Son­der­er­mitt­ler nimmt Trump-Team ins Vi­sier

Ex-FBI-Chef be­ru­fen – Neu­start für Nafta?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite -

WASHINGTON. Durch die Ein­set­zung ei­nes un­ab­hän­gi­gen Son­der­er­mitt­lers ist der Druck auf US-Prä­si­dent Do­nald Trump in der Russ­land-Af­fä­re noch­mals im­mens ge­wach­sen. Trump re­agier­te am Don­ners­tag em­pört auf die Ent­schei­dung des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums und be­zeich­ne­te sich als Op­fer „der größ­ten He­xen­jagd auf ei­nen Po­li­ti­ker in der US-Ge­schich­te“.

Im Kon­gress wur­de die Be­nen­nung des frü­he­ren FBIChefs Ro­bert Mu­el­ler zum ex­ter­nen Er­mitt­ler hin­ge­gen par­tei­über­grei­fend be­grüßt. Der Pos­ten ist mit um­fas­sen­den Voll­mach­ten aus­ge­stat­tet und vor po­li­ti­scher Ein­fluss­nah­me ge­schützt. Mu­el­ler wird weit­ge­hend un­ab­hän­gig vom Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um agie­ren.

Zugleich wur­de am Don­ners­tag be­kannt, dass die USA ei­ne Neu­ver­hand­lung des nord­ame­ri­ka­ni­schen Han­dels­ab­kom­mens Nafta mit Me­xi­ko und Ka­na­da an­stre­ben. Ei­ne ent­spre­chen­de Mit­tei­lung sand­te der Han­dels­be­auf­trag­te der Re­gie­rung, Ro­bert Light­hi­zer, an die zu­stän­di­gen Gre­mi­en im US-Se­nat und Re­prä­sen­tan­ten­haus. Trump hat­te be­reits im Wahl­kampf an­ge­kün­digt, das Ab­kom­men neu ver­han­deln zu wol­len, das er als „schlech­tes­ten Han­dels­de­al“be­zeich­ne­te.

Für Do­nald Trump wird es un­ge­müt­lich: Das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um er­nennt ei­nen Son­der­er­mitt­ler, um die Kon­tak­te sei­nes Wahl­kampf­teams nach Russ­land un­ter­su­chen zu las­sen.

Von Tho­mas Sei­bert

Der ehe­ma­li­ge FBI-Chef Ro­bert Mu­el­ler soll als Son­der­er­mitt­ler Licht in die un­durch­sich­ti­gen Ver­bin­dun­gen zwi­schen dem Wahl­kampf­team von Do­nald Trump und Russ­land brin­gen. Die Er­nen­nung des 72Jäh­ri­gen wird von Geg­nern und An­hän­gern des um­strit­te­nen Prä­si­den­ten be­grüßt. Dem Ju­ris­ten Mu­el­ler wird zu­ge­traut, oh­ne Rück­sicht auf Trump oder an­de­re mäch­ti­ge Ak­teu­re in Washington die Wahr­heit her­aus­zu­fin­den. Der neue She­riff von Washington könn­te so am En­de über das Schick­sal von Trumps Prä­si­dent­schaft ent­schei­den.

Spe­zi­al-Schnüff­ler

Erst zum zwei­ten Mal seit Ein­rich­tung des Amts des Son­der­er­mitt­lers im Jahr 1999 hat das ame­ri­ka­ni­sche Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um ei­nen sol­chen Spe­zi­al-Schnüff­ler mit weit­rei­chen­den Voll­mach­ten be­ru­fen. Er­nannt wur­de Mu­el­ler von Rod Ro­sen­stein, dem stell­ver­tre­ten­den Jus­tiz­mi­nis­ter. Als Son­der­er­mitt­ler soll Mu­el­ler laut sei­nem of­fi­zi­el­len Auf­trag „al­le Ver­bin­dun­gen und/oder Ab­stim­mun­gen zwi­schen der rus­si­schen Re­gie­rung und Per­so­nen, die mit dem Wahl­kampf von Prä­si­dent Do­nald Trump in Ver­bin­dung ste­hen“, un­ter­su­chen und not­falls Straf­an­trag ge­gen Ver­däch­ti­ge stel­len.

Trump steht da­mit auch selbst im Vi­sier des Son­der­er­mitt­lers. Er sei das Op­fer der „größ­ten He­xen­jagd ge­gen ei­nen Po­li­ti­ker in der ame­ri­ka­ni­schen Ge­schich­te“, twit­ter­te Trump am Don­ners­tag. Aus Sicht sei­ner Geg­ner ist ei­ne sol­che Re­ak­ti­on ein wei­te­rer Hin­weis dar­auf, dass der Staats­chef et­was zu ver­ber­gen hat.

