Gu­ter­res liest Eu­ro­pa die Le­vi­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke -

Von Det­lef Dre­wes

BRÜS­SEL/STRASSBURG. Es war ei­ne deut­li­che Moral­pre­digt, die An­tó­nio Gu­ter­res an die­sem Mitt­woch nach Straß­burg mit­ge­bracht hat­te. Der UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär nutz­te die Ge­le­gen­heit, dem Eu­ro­päi­schen Par­la­ment in Straß­burg mit sei­nen 751 Ab­ge­ord­ne­ten aus 28 Mit­glied­staa­ten ge­hö­rig den Marsch zu bla­sen. „Das Völ­ker­recht, die Bür­ger­rech­te, die Men­schen­rech­te – sie wer­den mit Fü­ßen ge­tre­ten“, bi­lan­zier­te der 68-jäh­ri­ge Por­tu­gie­se, der seit dem 1. Ja­nu­ar die­ses Jah­res an der Spit­ze der Ver­ein­ten Na­tio­nen steht.

Dies gel­te auch für Tei­le Eu­ro­pas und sei­nen Um­gang mit den Flücht­lin­gen. Na­tür­lich sei der Schutz der na­tio­na­len Si­cher­heit „wich­tig“. Aber sie wer­de auch „zu oft vor­ge­scho­ben und als Be­grün­dung ge­nutzt, um nichts tun zu müs­sen“. Die­ses Ver­hal­ten ha­be „die mo­ra­li­sche Au­to­ri­tät und In­te­gri­tät ei­ni­ger Staa­ten un­ter­gra­ben“, führ­te Gu­ter­res un­ter lang an­hal­ten­dem Ap­plaus der Volks­ver­tre­ter fort, die die Kri­tik zwi­schen den Zei­len so ver­stan­den, wie sie ge­meint war: als ei­ne Auf­for­de­rung an Län­der wie Un­garn, Po­len, Tsche­chi­en und die Slo­wa­kei, end­lich ih­ren Wi­der­stand ge­gen die Auf­nah­me von Hil­fe­su­chen­den des sy­ri­schen Bür­ger­krie­ges auf­zu­ge­ben.

„Viel­falt ist Reich­tum“

„Un­se­re Ge­sell­schaf­ten ver­än­dern sich. Sie wer­den mul­ti­eth­nisch, mul­ti­re­li­gi­ös und mul­ti­na­tio­nal. Die­se Viel­falt ist ein Reich­tum“, fuhr der UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär fort, wenn man sie för­de­re und in die Men­schen, die da kom­men, in­ves­tie­re und ih­nen ein neu­es Zu­hau­se ge­be. Die­se Welt­of­fen­heit und To­le­ranz ha­be Eu­ro­pa doch aus sei­ner Ge­schich­te ge­lernt. Men­schen­schmugg­ler, die Flücht­lin­ge von Afri­ka nach Eu­ro­pa bräch­ten, sei­en „die schlimms­ten Ver­bre­cher un­se­rer Zeit“.

Gu­ter­res nahm kein Blatt vor den Mund. Den Krieg in Sy­ri­en nann­te er ei­nen „Un­sinn, den wir stop­pen müs­sen“. Die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft for­der­te er auf, sich mit­ein­an­der für die Be­gren­zung des Tem­pe­ra­tur­an­stiegs auf höchs­tens zwei Grad ein­zu­set­zen. Als ei­nes der wich­tigs­ten An­lie­gen be­zeich­ne­te der Chef der Ver­ein­ten Na­tio­nen die Schaf­fung von Le­bens­be­din­gun­gen, aus de­nen die Men­schen nicht mehr flüch­ten müs­sen.

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