Film­rei­fe Fest­nah­me in der Kfz-Stel­le

Mit­ar­bei­ter der Kfz-Stel­le steht in Ver­dacht, sechs­stel­li­gen Be­trag un­ter­schla­gen zu ha­ben

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Wolf­gang El­bers

OS­NA­BRÜCK. Ein städ­ti­scher Be­am­ter, der bis An­fang Mai in der Kfz-Stel­le für die Kas­se zu­stän­dig ge­we­sen ist, steht in Ver­dacht, durch „ge­schick­te Ma­ni­pu­la­ti­on“ei­nen ins­ge­samt sechs­stel­li­gen Be­trag un­ter­schla­gen zu ha­ben. Der Mann ist vor zwei Wo­chen in ei­ner spek­ta­ku­lä­ren Ak­ti­on von der Staats­an­walt­schaft Os­na­brück im Stadt­haus fest­ge­nom­men wor­den. Ins Vi­sier der Er­mitt­ler ist der über 50-jäh­ri­ge Be­schul­dig­te durch re­gel­mä­ßig hö­he­re Bar­ein­zah­lun­gen bei der Bank ge­ra­ten. Es be­stand der Ver­dacht der Geld­wä­sche oder Kor­rup­ti­on. Die Stadt hat zu dem Fall mit­ge­teilt: „Die Staats­an­walt­schaft hat ge­gen ei­nen Mit­ar­bei­ter der Stadt­ver­wal­tung Er­mitt­lun­gen auf­ge­nom­men. In die­sem Zu­sam­men­hang wur­de auch der Ar­beits­platz durch­sucht. Di­enst­recht­li­che Kon­se­quen­zen wer­den über­prüft.“

Ein Be­am­ter hat in der Kfz-Zu­las­sungs­stel­le im Stadt­haus durch „ge­schick­te Ma­ni­pu­la­ti­on“wohl über Jah­re ei­nen ins­ge­samt sechs­stel­li­gen Be­trag aus der Kas­se ent­wen­det. Bis zu­letzt ist bei der Stadt nicht auf­ge­fal­len, dass Geld fehlt. Der Fall wirft Fra­gen auf.

Die Mit­tei­lung der Stadt in der Sa­che ist, wie zu er­war­ten, kurz und knapp: „Die Staats­an­walt­schaft hat ge­gen ei­nen Mit­ar­bei­ter der Stadt­ver­wal­tung Er­mitt­lun­gen auf­ge­nom­men. In die­sem Zu­sam­men­hang wur­de auch der Ar­beits­platz durch­sucht. Di­enst­recht­li­che Kon­se­quen­zen wer­den über­prüft.“

Zu­griff zur Mit­tags­zeit

Hin­ter der „of­fi­zi­el­len Sprach­re­ge­lung“ver­birgt sich nach An­ga­ben der Os­na­brü­cker Staats­an­walt­schaft ei­ne Fest­nah­me auf fri­scher Tat in der Kfz-Zu­las­sungs­stel­le, die für Fra­ge­zei­chen hin­sicht­lich der bis­he­ri­gen Bar­geld­ab­wick­lung sorgt. Der Be­am­te, der an der Kas­se die Ge­büh­ren­zah­lung

ab­wi­ckel­te und den Kun­den die Quit­tung aus­stell­te, da­mit an­schlie­ßend die Be­ar­bei­tung von Anoder Ab­mel­dung des Au­tos

er­fol­gen konn­te, soll ei­nen Be­trag von mehr als 100 000 Eu­ro un­ter­schla­gen ha­ben – ver­mut­lich über meh­re­re Jah­re.

Der Zu­griff in der ers­ten Mai­wo­che ist nach al­lem, was rund ums Stadt­haus zu hö­ren ist, wie in ei­ner TVK­ri­mi-Se­rie ab­ge­lau­fen. Kurz vor Mit­tag hat die Spe­zi­al­ab­tei­lung „Zen­tra­le für Kor­rup­ti­ons­straf­sa­chen“der Staats­an­walt­schaft mit Un­ter­stüt­zung der Po­li­zei zu­ge­schla­gen: Plötz­lich sei im Erd­ge­schoss der Zu­gang zum An­bau-Flü­gel mit der Kfz-Stel­le ge­sperrt wor­den. Al­le Mit­ar­bei­ter hät­ten an dem Fleck ste­hen blei­ben müs­sen, an dem sie sich gera­de be­fun­den hät­ten, dann sei der Schreib­tisch durch­sucht wor­den. An­schlie­ßend sei der Be­schul­dig­te in Hand­schel­len ab­ge­führt wor­den.

