Vom Land im Stich ge­las­sen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - w.hin­richs@noz.de Von Wil­fried Hin­richs

Die vier Ver­tre­ter der Stadt hat­ten in der Haupt­ver­hand­lung nicht viel zu sa­gen. Na klar: Nicht die Stadt hat ei­nen Feh­ler ge­macht, die Lan­des­re­gie­rung und der Land­tag ha­ben es über Jah­re ver­säumt, den Kom­mu­nen ein rechts­si­che­res In­stru­men­ta­ri­um zur Um­set­zung des Staats­ver­tra­ges an die Hand zu ge­ben. Es geht schließ­lich um nicht we­ni­ger als die Ein­schrän­kung des Grund­rechts der frei­en Be­rufs­wahl, ze­men­tiert in Ar­ti­kel 12 des Grund­ge­set­zes.

Ein Ar­beits­grup­pe un­ter Füh­rung des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums hat­te den Städ­ten emp­foh­len, im Fal­le kon­kur­rie­ren­der An­trä­ge und Feh­len sach­li­cher Kri­te­ri­en ein­fach das Los zu wer­fen. Re­gie­rung und Be­hör­den ha­ben sich die Sache da­mit ziem­lich ein­fach ge­macht, zum Nach­teil der Be­trof­fe­nen. Das Los kann ei­nen Groß­un­ter­neh­mer tref­fen, der ei­nen von fünf Stand­or­ten auf­ge­ben muss, aber auch ei­nen Fir­men­grün­der, der sei­ne ein­zi­ge Spiel­stät­te und da­mit sei­ne Exis­tenz ver­liert. Ja, der Ge­setz­ge­ber sieht dann ei­ne Här­te­fall­re­ge­lung vor, aber in der Pra­xis wird sie nicht an­ge­wandt, wie vor Ge­richt deut­lich wur­de. Die Be­geh­ren der Be­trof­fe­nen wur­den of­fen­bar mit gleich­lau­ten­den Ant­wor­ten ab­ge­wie­sen, oh­ne den Ein­zel­fall zu prü­fen. Die Fair­ness wird dem po­li­ti­schen Ziel ge­op­fert, das pri­va­te Glücks­spiel­an­ge­bot ein­zu­schrän­ken. An­geb­lich, um der Spiel­sucht zu be­geg­nen. Wahr­schein­lich aber auch, um die staat­li­chen Lot­te­rie- und Wett­ein­nah­men zu si­chern.

Das Ver­fah­ren vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt hat sol­che Un­ge­reimt­hei­ten of­fen­ge­legt. Und das Ge­richt hat ein­drucks­voll be­wie­sen: Der Rechts­staat funk­tio­niert.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.