„In der Tra­di­ti­on der Jazz-Ve­te­ra­nen“

Trom­pe­ter Ab­bi Hüb­ner spielt mit Low Down Wi­zards im Blue No­te

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional -

Er ist der äl­tes­te ak­ti­ve Mu­si­ker Ham­burgs: Ab­bi Hüb­ner. 1964 grün­de­te er ei­ne Band, und auch heu­te ist er mit den Low Down Wi­zards un­ter­wegs. Am 25. Mai ist der Trom­pe­ter zum Kaf­fee­kon­zert im Blue No­te zu Gast. Wir spra­chen mit dem 84Jäh­ri­gen über Mu­sik und Me­di­zi­ner.

Von Tom Bull­mann

Herr Hüb­ner, wur­de Ih­nen die Mu­sik in die Wie­ge ge­legt? Ich weiß, dass mei­ne Groß­müt­ter bei­de Pia­nis­tin­nen wa­ren. Mei­ne Groß­mut­ter vä­ter­li­cher­seits muss so­gar ganz gut ge­we­sen sein. Sie muss­te im­mer den Pia­nis­ten, der die Stumm­fil­me in un­se­rem Ki­no mit Li­ve-Kla­vier ver­ton­te, ver­tre­ten, wenn der krank war.

1964 grün­de­ten Sie Ih­re Band Ab­bi Hüb­ner and his Low Down Wi­zards. Wie ka­men Sie auf den Na­men? Nun, wir ver­stan­den uns als Zau­be­rer, die sich der Mu­sik wid­men, die in der An­fangs­zeit des Jazz in New Or­leans ge­spielt wur­de. „Low Down“be­deu­te­te so viel wie „zu­rück zu den Wur­zeln“des Jazz am An­fang des 20. Jahr­hun­derts, als man ge­ra­de da­mit an­fing zu im­pro­vi­sie­ren. War­um be­nut­zen Sie so gern den Be­griff Hot Jazz, um Ih­ren Stil zu de­fi­nie­ren? Er steht bei uns für das Ge­gen­teil von Cool Jazz. Se­hen Sie, nach der Ge­burt des New Or­leans Jazz woll­te die­se Mu­sik in den 1930er-Jah­ren nie­mand mehr hö­ren. Al­le wa­ren ver­rückt nach Swing und woll­ten da­zu tan­zen. Spä­ter kam der Mo­dern Jazz, der Cool Jazz. Aber wir sa­hen uns im­mer in der Tra­di­ti­on der Ve­te­ra­nen.

Zu die­sen Pio­nie­ren ge­hört wohl auch Lou­is Arm­strong, den Sie ver­eh­ren. Rich­tig. Er ist der Arche­typ al­ler Trom­pe­ter im al­ten Stil. Ich ken­ne kei­ne Trom­pe­ter, die nicht von ihm be­ein­flusst wä­ren. Ent­schei­dend für mich war es je­doch im­mer, sich von dem Vor­bild zu lö­sen und ei­nen ei­ge­nen Stil zu fin­den. Mein Ziel war es, dass die Leu­te ei­ne Plat­te von mir hö­ren und so­fort er­ken­nen: Das ist zwei­fels­frei Ab­bi Hüb­ner.

Aber manch­mal sin­gen Sie genau­so wie Lou­is Arm­strong. War­um? Nun, das ist die gro­ße Aus­nah­me, mehr ein Gag. Ich ge­be zu, vor 40 Jah­ren hät­te ich mich für sol­che Imi­ta­tio­nen aus mei­ner ei­ge­nen Band ent­las­sen. Aber mit zu­neh­men­dem Al­ter wird man to­le­ran­ter. Au­ßer­dem ist es ei­ne Ver­beu­gung vor ei­nem gro­ßen Künst­ler, die dem Pu­bli­kum ge­fällt. Wenn ich „Blu­e­ber­ry Hill“nur an­kün­di­ge, be­kom­me ich schon be­geis­ter­ten Ap­plaus. Wir spie­len nun mal für un­ser Pu­bli­kum und nicht nur für uns selbst.

Sie sind Arzt im Ru­he­stand. Ha­ben Sie ei­ne Er­klä­rung da­für, dass vie­le Me­di­zi­ner in Jazz­bands und Big Bands spie­len? Es scheint da ei­nen Zu­sam­men­hang zu ge­ben. Hier in Ham­burg könn­te ich so­fort ei­ne Band nur mit Me­di­zi­nern zu­sam­men­stel­len, so­gar mit zwei Trom­pe­tern. Viel­leicht brau­chen wir die Mu­sik für un­se­re See­le. Es ist ja wis­sen­schaft­lich nach­ge­wie­sen, dass Mu­sik ei­nen po­si­ti­ven Ein­fluss auf den Men­schen hat. Und auch auf Tie­re. Mit Mu­sik ge­ben Kü­he mehr Milch, und Hüh­ner le­gen mehr Eier.

Kaf­fee­kon­zert mit Ab­bi Hüb­ner and his Low Down Wi­zards, Blue No­te, 25. Mai,

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Auch mit 84 Jah­ren noch als Mu­si­ker ak­tiv: Ab­bi Hüb­ner. Fo­to: Cor­ne­lia An­ders

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