Schlacht­ver­bot für träch­ti­ge Rin­der?

Grü­ne und Ex­per­ten rü­gen Ge­setz­ent­wurf

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Von Dirk Fis­ser

Die Bil­der der un­ge­bo­re­nen Käl­ber in Schlacht­hö­fen sorg­ten 2014 für Ent­set­zen. Weil die träch­ti­gen Mut­ter­tie­re zur Schlacht­bank ge­schickt wor­den wa­ren, er­stick­ten die weit ent­wi­ckel­ten Fö­ten qual­voll in der Ge­bär­mut­ter. Die Bun­des­re­gie­rung ver­sprach zu han­deln. Jetzt hat sie ei­nen Ge­setz­ent­wurf vor­ge­legt, der heu­te den Bun­des­tag pas­sie­ren soll. Doch den Ent­wurf kri­ti­sie­ren nicht nur die Grü­nen, son­dern auch von der Bun­des­re­gie­rung be­auf­trag­te Ex­per­ten.

„Wir un­ter­stüt­zen die­sen Ge­setz­ent­wurf nicht und ap­pel­lie­ren an das Mi­nis­te­ri­um, ihn fach­lich grund­le­gend zu über­ar­bei­ten“, schreibt Kat­ha­ri­na Riehn in ei­ner Stel­lung­nah­me. Die Ve­te­ri­när­me­di­zi­ne­rin ist Pro­fes­so­rin an der Hoch­schu­le für an­ge­wand­te Wis­sen­schaf­ten in Ham­burg und hat sich im Auf­trag der Bun­des­re­gie­rung mit dem Schlach­ten träch­ti­ger Rin­der be­fasst.

Wie oft es pas­siert, ist un­klar. Die Zah­len ge­hen weit aus­ein­an­der. Jüngs­te Hoch­rech­nun­gen ge­hen von 40 000 Fäl­len im Jahr aus. „In der brei­ten Mas­se kommt das nicht vor. Es sind ein­zel­ne Be­trie­be“, um­reißt Riehn auf Nach­fra­ge die Di­men­si­on.

Die Pro­fes­so­rin sagt: „Prin­zi­pi­ell ist es ja gut, dass es jetzt ei­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung ge­ben soll.“Das Pro­blem am Ge­setz­ent­wurf sei aber, dass er Aus­nah­men zu­las­se und da­mit hin­ter frei­wil­li­ge Ver­ein­ba­run­gen in ei­ni­gen Bun­des­län­dern zu­rück­fal­le. Aus fach­li­cher Sicht sei das nur schwer nach­zu­voll­zie­hen, schreibt die Pro­fes­so­rin.

In dem Ent­wurf von Uni­on und SPD heißt es zwar: „Es ist ver­bo­ten, ein Säu­ge­tier, […] das sich im letz­ten Drit­tel der Träch­tig­keit be­fin­det, zum Zweck der Schlach­tung ab­zu­ge­ben.“Doch es fol­gen di­rekt dar­auf zwei Aus­nah­men: Bei Tier­seu­chen oder im Ein­zel­fall nach tier­ärzt­li­cher In­di­ka­ti­on gilt das Ver­bot nicht.

Aus­nah­men vor­ge­se­hen

„Das schafft mehr Pro­ble­me, als ge­löst wer­den“, kri­ti­siert Riehn die Aus­nah­men. Zum ei­nen sei­en ge­trof­fe­ne For­mu­lie­run­gen im Ge­set­zes­text recht­lich frag­wür­dig. Zum an­de­ren die Aus­nah­men un­kon­kret, dass wie bis­her auch träch­ti­ge Rin­der im Schlacht­hof en­den kön­nen. Sie for­dert „de­tail­lier­te und sehr viel en­ger ge­fass­te Vor­ga­ben durch den Ge­setz­ge­ber“.

Un­ter­stüt­zung er­hält Riehn von den Grü­nen im Bun­des­tag. „Wir for­dern Mi­nis­ter Schmidt auf, den Ge­setz­ent­wurf zu­rück­zu­zie­hen und die fol­gen­schwe­ren Aus­nah­me­re­ge­lun­gen zu strei­chen“, sagt Agrar­ex­per­te Fried­rich Os­ten­dorff. Ni­co­le Ma­isch, tier­schutz­po­li­ti­sche Spre­che­rin ih­rer Frak­ti­on, er­gänzt: „Die­se Ein­falls­to­re müs­sen zum Schutz der träch­ti­gen Mut­ter­tie­re und der un­ge­bo­re­nen Fe­ten, die bei ei­ner Schlach­tung qual­voll er­sti­cken, ge­schlos­sen wer­den.“Zu­min­dest den Agrar­aus­schuss hat der Ent­wurf mit den Stim­men von Uni­on, SPD und Lin­ken aber schon pas­siert.

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