Bre­men ge­gen DFL 0:1

Streit um Po­li­zei­kos­ten bei Ri­si­ko­spie­len – Fuß­ball-Li­ga muss vor­erst nicht zah­len

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von Eck­hard Sten­gel

Bre­men hat im Streit mit der Deut­schen Fuß­ball Li­ga ei­ne ers­te Schlap­pe ein­ste­cken müs­sen. Die von vie­len er­hoff­te Grund­satz­ent­schei­dung blieb je­doch aus.

„Es wird span­nend“, sag­te Bre­mens In­nen­se­na­tor Ul­rich Mäu­rer (SPD) am Mitt­woch­mor­gen, als er vor dem ört­li­chen Ver­wal­tungs­ge­richt aus sei­nem Di­enst­wa­gen stieg. Denn die Jus­tiz soll­te wie ein Schieds­rich­ter ei­nen Streit zwi­schen dem Land Bre­men und der Deut­schen Fuß­ball Li­ga (DFL) schlich­ten, und das Er­geb­nis war völ­lig of­fen.

Wie häu­fig beim Fuß­ball, ging es auch hier ums Geld: Bre­men hat­te der DFL ei­ne Rech­nung über 425 718,11 Eu­ro ge­schickt. In die­ser Hö­he soll­te sich der Ver­band an den Kos­ten des Po­li­zei­ein­sat­zes bei ei­nem Bun­des­li­ga-Ri­si­ko­spiel in Bre­men be­tei­li­gen, und da­ge­gen hat­te er ge­klagt. Fünf wei­te­re Rech­nun­gen sind un­ter­wegs oder in Ar­beit.

Nach sechs St­un­den en­de­te die Be­geg­nung im Ge­richt mit ei­nem Punkt­sieg für die DFL: Der Ge­büh­ren­be­scheid war nach An­sicht des Ge­richts rechts­wid­rig.

Das hoch ver­schul­de­te, rot-grün re­gier­te Bre­men hat­te 2014 als ers­tes Bun­des­land die Po­li­zei­kos­ten­be­tei­li­gung ein­ge­führt. Sie gilt für al­le ge­winn­ori­en­tier­ten

Groß­ver­an­stal­tun­gen mit mehr als 5000 Be­su­chern, bei de­nen „we­gen er­fah­rungs­ge­mäß zu er­war­ten­der Ge­walt­hand­lun­gen“ein grö­ße­res Po­li­zei­auf­ge­bot als üb­lich „vor­her­seh­bar er­for­der­lich“wird. Be­zahlt wer­den muss nur der Mehr­auf­wand, der über ei­ne nor­ma­le Po­li­zei­be­glei­tung hin­aus­geht – vor al­lem der Ein­satz aus­wär­ti­ger Hun­dert­schaf­ten.

Ne­ben Fuß­ball­funk­tio­nä­ren schau­ten auch Po­li­ti­ker aus an­de­ren Bun­des­län­dern in­ter­es­siert nach Bre­men. Denn sie er­hoff­ten sich ei­ne Grund­satz­ent­schei­dung dar­über, ob es mit der Ver­fas­sung ver­ein­bar ist, wenn der

Staat sol­che Ge­büh­ren in Rech­nung stellt. In der münd­li­chen Ver­hand­lung hat­te die Kam­mer­vor­sit­zen­de Sil­ke Ben­jes dies noch aus­drück­lich be­jaht. Denn der Staat müs­se die öf­fent­li­che Si­cher­heit nicht in je­dem Fall kos­ten­los ge­wäh­ren, son­dern dür­fe auch Ge­büh­ren neh­men, wenn je­mand durch staat­li­ches Han­deln ei­nen in­di­vi­du­ell zu­re­chen­ba­ren Vor­teil ge­nie­ße – al­so hier die Ge­währ­leis­tung ei­nes si­che­ren Fuß­ball­spiels.

Als die Vor­sit­zen­de dann am Nach­mit­tag das Ur­teil ver­kün­de­te, leg­te sie sich in die­sem Punkt aber nicht mehr fest. Das Ge­richt ließ die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Bre­mer Ge­büh­ren­ge­set­zes „da­hin­ge­stellt“und kon­zen­trier­te sich al­lein dar­auf, dass die zu­ge­hö­ri­ge Aus­füh­rungs­ver­ord­nung ge­gen das „Be­stimmt­heits­ge­bot“ver­sto­ße. Ei­ne Ge­richts­spre­che­rin er­läu­ter­te das hin­ter­her mit den Wor­ten, dass die Be­rech­nungs­me­tho­de für die Po­li­zei­ge­büh­ren zu un­be­stimmt sei.

Au­ßer­dem äu­ßer­te das Ge­richt Be­den­ken ge­gen die Aus­wahl des Rech­nungs­emp­fän­gers. Der Ge­büh­ren­be­scheid für das Nord­der­by Wer­der Bre­men ge­gen den HSV vom April 2015 war al­lein an die DFL ge­gan­gen. Da­bei fühl­te sich der Ver­band ei­gent­lich gar nicht zu­stän­dig, denn Ver­an­stal­ter sei al­lein Wer­der. In der Ver­hand­lung sah die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin das zwar an­ders: Ne­ben Wer­der sei auch die DFL als Ver­an­stal­ter an­zu­se­hen. Aber die In­nen­be­hör­de hät­te die Po­li­zei­rech­nung nicht ein­fach nur an den Ver­band schi­cken dür­fen, oh­ne dies genau zu be­grün­den.

DFL-Prä­si­dent Rein­hard Rau­ball ver­folg­te ge­mein­sam mit Wer­der-Prä­si­dent Hu­ber­tus Hess-Gru­ne­wald den Pro­zess in der ers­ten Zu­schau­er­rei­he. Kurz vor dem Ur­teil kün­dig­te er an, dass er mit In­nen­se­na­tor Mäu­rer in zwei bis drei Wo­chen ein „Ori­en­tie­rungs­ge­spräch“dar­über füh­ren wer­de, wie sich Po­li­zei­auf­ge­bo­te künf­tig re­du­zie­ren lie­ßen. Dies sei al­ler­dings ein ge­samt­ge­sell­schaft­li­ches Pro­blem.

Se­na­tor Mäu­rer will wei­ter­hin Ge­büh­ren­be­schei­de an die DFL ver­schi­cken. Sie sol­len le­dig­lich so ge­än­dert wer­den, dass sie den ge­richt­li­chen Vor­ga­ben ent­spre­chen.

Kost­spie­lig: Bei Ri­si­ko­spie­len sind star­ke Po­li­zei­auf­ge­bo­te im Ein­satz – die das Land Bre­men nicht al­lein be­zah­len will. Fo­to: dpa

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