Der Prä­si­dent mach­te im Wahl­kampf im­mer wie­der mit ei­ner be­tont russ­land­freund­li­chen Hal­tung von sich re­den und for­der­te Moskau im ver­gan­ge­nen Som­mer so­gar öf­fent­lich auf, E-Mails sei­ner Ri­va­lin Hil­la­ry Cl­in­ton aus­fin­dig zu ma­chen. Ha­cker mit Ver­bin­dun­gen zur rus­si­schen Re­gie­rung hat­ten da­mals tat­säch­lich die Mails von Cl­in­tons Wahl­kampf­team an­ge­zapft. Das FBI und die ame­ri­ka­ni­schen Ge­heim­diens­te

hal­ten es für er­wie­sen, dass Russ­land zu­guns­ten von Trump in den Wahl­kampf ein­griff.

Mu­el­ler soll nun her­aus­fin­den, ob Mit­ar­bei­ter Trumps den Rus­sen da­bei hal­fen. Die Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters mel­de­te, das

Wahl­kampf­team Trumps ha­be in min­des­tens 18 Te­le­fo­na­ten und E-Mails Kon­takt mit rus­si­schen Re­gie­rungs­ver­tre­tern ge­habt.

Ro­sen­stein in­for­mier­te Jus­tiz­mi­nis­ter Jeff Ses­si­ons und Trump erst nach Mu­el­lers Er­nen­nung – mög­li­cher­wei­se,

um ein Ve­to aus dem Wei­ßen Haus zu ver­mei­den. Trump hat­te sich in den ver­gan­ge­nen Wo­chen im­mer mehr in die Bre­douil­le ge­bracht. Er feu­er­te FBI-Chef Ja­mes Co­mey, den Nach­fol­ger von Mu­el­ler als Chef der Bun­des­po­li­zei, und deu­te­te an, dies we­gen der Russ­land-Er­mitt­lun­gen ge­tan zu ha­ben.

Laut Me­dien­be­rich­ten dräng­te Trump im Fe­bru­ar den da­ma­li­gen FBI-Chef Co­mey zu­dem, Er­mitt­lun­gen ge­gen sei­nen Ex-Be­ra­ter Micha­el Flynn ein­zu­stel­len. Soll­te sich dies be­stä­ti­gen, müss­te sich Trump dem Vor­wurf der Straf­ver­ei­te­lung im Amt stel­len. Man­che Po­li­ti­ker in Washington spre­chen von ei­nem mög­li­chen Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren.

Flynn be­rei­tet dem Prä­si­den­ten wei­ter Är­ger. US-Me­di­en be­rich­te­ten am Don­ners­tag, als Si­cher­heits­be­ra­ter ha­be Flynn An­fang des Jah­res ei­nen Plan für ei­nen An­griff auf den Is­la­mi­schen Staat (IS) ge­stoppt, der von der Tür­kei ab­ge­lehnt wur­de. Spä­ter ha­be sich her­aus­ge­stellt, dass Flynn als Lob­by­ist für An­ka­ra rund ei­ne hal­be Mil­li­on Dol­lar er­hal­ten hat­te.

„We­ni­ger Dra­ma“

Trump ist durch die Skan­dal­se­rie schwer an­ge­schla­gen. In der ei­ge­nen Par­tei macht sich Un­mut breit, weil Re­pu­bli­ka­ner im Kon­gress ne­ga­ti­ve Fol­gen für sich selbst bei der im kom­men­den Jahr an­ste­hen­den Neu­wahl des Re­prä­sen­tan­ten­hau­ses und ei­nes Teils des Se­nats be­fürch­ten. Der Frak­ti­ons­chef der Trump-Par­tei im Se­nat, Mitch McCon­nell, sag­te, er wün­sche sich „we­ni­ger Dra­ma aus dem Wei­ßen Haus“. Das Ma­ga­zin „Po­li­ti­co“mel­de­te, in ei­ni­gen Krei­sen der Re­pu­bli­ka­ner wer­de be­reits über ei­ne Amts­über­nah­me des kon­ser­va­ti­ven Vi­ze­prä­si­den­ten Mi­ke Pence nach ei­nem mög­li­chen Aus­schei­den von Trump spe­ku­liert.

Mit Span­nung wird er­war­tet, ob der Prä­si­dent ver­su­chen wird, Druck auf Er­mitt­ler Mu­el­ler aus­zu­üben. Viel Aus­sicht auf Er­folg hät­te dies nicht, denn der Ex-Po­li­zei­chef gilt als un­be­stech­lich. In sei­nen zwölf Amts­jah­ren als FBI-Chef ar­bei­te­te Mu­el­ler un­ter dem re­pu­bli­ka­ni­schen Prä­si­den­ten Ge­or­ge W. Bush und dem De­mo­kra­ten Ba­rack Oba­ma. Po­ten­zi­ell be­denk­lich für Trump ist auch die Tat­sa­che, dass Mu­el­ler und Co­mey frü­he­re Kol­le­gen sind, die sich gut ken­nen. Mu­el­lers Er­nen­nung sei „ei­ne schlech­te Nach­richt für Trump und ei­ne gu­te für Leu­te, die ro­bus­te Er­mitt­lun­gen wol­len“, sag­te der Rechts­ex­per­te Jens Da­vid Oh­len dem Sen­der CNN.

Gilt als un­be­stech­li­cher Er­mitt­ler: Ex-FBI-Chef Ro­bert Mu­el­ler. Fo­to: im­a­go/Xin­hua

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