Ver­wirr­spiel der Klän­ge

Trio BEM be­geis­tert auf dem Kul­tur­hof Wes­ter­beck

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost -

Von Ma­ri­an­ne Loh­mann

„Der Mai ist ge­kom­men“in­to­nier­te Hof­herr Rai­mund Beck­mann am Flü­gel, und al­le san­gen mit – trotz Don­ner und Blitz war auf dem Kul­tur­hof Wes­ter­beck die Welt in Ord­nung. So be­grüßt, be­trat das Ber­li­ner Trio BEM – zum 3. Mal auf dem Kul­tur­hof – die Büh­ne und be­gann, dies­mal in fest­li­chem Out­fit, mit er­staun­lich ge­müt­li­chen Klän­gen. Wei­che Bass­tö­ne ei­ner ver­blüf­fend warm und ge­ra­de­zu no­bel klin­gen­den Tu­ba (Ben­ja­min Kö­nig) er­klan­gen zu­sam­men mit dem Sa­xo­fon (Mi­ri­am Dirr) und dem eben­so punkt­ge­nau har­mo­nie­ren­den Flü­gel (En­no Kraus) von An­fang an kon­zer­tant und doch wohl­tu­end per­sön­lich.

Auf Brahms’ 6. Un­ga­ri­schen Tanz folg­te der Do­nau­wal­zer von Jo­hann Strauss und ge­las­se­nen, mit al­pen­län­di­schem Flair und mit be­herz­ter wie prä­zi­sier Spiel­freu­de vor­ge­tra­gen, be­gann das Trio schwung­voll, pus­te­te sich gar zum Orches­ter auf und er­freu­te mit zau­be­ri­scher Opu­lenz.

Rach­ma­ni­n­ovs Vo­ka­li­se wur­de als „schmal­zig“an­ge­kün­digt, doch da­von kann bei die­sen Pro­fis mit klas­si­scher Aus­bil­dung kei­ne Re­de sein. Die­se Mu­si­ker sind viel zu sou­ve­rän und gut auf­ein­an­der ein­ge­spielt, um so et­was wie Tri­via­li­tät von sich zu ge­ben. Ihr Spiel ist be­we­gend und von spie­le­ri­schem Ernst und ge­ra­de von die­sem Wi­der­spruch ge­tra­gen.

„Das wa­ren Tau­trop­fen auf mei­ne See­le“, kom­men­tier­te Beck­mann den Vor­trag und durch­lief die Büh­ne zur gro­ßen Er­hei­te­rung des Pu­bli­kums wie ein Num­mern­girl mit ei­nem Schild: „Die Pro­zent­zah­len der NRW-Wahl / ak­tu­el­le Hoch­rech­nung“, da­mit nie­mand et­was vom par­al­lel ver­lau­fen­den Welt­ge­sche­hen ver­pas­sen muss­te. Und Mi­ri­am Dirr kün­dig­te auf Baye­risch den Kai­ser­wal­zer von Jo­hann Strauss an, in die­sem Mo­ment ei­ne Ko­in­zi­denz, die so nicht be­ab­sich­tigt ge­we­sen sein konn­te, um­so mehr er­hei­ter­te.

Mit ei­ner Fül­le von Ti­teln aus der Film­mu­sik be­rei­cher­te das Trio sein Kon­zert, und das von Mi­ri­am ge­schaf­fe­ne „Bond-Girl mit Sa­xo­fon“im glit­zern­dem Pail­let­ten­kleid und mit schwar­zer Fe­der­boa un­ter­strich auch vi­su­ell den traum­haft über­zeu­gen­den Gold­fin­ger-Hol­ly­woo­dSound.

Doch im­mer blieb das Spiel die­ses Tri­os kon­zen­triert und ernst­haft, auf der Su­che nach ei­nem Klang, der aus drei In­stru­men­ten ein Klang­er­eig­nis macht, das die U- und E-Wel­ten über­schrei­tet und zu­gleich un­ter­läuft.

Der Haus­herr be­dank­te sich ge­rührt – und die Zu­ga­be blieb nicht aus – sie kam als ir­re Pol­ka da­her: Star Wars dreh­te end­gül­tig durch – der Co­mic hat­te ge­siegt! Nicht en­den wol­len­der Ap­plaus er­zwang „Die Zu­ga­be der Zu­ga­be“und brach­te so man­chen zum Mi­t­sum­men und Mit­sin­gen und wie­der zu­rück auf die Er­de.

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