Ei­ne wei­se Ent­schei­dung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Ma­ri­on Trim­born

Ver­hand­lun­gen im Hin­ter­zim­mer und Do­ku­men­te un­ter Ver­schluss – so sah lan­ge Zeit die Tak­tik der EU-Kom­mis­si­on bei Frei­han­dels­ab­kom­men aus. Es kam, wie es kom­men muss­te: Die Ge­heim­nis­krä­me­rei schür­te Ängs­te und Pro­test. Auch in Deutsch­land gin­gen Zehn­tau­sen­de Bür­ger et­wa ge­gen das trans­at­lan­ti­sche Ab­kom­men TTIP auf die Stra­ße. Das war Fol­ge die­ses De­mo­kra­tie-De­fi­zits. Frei­han­del, einst ein ver­hei­ßungs­vol­ler Be­griff, wur­de mehr und mehr als Be­dro­hung wahr- ge­nom­men. Kein Po­li­ti­ker wirbt mehr für TTIP, es wä­re im Wahl­kampf ein Ei­gen­tor.

Da ist es gut, dass der EU-Ge­richts­hof den na­tio­na­len Par­la­men­ten mehr Mit­spra­che­rech­te ein­räumt, denn das bringt de­mo­kra­ti­sche Teil­ha­be. Statt in­trans­pa­rent agie­ren zu kön­nen, ist die EU-Kom­mis­si­on künf­tig ge­zwun­gen, die Ver­trä­ge bes­ser vor­zu­be­rei­ten, zu ver­han­deln und öf­fent­lich zu ma­chen.

Aber mehr noch: Sie soll­te das Ur­teil zum An­lass neh­men, ver­läss­li­che und kla­re Li­ni­en für al­le Han­dels­ab­kom­men fest­zu­le­gen, et­wa ein­heit­li­che Vor­ga­ben zu Haf­tung, so­zia­len Stan­dards und Strei­t­ri­tua­len. Dann bräuch­te sie das nicht je­des Mal neu zu ver­han­deln – und müss­te auch nicht je­des x-be­lie­bi­ge na­tio­na­le Par­la­ment fürch­ten. Das Ur­teil bringt Klar­heit – und ist sehr zu be­grü­ßen.

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