Nicht vor­ge­se­hen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Ste­fa­nie Wit­te

Was muss in ei­nem Men­schen vor­ge­hen, der es un­ter le­bens­be­droh­li­chen Be­din­gun­gen in die­ses Land schafft und dann hier ver­sucht, sich das Le­ben zu neh­men?

Das Pro­blem ist: Wenn ein Asyl­be­wer­ber ein Dach überm Kopf und Ver­pfle­gung hat, gilt er für den Staat als ver­sorgt. Wenn er dann Mo­na­te oder gar Jah­re war­ten muss, bis sein Sta­tus ge­klärt ist, ist nicht vor­ge­se­hen, dass der Staat sich küm­mert. Da­bei lie­gen beim Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge noch mehr als hun­dert­tau­send Alt­fäl­le. Hin­ter je­der Ak­te steht ein Schick­sal. Und da kann ei­ni­ges zu­sam­men­kom­men: we­nig Geld, kei­ne Per­spek­ti­ve, kein ge­re­gel­ter Ta­ges­ab­lauf. Mal fehlt der Kon­takt zu an­de­ren Men­schen völ­lig, mal war­ten Vä­ter ver- zwei­felt dar­auf, dass Frau und Kin­der nach­kom­men dür­fen. Ver­zweif­lung und De­pres­sio­nen sind die Fol­ge. An psy­cho­lo­gi­scher Be­treu­ung aber man­gelt es.

Nach­dem die Ba­sis­ver­sor­gung mitt­ler­wei­le funk­tio­niert, gilt es nun, den zwei­ten Schritt zu ge­hen und die­je­ni­gen, die hier le­ben, ein­zu­bin­den. Ar­beit ist ein Schlüs­sel da­zu. Häu­fig ist der Weg dort­hin je­doch durch bü­ro­kra­ti­sche Hür­den ver­sperrt. Höchs­te Zeit, den Blick zu wei­ten und da­mit die De­fi­ni­ti­on von staat­li­cher Ver­sor­gung: We­ni­ger Bü­ro­kra­tie, mehr prak­ti­sche Hil­fe.

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