Un­ter­wegs mit Horst Krie­te …

Der „Deut­sche Fuß­ball-Bot­schaf­ter 2017“– Bruch­ha­gen und See­ler als Gra­tu­lan­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport Regional - Von Ste­fan Al­ber­ti

Schau­en Sie sich in Ru­he die obi­ge Welt­kar­te an. Sie bil­det nicht die Zie­le ir­gend­ei­ner Flug­ge­sell­schaft ab. Es sind nur die Sta­tio­nen ei­nes Man­nes, der sich seit dem 16. Mai 2017 auch „Deut­scher Fuß­ball-Bot­schaf­ter“nen­nen darf. Die Re­de ist von Horst Krie­te – Fuß­ball­leh­rer, Wel­ten­bumm­ler, Ent­wick­lungs­hel­fer.

„Ich bin völ­lig ent­spannt, so wie Sie es ja auch schon ge­schrie­ben ha­ben.“Kei­ne Spur von Auf­re­gung. Horst Krie­te ist ru­hig, ge­las­sen – und kann qua­si auf Zu­ruf zu je­der Sta­ti­on auf er­wähn­ter Welt­kar­te ei­ne Ge­schich­te er­zäh­len. Wir sind im Aus­wär­ti­gen Amt in Ber­lin, in gut 30 Mi­nu­ten be­ginnt der Fest­akt des Ver­eins „Deut­scher Fuß­ball Bot­schaf­ter“. Horst Krie­te ist in der Ka­te­go­rie „Trai­ner“no­mi­niert – ne­ben Micha­el Krü­ger und Bernd Storck. Zwei Fuß­ball­leh­rer, die eben­falls be­acht­li­che Er­fol­ge im Aus­land vor­wei­sen kön­nen, aber der­zeit kaum die Welt­kar­te so fül­len kön­nen wie ein Horst Krie­te. „Ach, das will ich gar nicht be­ur­tei­len. Wenn ei­ner von ih­nen ge­winnt, wä­re das völ­lig ver­dient“, sagt der 73-Jäh­ri­ge, der Mit­te der Sieb­zi­ger­jah­re mit Gat­tin Eri­ka in Lot­te-Bü­ren sess­haft wur­de. Als ge­bür­ti­ger Ven­ner und ehe­ma­li­ger Leh­rer am Graf-St­auf­fen­berg-Gym­na­si­um in Os­na­brück oder auch als ehe­ma­li­ger Coach des SV Ein­tracht fühlt sich der Bür­ger aus Lot­te aber genau­so als Os­na­brü­cker. „Es ist im­mer schön, wenn wir wie­der nach Hau­se ge­kom­men sind“, er­zählt Ehe­frau Eri­ka, die an die­sem Abend da­bei ist. Die Frau, die „ih­ren Horst“bei vie­len Mis­sio­nen be­glei­te­te, spä­ter auch ge­mein­sam mit den Kin­dern Tho­mas und Ca­ro­lin. „Es hat un­ser Le­ben be­rei­chert.“

Wäh­rend Horst Krie­te ge­ra­de über sei­ne be­ein­dru­cken­de Zeit als „Tech­ni­cal Ad­vi­sor“in Süd­afri­ka er­zählt, kommt He­ri­bert Bruch­ha­gen durch die Tür und steu­ert schnur­stracks auf die „Os­na­brü­cker Ab­ord­nung“zu. „Ich bin nur we­gen Horst ge­kom­men“, klärt der Vor­stands­vor­sit­zen­de des Ham­bur­ger SV auf. Und als ob sie sich nie aus den Au­gen ver­lo­ren hät­ten, plau­dern der Horst und der He­ri­bert über ih­re al­ten Fuß­ball­zei­ten da­mals in der UniAus­wahl in Müns­ter.

