Weil sie es al­lei­ne zu Hau­se nicht mehr aus­hal­ten

HHO lädt ein – Po­li­ti­ker sol­len mit Be­trof­fe­nen ins Ge­spräch kom­men

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Vor der Bun­des­tags­wahl lädt die Heil­päd­ago­gi­sche Hil­fe Os­na­brück (HHO) Po­li­ti­ker ver­schie­de­ner Par­tei­en ein, mit Be­hin­der­ten ins Ge­spräch zu kom­men – so jetzt auch Ma­thi­as Mid­del­berg (CDU). Von San­dra Dorn OS­NA­BRÜCK. Der Os­na­brü­cker Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te be­such­te den Nach­bar­schafts­treff­punkt Bu­er­sche Stra­ße 143 im Schin­kel. Drei­mal die Wo­che kön­nen dort Men­schen mit Pro­ble­men un­ge­zwun­gen zu­sam­men­kom­men, er­läu­ter­te Bir­git Theil­mann, die bei der HHO den Be­reich Am­bu­lan­te As­sis­tenz Os­na­brück-Ost lei­tet. „Ich ha­be auch Pro­ble­me“, sag­te Mid­del­berg, um ei­ne Ab­gren­zung zu den Be­su­chern des Treff­punk­tes auf­zu­he­ben. „Aber Sie ha­ben wahr­schein­lich Freun­de und Fa­mi­lie“, er­wi­der­te Theil­mann. „Die­je­ni­gen, die zu uns kom­men, sa­gen: Ich hal­te es al­lei­ne zu Hau­se nicht aus.“Wei­te­re Nach­bar­schafts­treff­punk­te gibt es im Ro­sen­platz­quar­tier und in Has­te.

Rund 160 Men­schen mit geis­ti­ger Be­hin­de­rung oder psych­ia­tri­scher Stö­rung le­ben im Zu­stän­dig­keits­be­reich der am­bu­lan­ten As­sis­tenz Os­na­brück-Ost – ent­we­der in ei­ner ei­ge­nen Woh­nung oder in Wohn­grup­pen. Man­chen reicht ei­ne halb­stünd­li­che Be­treu­ung pro Wo­che für Pa­pier­kram, an­de­re be­nö­ti­gen er­heb­lich mehr Hil­fe. Seit dem 1. März ist ein neu­er am­bu­lan­ter Pfle­ge­dienst an der Bu­er­schen Stra­ße an­säs­sig.

In der Pra­xis müs­sen die Mit­ar­bei­ter im­mer aus­ein­an­der­kla­mü­sern: Was ist Ein­glie­de­rungs­hil­fe im Sin­ne von Er­mög­li­chung von Teil­ha­be am ge­sell­schaft­li­chen Le­ben, was ist Pfle­ge – und was fällt in den Be­reich Grund­si­che­rung (Hartz IV)? Kurz: Aus wel­chem Topf kommt das Geld für die Leis­tun­gen, und wer darf sie über­haupt er­brin­ge? Und da kommt die Bun­des­po­li­tik ins Spiel. Die hat näm­lich das neue Bun­des­teil­ha­be­ge­setz ver­ab­schie­det, das 2017 in Kraft ge­tre­ten ist. Und das macht die­se Ent­schei­dun­gen nicht ge­ra­de ein­fa­cher – im Ge­gen­teil. „Vom Ge­setz her gibt es nicht Hil­fen aus ei­ner Hand, son­dern wir wer­den es künf­tig mit drei So­zi­al­ge­setz­bü­chern zu tun ha­ben“, sag­te Mat­thi­as Giff­horn, Pro­ku­rist Woh­nen bei der HHO. Der „Kun­de“soll da­von aber mög­lichst nichts mer­ken. Er soll die Hil­fe be­kom­men, die er braucht.

Die HHO lädt Po­li­ti­ker ver­schie­de­ner Par­tei­en zur­zeit in un­ter­schied­li­che Ein­rich­tun­gen in Stadt und Land­kreis ein, um die Men­schen zu mo­ti­vie­ren, sich über­haupt für Po­li­tik zu in­ter­es­sie­ren und von ih­rem Wahl­recht Ge­brauch zu ma­chen. Nor­ma­ler­wei­se neh­men mehr Leu­te nach­mit­tags an den of­fe­nen Tref­fen in der Bu­er­schen Stra­ße teil – doch der an­ge­kün­dig­te Be­such des Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten hat of­fen­bar ei­ni­ge ein­ge­schüch­tert: Es ka­men nur drei. Ei­ner von ih­nen, Marc, mach­te da­für um­so mehr von der Mög­lich­keit Ge­brauch, mit dem Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten die ganz gro­ßen The­men zu dis­ku­tie­ren. Was er Frau Mer­kel sa­gen wür­de, wenn er könn­te, woll­te Mid­del­berg von ihm wis­sen. „Mer­kel soll mal mit ih­rem Eier­tanz mit Er­do­gan auf­hö­ren“, for­der­te Marc. So ein­fach sei das nicht, er­wi­der­te Mid­del­berg. „Wir sit­zen am En­de am län­ge­ren He­bel“, sag­te der CDU-Ab­ge­ord­ne­te, „weil wir mit Wirt­schaft und Geld mehr Druck auf Er­do­gan aus­üben kön­nen, als er auf uns mit den Flücht­lin­gen.“

Lan­ge dis­ku­tier­ten sie über Flücht­lings­po­li­tik. Das The­ma Be­hin­der­ten­po­li­tik streif­ten sie nur kurz, näm­lich als Bi­an­ca dem Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten von ih­rem Hob­by Rei­ten er­zähl­te. Ein­mal im Mo­nat hat sie die Mög­lich­keit, auf ei­nem Bau­ern­hof in Mal­ber­gen nach the­ra­peu­ti­schen Ge­sprä­chen an ei­nem Ent­span­nungs­aus­ritt teil­zu­neh­men. „War­um nicht öf­ter?“, woll­te Mid­del­berg wis­sen. „Es wird nicht mehr be­zahlt“, sag­te Bir­git Theil­mann.

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