Ob der Turm als Denk­mal taugt?

Ze­chen­ge­län­de am Nord­schacht

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Region - Von Oli­ver Lan­ge­mey­er

Was wird aus dem Ze­chen­ge­län­de der RAG An­thra­zit in Ib­ben­bü­ren? Soll­te der För­der­turm am Met­tin­ger Nord­schacht un­ter Denk­mal­schutz ge­stellt wer­den? Das und mehr wur­de bei ei­nem Tref­fen be­spro­chen, an dem auch der Met­tin­ger Bau­amts­lei­ter teil­nahm.

MET­TIN­GEN. Vom Al­ter her taugt der För­der­turm am Met­tin­ger Nord­schacht si­cher­lich nicht zum Denk­mal. Denn da­für ist er nicht alt ge­nug. Rein­hold Don­ner­mey­er vom Met­tin­ger Hei­mat­ver­ein will den Turm als Er­in­ne­rung an den tiefs­ten und nörd­lichs­ten Schacht Deutsch­lands auf je­den Fall er­hal­ten wis­sen. Das sei bei ei­nem Work­shop in der Ver­wal­tung der RAG An­thra­zit Ib­ben­bü­ren Gm­bH deut­lich ge­wor­den, sagt Micha­el Krau­se-Hett­la­ge. Der Bau­amts­lei­ter der Ge­mein­de Met­tin­gen hat­te an dem Tref­fen in Ib­ben­bü­ren teil­ge­nom­men.

Da­bei ging es in ers­ter Li­nie dar­um, wel­che Bau­ten auf dem Ze­chen­ge­län­de von Oeynhausen für den Denk­mal­schutz in­fra­ge kom­men. „Der Nord­schacht war nur am Ran­de The­ma“, er­klärt Krau­se-Hett­la­ge im Ge­spräch mit un­se­rem Me­di­en­haus. Auch die meis­ten Ge­bäu­de dort ha­ben im Ge­gen­satz zum Ge­län­de Oeynhausen kein denk­mal­wür­di­ges Al­ter.

Durch ei­ne bau­li­che Be­son­der­heit bleibt aber noch ei­ne wei­te­re Mög­lich­keit, den Turm zum Denk­mal zu ma­chen. „Er hat zwei Seil­schei­ben, die ab­ge­win­kelt in 90 Grad zu­ein­an­der­ste­hen“, be­rich­tet Uwe Man­teu­f­fel. Das sei in bau­tech­ni­scher Sicht schon ein ge­wis­ses Al­lein­stel­lungs­merk­mal.

Der Ge­schäfts­füh­rer der Schnitt­stel­le Koh­le­kon­ver­si­on war beim Work­shop eben­falls da­bei. Bei der Schnitt­stel­le lau­fen die Kon­zep­te zur Nach­nut­zung der Ze­chen­ge­län­de in Ib­ben­bü­ren und Met­tin­gen zu­sam­men. Ein Mas­ter­plan­ver­fah­ren da­zu liegt vor.

Für den Nord­schacht ist da­bei an ei­ne Mi­schung aus klein­tei­li­gem Ge­wer­be, Woh­nen, Grün­flä­chen und wenn mög­lich an tou­ris­ti­sche Nut­zun­gen ge­dacht. Für Tou­ris­mus­kon­zep­te rei­che aber nicht nur ei­ne Idee. Da­für müs­se auch ein In­ves­tor be­reit­ste­hen, be­tont Micha­el Krau­se-Hett­la­ge.

Mas­ter­plan ab­war­ten

Die­ser Mas­ter­plan muss zu­nächst ab­ge­schlos­sen wer­den. Erst dann be­schäf­ti­gen sich die Fachäm­ter mit den denk­mal­wer­ten Tei­len der Schacht­an­la­gen. Dar­auf ha­ben sich die Teil­neh­mer des Work­shops ver­stän­digt. Ne­ben den Berg­bau­kom­mu­nen wa­ren an dem Tref­fen un­ter an­de­rem Ver­tre­ter der RAG, des Lan­des NRW, des Land­schafts­ver­ban­des West­fa­len-Lip­pe (Denk­mal­pfle­ge) so­wie des Krei­ses St­ein­furt ver­tre­ten.

Grund­sätz­lich ha­be Met­tin­gen In­ter­es­se am Er­halt des 1958 in Be­trieb ge­nom­me­nen För­der­turms, sagt Bau­amts­lei­ter Krau­se-Hett­la­ge. Für ei­ne Ver­mark­tung der Flä­chen nach dem En­de des Berg­baus 2018 sei der För­der­turm ein mar­kan­tes Wahr­zei­chen und ein gu­ter Wer­be­trä­ger. „Man muss aber die Kos­ten im Au­ge be­hal­ten“, schränkt er ein. Die Ge­mein­de kön­ne die Un­ter­hal­tung des In­dus­trie­bau­werks nicht stem­men.

Der ehe­ma­li­ge Vor­sit­zen­de des Met­tin­ger Hei­mat­ver­eins,

Rein­hold Don­ner­mey­er, sieht den Turm als ab­so­lut er­hal­tens­wert an. „Der Nord­schacht ist der tiefs­te und nörd­lichs­te Schacht Deutsch­lands“, sagt er.

Al­lein des­halb müs­se er als Er­in­ne­rung an den Berg­bau ste­hen blei­ben. Hin­zu kom­me ei­ne sel­te­ne Kon­struk­ti­ons­kom­bi­na­ti­on

von Trom­me­lund Ko­epe-För­de­rung, er­läu­tert Don­ner­mey­er, der frü­her selbst Be­triebs­füh­rer un­ter Ta­ge war.

Über die klei­ne Seil­schei­be geht es bis 1550 Me­ter in die Tie­fe. Da­mit kann Schwer­last bis zu zehn Ton­nen be­för­dert wer­den. Die grö­ße­re, et­was hö­her ge­le­ge­ne Seil­schei­be

folgt dem Ko­epe-Prin­zip. Das bedeutet, wenn ein För­der­korb mit bis zu 60 Berg­leu­ten in die Tie­fe fährt, kommt der an­de­re Korb zu­gleich wie­der hoch.

Die­se Dop­pel­an­ord­nung macht den Met­tin­ger För­der­turm nach Don­ner­mey­ers An­sicht al­le­mal zum Bau­denk­mal.

Fo­tos: Oli­ver Lan­ge­mey­er

Zwei Seil­we­ge sind im För­der­turm am Met­tin­ger Nord­schacht zu­sam­men­ge­fasst. Das könn­te das Bau­werk denk­mal­wür­dig ma­chen. Be­vor dar­über nach­ge­dacht wird, soll aber zu­nächst der Mas­ter­plan für die Nach­nut­zung ab­ge­schlos­sen sein.

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