So trot­zen Stif­tun­gen der Null­zins­pha­se

Deut­scher Stif­tungs­tag zeigt We­ge aus der Er­trags­kri­se – Pa­ra­de­bei­spiel Bür­ger­stif­tung Os­na­brück

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Für vie­le klei­ne und mitt­le­re Stif­tun­gen ist die an­hal­ten­de Null­zins­pha­se ein De­sas­ter. Ban­ker ra­ten zu pro­fes­sio­nel­ler Ver­mö­gens­ver­wal­tung und mehr Ri­si­ko bei der Ka­pi­tal­an­la­ge. Die Bür­ger­stif­tung Os­na­brück trotzt der schlech­ten Er­trags­la­ge in­des mit krea­ti­vem Fund­rai­sing.

Wie Stif­tun­gen in Deutsch­land auch in Zei­ten weg­bre­chen­der Ren­di­ten mehr statt we­ni­ger wir­ken kön­nen, ist ei­nes der gro­ßen The­men beim Deut­schen Stif­tungs­tag 2017 in Os­na­brück. Zu den vie­len Fi­nanz­ex­per­ten, die Teil­neh­mern We­ge aus der Er­trags­kri­se auf­zei­gen wol­len, ge­hört auch das Bank­haus Lam­pe. Das Düs­sel­dor­fer Geld­in­sti­tut be­treut nach ei­ge­nen An­ga­ben über 160 Stif­tun­gen al­ler Art. Al­lein in der Os­na­brü­cker Nie­der­las­sung sei­en es 15 bis 20 Stif­tun­gen, die meis­ten da­von ge­mein­nüt­zig, sagt Fi­li­al­lei­ter Chris­ti­an Mon­tag.

Vie­le Kun­den in die­sem Be­reich eint ge­gen­wär­tig das gro­ße Pro­blem, auf dem Geld­markt mit her­kömm­li­chen Me­tho­den nicht mehr ge­nü­gend zu er­wirt­schaf­ten. Mi­t­hin fehlt es ih­nen zu­neh­mend an fi­nan­zi­el­len Mit­teln, die sie zur Er­fül­lung ih­res je­wei­li­gen Stif­tungs­zwecks brau­chen. Ins­be­son­de­re für klei­ne Stif­tun­gen mit ge­rin­gem Ver­mö­gen kön­ne das exis­tenz­ge­fähr­dend sein, er­klärt Frank-Pe­ter Mar­tin, Mit­glied der er­wei­ter­ten Ge­schäfts­lei­tung im Bank­haus Lam­pe. Denn kom­me ih­re Ar­beit des­we­gen zum Er­lie­gen, dro­he im schlimms­ten Fall die Aber­ken­nung der Ge­mein­nüt­zig­keit. „Für vie­le Stif­tun­gen ist die Null­zins­pha­se ein De­sas­ter.“

Doch was tun? „Weg von rei­nen An­lei­hen, hin zu Ak­ti­en und Be­tei­li­gun­gen“, lau­tet Mar­tins Rat. Doch da lau­ert schon die nächs­te Schwie­rig­keit: Die meis­ten Stif­tungs­vor­stän­de sind schließ­lich kei­ne Bör­sen­pro­fis und mit ei­nem ris­kan­ten Ver­mö­gens­ma­nage­ment über­for­dert. Ste­phan Dan­kert, Ab­tei­lungs­di­rek­tor Steu­ern und Stif­tun­gen, emp­fiehlt des­halb, die Neu­ord­nung der Ka­pi­tal­an­la­ge de­nen an­zu­ver­trau­en, die sich da­mit aus­ken­nen. „Es gibt in der In­vest­ment­welt noch vie­le Mög­lich­kei­ten, Geld zu ver­die­nen, aber das kön­nen nur Spe­zia­lis­ten.“

Die Bür­ger­stif­tung Os­na­brück fährt der­weil ei­ne an­de­re Stra­te­gie, um hand­lungs­fä­hig zu blei­ben. Aus­ge­stat­tet mit ei­nem Ka­pi­tal von rund ei­ner Mil­li­on Eu­ro, setzt sie vor al­lem auf das Ein­wer­ben von Spen­den und Zu­stif­tun­gen. „Un­ser Fund­rai­sing ist über­durch­schnitt­lich“, stellt die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de Ul­ri­ke Burg­hardt fest. Zum Bei­spiel ha­be 2016 der Geld­markt für die Bür­ger­stif­tung Os­na­brück le­dig­lich ei­nen ver­wen­dungs­fä­hi­gen Ge­winn von 17 000 Eu­ro ab­ge­wor­fen. Trotz­dem konn­te sie im ver­gan­ge­nen Jahr nach ei­ge­nen An­ga­ben 160 000 Eu­ro für Pro­jek­te auf­wen­den – et­wa für die Ge­schen­ke-Ak­ti­on „Kin­der­wün­sche“, das Kin­der-Men­to­ren­pro­gramm „Ba­lu und Du“und die Kin­der­be­we­gungs­stadt (Kibs).

Zi­vil­ge­sell­schaft­li­ches En­ga­ge­ment mit Orts­be­zug sei ge­ra­de im so­zia­len Be­reich un­er­läss­lich, so Burg­hardt. „Auch in der Glücks­haupt­stadt Os­na­brück herrscht Not!“23,8 Pro­zent der Kin­der wür­den hier un­ter­halb der Ar­muts­gren­ze le­ben. An die­sem Punkt set­ze die Ar­beit der Bür­ger­stif­tung an. „Wir wol­len den Men­schen mit klei­nen Hil­fe­stel­lun­gen ih­re Stär­ke be­wei­sen.“

Geld tut Gu­tes: Zah­len, Da­ten und Fak­ten über Stif­tun­gen auf noz.de

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