Wie kam das Blut auf die Bril­le des Frau­en­arz­tes?

Tot­schlag­pro­zess ge­gen ehe­ma­li­gen Os­na­brü­cker: An­ge­klag­ter lie­fert zwei Er­klä­run­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Der Re­gi­on auf www.noz.de/jus­tiz

An der Bril­le des Frau­en­arz­tes aus Os­na­brück, der sich der­zeit in ei­nem neu auf­ge­roll­ten Pro­zess we­gen Tot­schlags vor dem Land­ge­richt Lands­hut ver­ant­wor­ten muss, war nach dem ge­walt­sa­men Tod sei­ner Frau Blut. Wie es dar­auf kam, das war Ge­gen­stand des jüngs­ten Ver­hand­lungs­ta­ges.

Für den 0,3 Mil­li­me­ter klei­nen Blut­punkt auf dem rech­ten Glas sei­ner Bril­le hat­te der 57-Jäh­ri­ge gleich zwei Er­klä­run­gen pa­rat. Sei­ne Frau ha­be am Abend vor der Tat star­kes Na­sen­blu­ten ge­habt. Bei dem Ver­such, die­ses zu stop­pen, sei er ihr be­hilf­lich ge­we­sen. Da­bei kön­ne der Blut­sprit­zer auf sei­ne Bril­le ge­kom­men sein. Er kön­ne aber auch da­durch ent­stan­den sein, so der Frau­en­arzt, dass er sei­ne Bril­le von sich ge­wor­fen ha­be, als er ei­nen Tag spä­ter sei­ne leb­lo­se Frau im Ba­de­zim­mer ge­fun­den ha­be. Da­bei sei die Bril­le in ei­ner Blut­la­che ge­lan­det. Der Nach­bar des Frau­en­arz­tes hat­te die­se Ver­si­on der Po­li­zei ge­gen­über be­stä­tigt. Der Mann war mit in dem Bad­zim­mer ge­we­sen, nach­dem der An­ge­klag­te ihn zu Hil­fe ge­holt hat­te.

Zu dem Sze­na­rio, der Blut­sprit­zer sei durch das Na­sen­blu­ten der Frau ent­stan­den, hat­ten zwei Rechts­me­di­zi­ner für ihr Gut­ach­ten ex­pe­ri­men­tell er­zeug­te Mi­kro­b­lut­spritz­spu­ren er­zeugt und aus un­ter­schied­li­chen Hö­hen fal­len las­sen. Das Er­geb­nis lässt sich mit „eher nicht“zu­sam­men­fas­sen, wie es in dem Gut­ach­ten hieß. Für die Va­ri­an­te der weg­ge­wor­fe­nen Bril­le hat­ten die Gut­ach­ter ei­ne Blut­la­che er­zeugt, in die sie ei­ne Bril­le war­fen. Hier hieß es, es sei durch­aus mög­lich, dass der Blut­sprit­zer auf der Bril­le des An­ge­klag­ten so ent­stan­den sei. Al­ler­dings hät­te dann auch ei­ne Blut­kon­takt­spur auf der Bril­le vor­han­den sein müs­sen. Ei­ne sol­che sei aber auch bei der Be­hand­lung mit Lu­mi­nol nicht sicht­bar ge­wor­den. Dem Gut­ach­ten zu­fol­ge er­laubt der an der Bril­le ge­fun­de­ne Blut­sprit­zer so­mit kei­ne kla­ren Rück­schlüs­se.

Selbst­ver­such

Zu ei­ner wei­te­ren Blut­spritz­spur, die am Bad­schrank si­cher­ge­stellt wur­de und durch das Ent­fer­nen des blut­ge­tränk­ten Tops der Ver­stor­be­nen durch Kri­po­be­am­te ent­stan­den sein soll, stell­te die Ver­tei­di­gung ges­tern den An­trag auf die Ein­ho­lung ei­nes phy­si­ka­lisch-che­mi­schen Gut­ach­tens. Sie ist der An­sicht, dass die­se Blut­spur nicht zu ei­nem To­des­zeit­punkt der Arzt­gat­tin vor 13.30 Uhr passt, wie ihn die Staats­an­walt­schaft an­nimmt. Da­zu ha­be man so­gar ei­nen Selbst­ver­such un­ter­nom­men. Sein Kol­le­ge ha­be ein mit Was­ser ge­tränk­tes Ober­teil ge­tra­gen, so ein An­walt des Frau­en­arz­tes. Nach vier St­un­den sei dies tro­cken ge­we­sen.

Der 57-jäh­ri­ge Me­di­zin­pro­fes­sor soll sei­ne 60-jäh­ri­ge Ehe­frau am 4. De­zem­ber 2013 ge­gen 12.30 Uhr im Bad des ge­mein­sa­men Rei­hen­hau­ses in Er­ding ge­tö­tet ha­ben. Die ers­te Straf­kam­mer des Land­ge­richts hat­te ihn von der An­kla­ge auf Tot­schlag im Ja­nu­ar 2015 frei­ge­spro­chen. Nach­dem der Bun­des­ge­richts­hof das Ur­teil aber ein­kas­siert hat, wird der Fall seit En­de April vor der sechs­ten Straf­kam­mer neu ver­han­delt. Der Gy­nä­ko­lo­ge hat­te zu Pro­zess­be­ginn er­neut sei­ne Un­schuld be­teu­ert.

Der Pro­zess wird am Frei­tag fort­ge­setzt.

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