Ein ur­al­ter My­thos er­starkt wie­der

Pe­ter Wohl­le­bens „Ge­brauchs­an­wei­sung für den Wald“gibt prak­ti­sche Tipps

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - Von Chris­ti­ne Adam Pe­ter Wohl­le­ben:

Nicht Pe­ter Wohl­le­ben, Deutsch­lands wohl be­kann­tes­ter Förs­ter, ist ein Phä­no­men, son­dern die an­hal­ten­de, rie­si­ge Nach­fra­ge nach sei­nen Bü­chern. Wor­an liegt es, dass Sach­bü­cher über kom­mu­ni­zie­ren­de Baum­wur­zeln („Das ge­hei­me Le­ben der Bäu­me“) oder über raf­fi­niert trick­sen­de Häh­ne („Das See­len­le­ben der Tie­re“) sich jah­re­lang ganz oben auf den Best­sel­ler­lis­ten hal­ten? Ver­mut­lich ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ein kol­lek­ti­ves Ge­spür da­für ge­wach­sen, dass uns un­se­re tem­po­rei­che Le­bens­wei­se weit weg von der Na­tur, auch un­se­rer ei­ge­nen, ge­führt hat.

Wohl­le­bens un­ge­wöhn­li­che The­sen fin­den si­cher auch des­we­gen brei­te Ak­zep­tanz, weil in ihm der Sau­lus zum Pau­lus ge­wor­den ist. Denn Wohl­le­ben star­te­te als klas­si­scher Forst­be­am­ter und arg­wöhn­te, dass die her­kömm­li­che Fort­wirt­schaft die Na­tur mehr aus­beu­te­te als schütz­te. Heu­te ent­wi­ckelt sich der Forst, den er in der Ei­fel­ge­mein­de Hüm­mel be­treut, zu ur­wald­ähn­li­chen, öko­lo­gisch um­sorg­ten Laub­wäl­dern zu­rück.

Ge­ra­de hat er, der we­gen sei­ner kri­ti­schen Bü­cher zu Fort­wirt­schaft und Um­welt­schutz auch gern Re­bell ge­nannt wird, ein neu­es Buch ge­schrie­ben. „Ge­brauchs­an­wei­sung für den Wald“heißt es und hat tat­säch­lich et­was Auf­müp­fi­ges. Denn er for­dert je­den Wald­be­su­cher da­zu auf, sich ab­seits der We­ge ru­hig mal ins Un­ter­holz zu be­ge­ben: um Flo­ra und Fau­na zu be­ob­ach­ten, Pil­ze oder Bee­ren zu sam­meln. Und sich auch nicht durch un­freund­li­che knur­ren­de Grün­rö­cke ab­hal­ten zu las­sen, denn grund­sätz­lich ste­he der gan­ze Wald je­dem Be­su­cher of­fen. Es sei denn es han­de­le sich um ein Na­tur­schutz­ge­biet, ei­nen Na­tio­nal­park oder ei­nen Bann­wald.

Sei­ne „Ge­brauchs­an­wei­sung“ent­hält je­de Men­ge Tipps für ei­nen sor­gen­frei­en Wald­be­such: Was ist die rich­ti­ge Be­klei­dung , wel­che Aus­rüs­tung brau­chen „Holz­ha­cker­buam“, wie be­stimmt man Na­del- und Laub­bäu­me, wie be­geg­net man Ge­fah­ren vom Fuchs­band­wurm bis zum Ge­wit­ter, aber auch dem Wolf, des­sen Rück­kehr Wohl­le­ben aus gan­zem Förs­ter­her­zen be­grüßt.

In vier Wald­spa­zier­gän­gen be­schreibt er, war­um der Wald zu je­der Jah­res­zeit reiz­voll ist, und gibt Hin­wei­se für Nacht­wan­de­run­gen. Doch wer je al­lein und oh­ne Ta­schen­lam­pe zu ei­ner Wild­schwein­s­uh­le ge­lau­fen ist, der merkt, dass der Wald an über­wäl­ti­gen­der Kraft nichts ein­ge­büßt hat.

„Ge­brauchs­an­wei­sung für den Wald“. Pie­per, 232 S., 15 Eu­ro.

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