Wenn ein He­ri­bert Bruch­ha­gen auf­taucht, darf in die­sen Ta­gen nicht die Fra­ge nach dem be­vor­ste­hen­den Spiel ge­gen Wolfsburg und der HSV-Zu­kunft feh­len. „Nor­ma­ler­wei­se ist Wolfsburg bes­ser be­setzt als wir, aber wer weiß …“Und wenn der HSV in die Re­le­ga­ti­on muss? „Dann lie­ber ge­gen Braun­schweig, nur nicht Hannover.“Da­mit ist die Fra­ge ge­klärt – und Horst Krie­te kann das The­ma Süd­afri­ka be­en­den: „Da­mals, im Mai 1997, saß ich auf der Süd­afri­kaBank, als wir in Old Traf­ford ge­gen En­g­land spiel­ten. 1:2 ver­lo­ren, trotz­dem ein tol­ler Mo­ment. Ei­ni­ge Zeit spä­ter ha­ben wir uns für die WM 1998 qua­li­fi­ziert.“Süd­afri­ka – ei­ne der Lieb­lings­sta­tio­nen. Hier hat er Trai­ner und Fuß­bal­ler wei­ter­ge­bracht, Struk­tu­ren ein­ge­führt, „auch wenn ich oft mit ei­nem Plan A ge­kom­men bin, und mit ei­nem Plan X oder Y ge­hen muss­te“.

Der Fest­akt be­ginnt. We­ni­ge Mi­nu­ten spä­ter steht fest: Horst Krie­te ist „Deut­scher Fuß­ball-Bot­schaf­ter 2017“. Die Vor­sit­zen­de des Sport­aus­schus­ses des Bun­des­tags, Dag­mar Frei­tag, hält die Lau­da­tio, mit der sie sehr genau den Preis­trä­ger skiz­ziert: „Es ging Horst Krie­te stets um Nach­hal­tig­keit, kurz­fris­ti­ge Din­ge wa­ren nicht sei­ne Sache.“Ein lau­ni­ger Abend, zu dem spä­ter auch Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el bei­trägt, als er dem DFB-Re­kord­tor­schüt­zen Mi­ros­lav Klo­se den Eh­ren­preis über­reicht. Der SPD-Mann und Wer­der-Bre­men-Fan hat da­mit zu kämp­fen, dass sei­ne Frau An­hän­ge­rin des FC Bay­ern ist. Das weiß of­fen­sicht­lich auch der CSU-Grand­sei­gneur Ed­mund Stoi­ber, der Ga­b­ri­el im­mer mit fol­gen­dem Satz auf­zieht: „Grü­ßen Sie bit­te den ein­zi­gen Men­schen mit Ver­stand in Ih­rer Fa­mi­lie.“

Zu­rück zu Horst Krie­te, der nach sei­ner Eh­rung ein ge­frag­ter In­ter­view­part­ner ist. Ähn­lich wie Uwe See­ler, Fuß­ball-Le­gen­de und Ju­ry-Mit­glied des Ver­eins „Deut­scher Fuß­ball Bot­schaf­ter“. Der 80Jäh­ri­ge spricht mit gro­ßem Re­spekt von der Leis­tung ei­nes Horst Krie­te – und stellt sei­ne ei­ge­ne Vi­ta in den Hin­ter­grund: „Ich konn­te gut ki­cken. Wenn ich nicht wuss­te, wo­hin mit dem Ball, dann ha­be ich ihn ein­fach rein­ge­hau­en.“Uwe See­ler hat nach sei­ner schwe­ren Herz-OP sei­nen ty­pi­schen Hu­mor nicht ver­lo­ren: „Ich bin froh, dass es ei­ni­ger­ma­ßen wie­der geht. Ich weiß nur noch nicht, wann ich wie­der ins Spiel ein­grei­fen kann.“

Zwei Fuß­ball-Bot­schaf­ter und ei­ne Iko­ne: (von links) Horst Krie­te, Uwe See­ler und Micha­el Krü­ger. Fo­to: Ste­fan Al­ber­ti

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