„Abs­trak­ti­on und Rea­lis­mus

im Dia­log“. Ma­le­rei und Tu­sche­zeich­nun­gen von Žar­ko Ra­dic. Ga­le­rie Kunst-Ge­nuss (Lie­big­stra­ße 29): Bis 11. Ju­ni. Don­ners­tags von 14 bis 20 Uhr, sonn­tags von 14 bis 18 Uhr und nach te­le­fo­ni­scher Ver­ein­ba­rung un­ter 01 70/ 8 35 03 20.

Ga­le­rist Wolf­gang Knaup prä­sen­tiert die Wer­ke des Künst­lers Žar­ko Ra­dic. Fo­to: Eg­mont Sei­ler

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