Al­les pas­sier­te ge­nau in dem Mo­ment, als der Be­am­te, ge­gen den schon ei­ni­ge Zeit er­mit­telt wird, gera­de sei­nen Ar­beits­platz ver­las­sen woll­te – mit 900 Eu­ro

aus der Kas­se in der Ta­sche. Der Spre­cher der Staats­an­walt­schaft, Alex­an­der Re­te­mey­er: „Der Ak­ti­on ist ei­ne ope­ra­ti­ve Maß­nah­me vor­aus­ge­gan­gen. Wir ha­ben den Mann schon ei­ni­ge Zeit be­ob­ach­tet und den Mo­ment ge­nau ab­ge­passt.“Im Stadt­haus gibt es die Ver­mu­tung, dass im Zu­ge vor­ge­nom­me­ner Um­bau­ar­bei­ten in der Kfz-Stel­le ei­ne Ob­ser­vie­rungs­ka­me­ra mit Blick auf die Kas­se in­stal­liert wor­den ist.

Ins Vi­sier der Er­mitt­ler ist der über 50-jäh­ri­ge Be­schul­dig­te durch re­gel­mä­ßi­ge hö­he­re Bar­ein­zah­lun­gen bei der Bank ge­ra­ten. Es be­stand der Ver­dacht der Geld­wä­sche oder Kor­rup­ti­on.

Bei der Haus­durch­su­chung nach der Fest­nah­me ist in ei­nem Zim­mer, das der Mann noch in der Woh­nung der Mut­ter hat­te, ei­ne gro­ße Zahl fein säu­ber­lich ab­ge­hef­te­ter Be­le­ge si­cher­ge­stellt wor­den. Re­te­mey­er: „Wir sind aber noch ganz am An­fang.“

Die bis­her nach­ge­wie­se­ne Scha­dens­sum­me be­wegt sich nach sei­nen An­ga­ben bei rund 60000 Eu­ro. Kon­kre­te An­ga­ben zur mög­li­chen Hö­he des Ge­samt­be­tra­ges, der fehlt, kön­ne er noch nicht ma­chen.

Die gro­ße Fra­ge, die un­ter den städ­ti­schen Mit­ar­bei­tern dis­ku­tiert wird: Wie ist es dem Be­schul­dig­ten ge­lun­gen, den Griff in die Kf­zKas­se zu ver­schlei­ern und ei­nen Fehl­be­stand im Kas­sen­sys­tem zu ver­mei­den?

Da­zu hält sich auch die Stadt be­deckt. Pres­se­spre­cher Sven Jür­gen­sen: „Wir klä­ren gera­de die Si­cher­heits­lü­cke und war­ten jetzt zu­nächst die Er­mitt­lungs­er­geb­nis­se der Staats­an­walt­schaft ab.“Grund­sätz­lich ge­be es bei Bar­geld­zah­lun­gen das Vier-Au­gen-Prin­zip. Der nor­ma­le Be­ar­bei­tungs­ab­lauf an der Kas­se sei, dass die Kun­den ei­ne ma­schi­nel­le Quit­tung über den ge­zahl­ten Be­trag be­kom­men, mit der sie dann wie­der zum Sach­be­ar­bei­ter­platz müs­sen, um ihr An­lie­gen ab­zu­schlie­ßen.

Neue Tech­nik wird teu­er

Die Stadt will nach Mög­lich­keit auch beim not­wen­di­gen neu­en Sys­tem wei­ter Bar­geld­zah­lung er­mög­li­chen. Pres­se­spre­cher Jür­gen­sen: „Bür­ger und Fir­men er­war­ten bei ei­ner Kfz-Stel­le, dass sie di­rekt be­zah­len kön­nen. Wir kom­men hier an ei­nen Punkt, wo es ei­nen Kon­flikt zwi­schen Si­cher­heits­er­for­der­nis­sen und Bür­ger­freund­lich­keit gibt.“Klar sei schon, dass die Ein­rich­tung neu­er Tech­nik teu­er wird. Die Ver­wal­tung rech­net mit ei­nem ho­hen fünf- oder so­gar sechs­stel­li­gen In­ves­ti­ti­ons­be­trag.

Mehr ak­tu­el­le Nach­rich­ten, Hin­ter­grün­de und Ana­ly­sen le­sen Sie im In­ter­net auf noz.de

Der Tat­ort: die Kfz-Zu­las­sungs­stel­le im Stadt­haus. Hier war der Be­am­te an der Kas­se im Ein­satz. Fo­to: Da­vid Ebener

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