Po­ten­zia­le für of­fe­ne Stel­len nut­zen

Ho­mann-Mit­ar­bei­ter könn­ten dra­ma­ti­schen Fach­kräf­te­man­gel in der Re­gi­on lin­dern

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land - Von Je­an-Charles Fays

Die er­war­te­te Ho­man­nVer­la­ge­rung aus dem Os­na­brü­cker Land nach Lep­pers­dorf bei Dres­den könn­te den dra­ma­ti­schen Fach­kräf­te­man­gel in der Re­gi­on lin­dern. Das sag­te der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Hand­werks­kam­mer Os­na­brück – Ems­land – Graf­schaft Bent­heim, Sven Rusch­haupt, un­se­rer Re­dak­ti­on. OS­NA­BRÜCK. Er sieht es „als wahr­schein­lich an, dass un­se­re Hand­werks­be­trie­be zu ge­ge­be­ner Zeit das Po­ten­zi­al gut qua­li­fi­zier­ter Ho­mann-Mit­ar­bei­ter nut­zen kön­nen und nut­zen wer­den“. Im Le­bens­mit­tel­hand­werk so­wie in den Ge­wer­ken Elek­tro, Sa­ni­tär-Hei­zung-Kli­ma, Me­tall und im Bau-/Aus­bau­be­reich wür­den der Hand­werks­kam­mer et­li­che of­fe­ne Stel­len ge­mel­det.

Ins­ge­samt sieht Rusch­haupt die Ver­la­ge­rung des Ho­mann-Haupt­sit­zes aus Dis­sen nach Lep­pers­dorf zu­nächst ein­mal als „schwe­ren Schlag für die re­gio­na­le Wirt­schaft“, auch weil die Nach­richt für die 1200 Ho­man­nMit­ar­bei­ter in den Wer­ken im Os­na­brü­cker Land so un­er­war­tet kam.

Der Prä­si­dent der Hand­werks­kam­mer, Pe­ter Voss, hat­te im April da­vor ge­warnt, dass mehr als die Hälf­te der 10 700 Be­trie­be im Kam­mer­be­zirk of­fe­ne Stel­len nicht be­set­zen konn­ten. Laut Voss müs­sen Be­trie­be we­gen feh­len­den Per­so­nals auch lu­kra­ti­ve Auf­trä­ge ver­mehrt ab­leh­nen. Laut ei­ner Kon­junk­tur­um­fra­ge der Hand­werks­kam­mer ist es das ers­te Mal, dass mit 54 Pro­zent mehr als die Hälf­te der Be­trie­be im Kam­mer­be­zirk ei­ne oder meh­re­re of­fe­ne Stel­len mel­de­ten. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­ten 48 Pro­zent of­fe­ne Stel­len ge­mel­det, in den Vor­jah­ren hät­ten aber nur ein Drit­tel der Be­trie­be aus­ge­bil­de­te Fach­leu­te ge­sucht.

Die Hand­werks­kam­mer setzt auf ver­schie­de­ne Maß­nah­men, um den Fach­kräf­te­man­gel zu be­kämp­fen. Dar­un­ter ist ei­ne Image­kam­pa­gne des Hand­werks, aber auch Maß­nah­men zur In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen in den Ar­beits­markt so­wie in­ter­na­tio­na­le Fach­kräfteak­qui­se zum Bei­spiel durch An­wer­bung von Kroa­ten, die in der Re­gi­on ei­ne Leh­re ab­sol­vie­ren. Zu­dem will die Kam­mer den Meis­ter­ti­tel und die dua­le Aus­bil­dung stär­ken und will Frau­en ins Hand­werk brin­gen.

Der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der IHK Os­na­brück – Ems­land – Graf­schaft Bent­heim, Mar­co Graf, sieht im Fach­kräf­te­man­gel so­gar „ei­nes der größ­ten Ri­si­ken für das re­gio­na­le Wachs­tum. In un­se­rer jüngs­ten Kon­junk­tur­um­fra­ge war er das am meis­ten ge­nann­te Ri­si­ko. Je­des zwei­te be­frag­te Un­ter­neh­men sah hier Pro­ble­me“, er­läu­tert Graf. Die IHK sei an ers­ter Stel­le im Be­reich der Be­rufs­aus­bil­dung ak­tiv, wer­be für ei­ne dua­le Be­rufs­aus­bil­dung bei Schul­ab­gän­gern und Stu­di­en­ab­bre­chern und füh­re am En­de die Prü­fun­gen durch. Je­des Jahr sei­en das rund 4500. Die IHK be­mü­he sich eben­falls um die In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen in Aus­bil­dung und Be­schäf­ti­gung und ha­be bei den IHK-Mit­glieds­un­ter­neh­men Plät­ze für Ein­stiegs­qua­li­fi­zie­run­gen ein­ge­wor­ben. „Dies führt die Flücht­lin­ge an ei­ne dua­le Be­rufs­aus­bil­dung her­an, die sie aus ih­rer Hei­mat oft nicht ken­nen“, be­tont Graf und kün­digt an, die Be­trie­be künf­tig mit ei­nem ei­ge­nen „In­te­gra­ti­ons­mo­de­ra­tor“noch stär­ker zu un­ter­stüt­zen.

