„Ab 100 Mil­lio­nen Dol­lar krie­ge ich Schuld­ge­füh­le“

Rid­ley Scott er­klärt, war­um sein neu­er „Ali­en“-Film nur halb so viel wie ver­gleich­ba­re Block­bus­ter ge­kos­tet hat

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur -

Von Da­ni­el Be­ne­dict

Erst „Ali­en“, dann „Bla­de Run­ner“– die bei­den größ­ten Klas­si­ker von Rid­ley Scott be­kom­men in die­sem Jahr ei­ne Fort­set­zung. Ent­spre­chend ge­wal­tig ist der An­drang, als Rid­ley Scott „Ali­en: Co­venant“in Ber­lin vor­stellt – den­je­ni­gen der bei­den Fil­me al­so, den er selbst in­sze­niert hat. War­um ge­ra­de die­sen? „Der Er­folg des ‚Ali­en‘ -Pre­quels ‚Pro­me­theus‘ war grö­ßer, als ich er­war­tet hat­te“, sagt der 79Jäh­ri­ge im Grup­pen­in­ter­view. „Das Stu­dio Fox woll­te schnell wei­ter­ma­chen, so­dass es sich mit ‚Bla­de Run­ner 2049‘ über­schnit­ten hät­te; al­so muss­te ich mich ent­schei­den.“Die an­de­re Fort­set­zung hat De­nis Vil­le­neuve über­nom­men, der zu­letzt mit den Sci-Fi-Film „Ar­ri­val“ge­dreht hat­te. „Ich bin mit ihm sehr glück­lich“, sagt Scott.

Im neu­en „Ali­en“-Pre­quel zeigt Scott sein Mons­ter in meh­re­ren Evo­lu­ti­ons­stu­fen; als die Se­rie 1979 be­gann, sah man es da­ge­gen nur in we­ni­gen Schock­mo­men­ten. Wenn man Scott glaubt, war der Coup der Span­nungs­dra­ma­tur­gie nur ei­ne Not­lö­sung. „Es hat am En­de gut funk­tio­niert. Aber der Grund da­für Rid­ley Scott

Fo­to: Fa­cun­do Ar­riz­a­ba­la­ga/EPA/dpa war, dass es ein zwei­fel­haft ver­klei­de­ter Schau­spie­ler war“, sagt der Re­gis­seur heu­te. „Mit ei­nem Mann im Gum­mi­an­zug zu ar­bei­ten ist schreck­lich. Auch wenn der Dar­stel­ler Bo­la­ji Ba­de­jo selbst groß­ar­tig und sehr ge­dul­dig war.“In­zwi­schen ent­ste­hen die Ali­ens am Com­pu­ter, genau wie die Set­ent­wür­fe. Frü­her brauch­te es meh­re­re Hun­dert Mit­ar­bei­ter, um sei­ne Zeich­nun­gen von Raum­schif­fen und Ku­lis­sen in Ku­lis­sen zu ver­wan­deln, sagt Scott. Heu­te ar­bei­tet der Pro­duc­tion-De­si­gner mit we­ni­ger als zehn Com­pu­ter-Pro­fis. Scott: „So bleibt man im Bud­get. ‚Ali­en: Co­venant‘ ist in 74 Ta­gen ge­dreht wor­den, nicht in 120. Und er hat et­was mehr als 100 Mil­lio­nen Dol­lar ge­kos­tet; an­de­re Block­bus­ter ver­bren­nen heu­te 200 oder 250 Mil­lio­nen, das ist lä­cher­lich. Ich ha­be schon bei über 100 Mil­lio­nen Schuld­ge­füh­le.“

In sei­ner be­rühm­ten Ef­fi­zi­enz hat Scott aber noch ei­ne ganz an­de­re Ein­spar­mög­lich­keit ent­deckt: das Mar­ke­ting. „Film­pro­duk­tio­nen ste­cken un­vor­stell­bar viel Geld in Fern­seh­wer­bung. Man kann da­für 100 Mil­lio­nen aus­ge­ben, genau­so viel wie für die Her­stel­lung des Ne­ga­tivs selbst“, sagt Scott. „Vor ‚Pro­me­theus‘ ist mir dann auf­ge­fal­len, dass das In­ter­net nichts kos­tet. Hier kann man um­sonst wer­ben; man hat nur die Pro­duk­ti­ons­kos­ten.“Tat­säch­lich hat Scott zu „Ali­en: Co­venant“et­li­che Sze­nen fürs In­ter­net ge­dreht, die im Film gar nicht vor­kom­men. Un­ter dem Ti­tel „Last Sup­per“steht ein kom­plet­ter Pro­log un­kom­men­tiert im Netz, der nur da­zu dien­te, den Busch­funk auf Twit­ter an­zu­hei­zen. „Wir dre­hen sol­che Sze­nen schon am Set, noch wäh­rend der Dreh­zeit.“War­um? Scott: „Wenn ich Micha­el Fass­ben­der vier Wo­chen spä­ter bit­ten wür­de, noch mal zu­rück­zu­kom­men, müss­te ich ihm ei­ne Mil­li­on Dol­lar zah­len.“

„Last Sup­per“:

Gu­cken Sie den „Ali­en“-Tea­ser un­ter noz.de/ki­no

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