We­ni­ger Mensch, mehr Ma­te­ri­al?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - Von Chris­ti­ne Adam c.adam@noz.de

Es mag ja sein, dass die Ber­li­ner Volks­büh­ne ein po­li­ti­sches und so­zi­al en­ga­gier­tes Thea­ter bleibt, wie ihr neu­er Chef Chris Der­con be­tont. Doch deut­lich an­ders als un­ter Frank Cas­torf wird es al­le­mal, das zeigt ein ers­ter Blick auf sei­ne Plä­ne.

Die Künst­ler, die er in sei­ne ers­te Spiel­zeit ein­lädt, wei­sen ei­ni­ge Ge­mein­sam­kei­ten auf, und die schei­nen pro­gram­ma­tisch für die neue Äs­t­he­tik am Hau­se Der­con zu sein. In­stal­la­ti­ven Cha­rak­ter ha­ben sie wie bei Su­san­ne Ken­ne­dy oder Met­te Ing­vart­sen, aber auch beim Ka­ta­la­nen Al­bert Ser­ra. Ihr Thea­ter sucht auch for­mal die Nä­he zur Bil­den­den Kunst.

Nicht Men­schen, son­dern Ma­te­ria­li­en kön­nen im Zen­trum sol­cher Per­for­man­ces ste­hen. Klas­si­sches Schau­spie­ler­thea­ter scheint eher nicht ih­re Sa­che zu sein. Dar­auf lässt auch schlie­ßen, dass der sy­ri­sche Dra­ma­ti­ker und Thea­ter­ma­cher Mo­ham­mad al At­tar oder der thai­län­di­sche Fil­me­ma­cher Apichat­pong vor­zugs­wei­se mit Lai­en ar­bei­ten.

Film, Tanz, Per­for­mance, In­stal­la­ti­on, Im­pro­vi­sa­ti­on und viel Abs­trak­ti­on: Der­cons ers­te Spiel­zeit nutzt die ak­tu­el­len Stil­mit­tel des Thea­ters. Wie viel Raum dar­in dem Schau­spie­ler­thea­ter bleibt, wird sich zei­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.