Für wich­tig im Kampf ge­gen den Fach­kräf­te­man­gel hält Graf aber auch ein „Ar­beit­ge­ber­mar­ke­ting“, in­dem die Vor­zü­ge des Ar­beits­plat­zes her­aus­ge­stellt wer­den. Ein wei­te­res wich­ti­ges Ele­ment zur Bin­dung von Fach­kräf­te sei auch die At­trak­ti­vi­tät der Re­gi­on. „Hier ha­ben wir ganz ein­deu­tig Plus­punk­te, die – über kom­mu­na­le Gren­zen hin­aus – viel­leicht noch et­was sicht­ba­rer ge­macht wer­den könn­ten“, be­tont Graf. Auch über­re­gio­na­le Wer­bung kön­ne Teil ei­ner Ge­samt­stra­te­gie für Fach­kräf­te sein. Ein rei­bungs­lo­ser Über­gang von der Schu­le in den Be­ruf durch ei­ne gu­te Be­rufs­ori­en­tie­rung sei aber min­des­tens ge­nau­so wich­tig.

Der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Kreis­hand­wer­ker­schaft (KH) Os­na­brück, Thors­ten Coch, be­tont, dass er den Schwer­punkt der Be­stre­bun­gen wei­ter­hin in der nach­hal­ti­gen Aus­bil­dung se­he und die Be­rufs­ori­en­tie­rungs­mes­se „Aus­bil­dung 49“als ei­nen wich­ti­gen, re­gio­na­len Baustein ge­gen den Fach­kräf­te­man­gel. So wür­den bis zu 2000 Schü­ler jähr­lich sehr pra­xis­nah in rund 50 Aus­bil­dungs­be­ru­fen des Hand­werks ver­mit­telt. Es sei ein en­ges Netz­werk zu den Schu­len von Stadt und Land­krei­ses Os­na­brück ent­stan­den.

Bei Youtu­be und auf der Kreis­hand­wer­ker­schaf­tHome­page wür­den 23 Fil­me über Aus­bil­dungs­be­ru­fe im Hand­werk ge­zeigt. Dort könn­ten die Mit­glieds­be­trie­be der KH auch Stel­len­an­ge­bo­te und freie Aus­bil­dungs­plät­ze pos­ten. Dar­über hin­aus ha­be die KH kürz­lich ei­ne „KH-App“an den Start ge­bracht, durch die Ju­gend­li­chen leich­ter in Kon­takt tre­ten könn­ten. Die von der KH und der Hand­werks­kam­mer vor 14 Jah­ren ins Le­ben ge­ru­fe­ne „HuB-Stif­tung“des Os­na­brü­cker Hand­werks för­de­re zu­dem im sechs­stel­li­gen Be­reich Kar­rie­ren im Hand­werk, ge­wäh­re Fort­bil­dungs­sti­pen­di­en und un­ter­stüt­ze fi­nan­zi­ell ent­spre­chen­de Initia­ti­ven, um An­rei­ze zu schaf­fen.

Coch for­dert von der Po­li­tik, „dass über vie­le Jahr­zehn­te be­währ­te und im­mer wie­der den An­for­de­run­gen an­ge­pass­te dua­le Bil­dungs­sys­tem zu stär­ken und nicht in­fra­ge zu stel­len“. Auch wür­den wohn­ort­na­he Schu­len selbst un­ter sich ver­schlech­tern­den Rah­men­be­din­gun­gen be­nö­tigt. Dar­über hin­aus er­klärt Coch: „Es be­steht durch­aus der Wunsch, die Hand­werks­be­ru­fe bei der Ar­beits­und Aus­bil­dungs­ver­mitt­lung erns­ter zu neh­men und sich über even­tu­ell be­ste­hen­de Vor­ur­tei­le wie schlech­te Be­zah­lung, man­geln­de Kar­rie­re­chan­cen und un­at­trak­ti­ve Ar­beits­be­din­gun­gen durch ak­tu­el­le Fak­ten hin­weg­zu­set­zen.“Da­zu ste­he die KH mit der Agen­tur für Ar­beit im stän­di­gen Dia­log.

Die Wirt­schafts­re­gi­on Os­na­brück hält Coch für „durch­aus at­trak­tiv, so­wohl hin­sicht­lich ih­rer Wirt­schafts­stär­ke und ih­rer Bil­dungs­stand­or­te als auch ih­rer ge­bo­te­nen Le­bens­qua­li­tät“. Er fügt je­doch hin­zu: „Dies soll nicht hei­ßen, dass un­se­re Stadt- oder Ge­mein­de­rä­te so­wie un­se­re Stadt­mar­ke­tin­go­der Wirt­schafts­för­de­rungs­ge­sell­schaf­ten nicht wei­ter an Ver­bes­se­run­gen für die­sen Wirt­schafts­stand­ort ar­bei­ten sol­len.“

Die er­war­te­te Ho­mann-Ver­la­ge­rung aus dem Os­na­brü­cker Land nach Lep­pers­dorf könn­te den dra­ma­ti­schen Fach­kräf­te­man­gel in der Re­gi­on lin­dern. Das sagt der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Hand­werks­kam­mer, Sven Rusch­haupt. Fo­to: Gründel

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