„Da­mals war es wie auf Klas­sen­fahrt“

„GZSZ“fei­ert 25. Ge­burts­tag – Da­ni­el Feh­low spricht über den Wan­del der So­ap

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Medien / Fernsehen - Von Sven­ja Kracht

„Gu­te Zei­ten schlech­te Zei­ten“wird 25 – wer hät­te das im Mai 1992 ge­dacht? Die Rol­le des Le­on Mo­re­no gibt es seit 21 Jah­ren. Darstel­ler Da­ni­el Feh­low hat mit der Re­dak­ti­on dar­über ge­spro­chen, war­um es kei­ne pri­va­ten Fo­tos von sei­ner Fa­mi­lie gibt und war­um er mal aus der Se­rie aus­ge­stie­gen ist. OS­NA­BRÜCK. Wenn je­mand über so vie­le Jah­re ei­ne Rol­le spielt, gibt es da noch ei­nen Un­ter­schied zwi­schen Le­on und Da­ni­el? „Ich wür­de schon sa­gen, dass 50 Pro­zent von mir selbst in Le­on ste­cken“, sagt Feh­low im Ge­spräch. „Im Ge­gen­satz zu Le­on ha­be ich aber noch nie kör­per­li­che Ge­walt als Lö­sung ei­nes Pro­blems in Be­tracht ge­zo­gen“, er­gänzt er.

Mit der Rol­le des Le­on Mo­re­no hat Feh­low in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ei­ni­ges durch­ge­macht: Er saß im Roll­stuhl und hat ei­nen Selbst­mord­ver­such hin­ter sich. Sei­ne Frau stirbt, er führ­te ei­ne Drei­ecks-Be­zie­hung und saß schon im Ge­fäng­nis. Vor we­ni­gen Mo­na­ten muss­ten Le­on und sei­ne ak­tu­el­le Frau ei­ne Tot­ge­burt ver­kraf­ten.

Seit den 90er-Jah­ren hat sich die Se­rie stark ver­än­dert, sagt Feh­low: „Frü­her wur­de oft platt und ein­di­men­sio­nal er­zählt, heu­te sind die Ge­schich­ten rea­lis­ti­scher.“Aber da­mals war nicht al­les schlecht. „Ge­ra­de, weil wir un­rea­lis­ti­scher er­zählt ha­ben, gab es manch­mal Ge­schich­ten, die beim Dre­hen mehr Spaß ge­macht ha­ben“, sagt der 42-Jäh­ri­ge. Zum Bei­spiel ei­ne dra­ma­ti­sche Ent­füh­rungs­ge­schich­te, bei der Feh­low St­unts selbst dre­hen konn­te. Heu­te müs­se aus ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Grün­den al­les ge­dou­belt wer­den. „Da­mals hat­te es am Set auch ir­gend­wie noch et­was von ei­ner Klas­sen­fahrt, da war das En­sem­bleGe­fü­ge noch an­ders“, sagt der Schau­spie­ler.

Im Ge­gen­satz zu an­de­ren Sen­dern scheint RTL ein Er­folgs­re­zept für So­aps ent­wi­ckelt zu ha­ben. Wäh­rend bei der ARD Se­ri­en wie „Ver­bo­te­ne Lie­be“oder „Ma­ri­en­hof“ab­ge­setzt wur­den, ist ne­ben dem Dau­er­bren­ner „GZSZ“auch noch „Un­ter uns“und „Al­les was zählt“seit 23 be­zie­hungs­wei­se elf Jah­ren im Pro­gramm. Ist es die Sen­derZiel­grup­pe oder weiß RTL ein­fach, wie man ei­ne So­ap kon­zi­pie­ren muss?

„Wenn es ei­ne For­mel ge­ben wür­de, dann könn­ten ja vie­le ein­fach dar­auf hin­pro­du­zie­ren“, sagt Feh­low. Sei­ner Mei­nung nach lie­ge es dar­an, dass GZSZ die ers­te täg­li­che Se­rie im deut­schen Fern­se­hen war und dass sich vie­le Zu­schau­er mit den Cha­rak­te­ren iden­ti­fi­zie­ren könn­ten. Die Se­rie rich­tet sich nicht nur an ei­ne jun­ge Ziel­grup­pe, vie­le Fa­mi­li­en wür­den mitt­ler­wei­le auch ge­ne­ra­ti­ons­über­grei­fend schau­en.

Face­book, Twit­ter oder Ins­ta­gram wer­den von vie­len Schau­spie­lern ge­nutzt, um mit den Fans in Kon­takt zu kom­men. Im Ge­gen­satz zu sei­nen Kol­le­gen hat Feh­low aber kein Face­book-Pro­fil. Und auch sonst sieht er die so­zia­len Netz­wer­ke kri­tisch: „Ich fin­de die Ein­drü­cke dort manch­mal zu viel für ein mensch­li­ches Ge­hirn.“Letz­tes Jahr ha­be er sich aber ei­nen Ins­ta­gram-Ac­count zu­ge­legt. Zwei Jah­re war der 42-Jäh­ri­ge üb­ri­gens nicht bei GZSZ zu se­hen. Von 1999 bis 2001 hat er ei­ne Pau­se ein­ge­legt – ei­gent­lich woll­te er aus­stei­gen, ha­be aber ge­merkt, dass es bei an­de­ren Pro­duk­tio­nen nicht bes­ser sei. „Ich hat­te bei mei­nem Aus­stieg ho­he Er­war­tun­gen, nicht für ei­ne täg­li­che Se­rie zu dre­hen, und war ent­täuscht, weil man die meis­te Zeit mit War­ten ver­bringt.“An ei­nen Aus­stieg den­ke er trotz­dem im­mer mal: „Das kann schon ein­mal im Jahr pas­sie­ren. Wenn es mal nicht so gut läuft oder die Ge­schich­te nervt.“Er ha­be aber noch nicht so weit ge­dacht, ob er den Se­ri­en­tod ster­ben wol­len wür­de. Sei­nen jun­gen Kol­le­gen rät er, sich zu über­le­gen, ob ih­re Rol­le ster­ben soll, denn dann ge­be es kein Zu­rück zur Se­rie.

Feh­low ist auch pri­vat mit „GZSZ“ver­bun­den: Seit 2012 ist er mit Jes­si­ca Gin­kel li­iert, die von 2006 bis 2009 die Ca­ro­li­ne Neu­städ­ter bei „GZSZ“spiel­te. Das Paar hat ei­nen Sohn. Und auch wenn Da­ni­el Feh­low ei­nen Ins­ta­gram-Ac­count hat – Fa­mi­li­en­fo­tos wer­den nicht ver­öf­fent­licht. „Ich bin kein Fan da­von, al­les breit­zu­tre­ten, was bei mir pri­vat pas­siert. Ich fin­de das bei an­de­ren auch im­mer et­was ‚too much‘ .“

Als Le­on Mo­re­no ist Da­ni­el Feh­low seit 21 Jah­ren bei „GZSZ“da­bei. Fo­to: RTL

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