Noch mehr Ver­ga­be-Är­ger für Lies

Feh­ler­haf­te Aus­schrei­bung für Wer­be­tour – Wirt­schafts­mi­nis­ter ver­setzt Spre­cher

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest - Fin­den Sie on­li­ne auf noz.de/nie­der­sach­sen

Im Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um gibt es ei­nen neu­en Fall feh­ler­haf­ter Ver­ga­be. Die­ses Mal geht es um ei­ne PR-Tour durch Nord­deutsch­land. Wirt­schafts­mi­nis­ter Lies be­stä­tig­te ei­nen ent­spre­chen­den Be­richt – und ver­setz­te sei­nen Spre­cher.

Von Klaus Wie­sche­mey­er

Nie­der­sach­sens Wirt­schafts­mi­nis­ter Olaf Lies (SPD) hat wei­te­re Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten bei Ver­ga­ben in sei­nem Haus ein­ge­räumt. Der SPD-Po­li­ti­ker be­stä­tig­te am Mitt­woch­mor­gen im Land­tag ei­nen Be­richt des Po­li­tik-Jour­nals „Rund­blick“.

Dem­nach wur­de ei­ne Me­di­en­part­ner­schaft bei der Sie­ben-Städ­te-Tour „Ein­fach Elek­trisch“für 14 500 Eu­ro an ei­nen pri­va­ten Ra­dio­sen­der ver­ge­ben, ob­wohl das An­ge­bot feh­ler­haft war und ein Mit­be­wer­ber die Be­glei­tung kos­ten­los in Aus­sicht ge­stellt hat­te.

Zu­dem ha­be sich der Pres­se­spre­cher des Mi­nis­te­ri­ums im Vor­feld der Aus­schrei­bung mehr­fach mit dem Ra­dio­sen­der ge­trof­fen und spä­ter die Ver­ga­be an die­ses Un­ter­neh­men emp­foh­len. Auf „ei­ge­nen Wunsch“ha­be er sei­nen Spre­cher am Di­ens­tag­abend „für die Dau­er der Au­f­ar­bei­tung“mit an­de­ren Auf­ga­ben be­traut, sag­te Lies.

Der Fall äh­nelt stark der Ver­ga­be ei­ner In­ter­net­sei­ten­ge­stal­tung durch Staats­se­kre­tä­rin Da­nie­la Beh­rens, die des­halb stark in der Kri­tik steht. Beh­rens hat­te vor­her Feh­ler bei der Ver­ga­be zur Über­ar­bei­tung der In­ter­net­sei­te „www.nds.de“ein­ge­räumt. Die Staats­se­kre­tä­rin hat­te vor der Ver­ga­be mit der Agen­tur Neo­skop über die Über­ar­bei­tung ge­spro­chen und sich ei­ne Prä­sen­ta­ti­on zei­gen las­sen, die zur Grund­la­ge der Aus­schrei­bung wur­de. Am En­de ge­wann Neo­skop den Auf­trag. Die Sie­ben-Städ­te-Tour 2015 (hier in Os­na­brück) hat für Wirt­schafts­mi­nis­ter Olaf Lies (SPD) ein un­an­ge­neh­mes Nach­spiel.

Lies ver­sprach ei­ne „kon­se­quen­te Au­f­ar­bei­tung“, Ak­ten­vor­la­ge an den Wirt­schafts­aus­schuss und ei­ne Prü­fung durch den Lan­des­rech­nungs­hof.

Als Re­sul­tat aus den „Vor­fäl­len“las­se er ei­ne zen­tra­le Ver­ga­be­stel­le im Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um prü­fen, er­klär­te er.

An­ge­sichts des neu­en Fal­les spricht die Op­po­si­ti­on von ei­nem Ver­ga­be-„Sys­tem“, wel­ches sich im Mi­nis­ter­bü­ro her­aus­ge­bil­det ha­be. Und zwar aus­ge­rech­net in dem Mi­nis­te­ri­um, wel­ches ei­gent­lich die Ver­ga­ben kon­trol­lie­ren soll.

Der CDU-Ab­ge­ord­ne­te Uwe Schü­ne­mann sprach denn auch von ei­ner „Spit­ze des Eis­bergs“. „Wenn ein Jahr lang ge­gen gel­ten­de Ver­ga­be-Richt­li­ni­en ver­sto­ßen wird, dann ist das kein Flüch­tig­keits­feh­ler, son­dern hat Sys­tem“, sag­te er. Wäh­rend die rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung den Mit­tel­stand mit ei­ner Ver­ga­be-No­vel­le quä­le, wür­den gel­ten­de Vor­ga­ben vom zu­stän­di­gen Mi­nis­te­ri­um „sys­te­ma­tisch um­gan­gen“.

Ein Bau­ern­op­fer?

FDP-Frak­ti­ons­chef Chris­ti­an Dürr warf dem Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um vor, Ver­ga­be­ver­fah­ren zu fin­gie­ren. Der Ab­ge­ord­ne­te Jörg Bo­de er­klär­te, der kalt­ge­stell­te Spre­cher sei ein Bau­ern­op­fer. CDU und FDP er­war­ten die Auf­de­ckung wei­te­rer Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten, bei­spiels­wei­se bei der Ver­ga­be ei­nes Film­drehs an ei­ne Re­gis­seu­rin aus Hannover. Doch schon jetzt ist für Schü­ne­mann klar, dass Staats­se­kre­tä­rin Beh­rens ge­hen muss.

Die Re­gie­rungs­frak­tio­nen stell­ten sich vor das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um: Die Op­po­si­ti­on ver­lie­re bei der Kri­tik längst je­des Maß, klag­te der SPD-Ab­ge­ord­ne­te Gerd Will. „Al­les wird so­fort skan­da­li­siert“, sag­te er.

Wie Will ver­wies auch die Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­te Maa­ret West­phe­ly auf die schwarz­gel­be Re­gie­rungs­zeit, in der Bo­de und Schü­ne­mann Mi­nis­ter wa­ren. In die­ser Zeit ha­be ins­be­son­de­re das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um be­wusst ge­gen För­der­kri­te­ri­en ver­sto­ßen. West­phe­ly warf der Op­po­si­ti­on Dop­pel­mo­ral vor. „Wer im Glas­haus sitzt, soll­te nicht mit St­ei­nen wer­fen“, sag­te sie.

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