Ver­tu­schung im Fall Am­ri schlägt Wel­len

De Mai­ziè­re spricht von „un­er­hör­tem Ver­dacht“– Be­am­te sol­len Ak­ten­ein­trä­ge ge­fälscht ha­ben

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BER­LIN. Die mut­maß­li­chen Ver­tu­schungs­ver­su­che des Ber­li­ner Lan­des­kri­mi­nal­amts (LKA) im Fall Anis Am­ri schla­gen wei­ter ho­he Wel­len. Ber­lins In­nen­se­na­tor Andre­as Gei­sel (SPD) ver­sprach Kon­se­quen­zen, warn­te aber vor ei­ner Pau­schal­ver­ur­tei­lung der Po­li­zei.

Seit dem Ter­ror­an­schlag auf den Ber­li­ner Weih­nachts­markt steht die Po­li­zei un­ter Druck. Sie hat­te Am­ri im Vi­sier, nahm ihn aber nicht fest. Jetzt der schlim­me Ver­dacht: Im Nach­hin­ein wur­den Feh­ler ver­tuscht.

dpa BER­LIN. Nach den Ver­tu­schungs­vor­wür­fen ge­gen Ber­li­ner Po­li­zis­ten im Ter­ror­fall Anis Am­ri wer­den bun­des­weit For­de­run­gen nach gründ­li­cher Au­f­ar­bei­tung laut. „Es ist ein un­er­hör­ter Ver­dacht, und ich er­war­te von al­len Be­tei­lig­ten im Land Ber­lin, dass das jetzt sehr gründ­lich und sehr of­fen auf­ge­klärt wird“, sag­te Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU). Von den Grü­nen im Bund und in Nord­rhein-West­fa­len kam der Ruf nach ei­nem Un­ter­su­chungs­aus­schuss im Bun­des­tag.

Ber­lins In­nen­se­na­tor Andre­as Gei­sel (SPD) ver­sprach ei­ne rück­halt­lo­se Auf­klä­rung. Der Son­der­er­mitt­ler der ro­trot-grü­nen Ber­li­ner Lan­des­re­gie­rung,

der frü­he­re Bun­des­an­walt Bru­no Jost, hat­te die Wi­der­sprü­che in den Ak­ten ent­deckt. In ei­nem di­gi­ta­len Do­ku­ment vom No­vem­ber war Am­ri als ge­werbs­mä­ßi­ger Dro­gen­händ­ler ein­ge­stuft wor­den. Doch die­ses fand nie den Weg in die Pa­pier-Ak­ten. Statt­des­sen wur­de hier Wo­chen spä­ter ein Ver­merk ab­ge­hef­tet, der Am­ri

nur noch als Klein­händ­ler be­zeich­ne­te. Mög­li­cher­wei­se woll­ten Po­li­zis­ten mit der Ma­ni­pu­la­ti­on ver­tu­schen, dass sie Am­ri schon im No­vem­ber hät­ten ver­haf­ten kön­nen – und der An­schlag auf den Ber­li­ner Weih­nachts­markt da­mit un­ter Um­stän­den ver­hin­dert wor­den wä­re.

SPD-Frak­ti­ons­chef Tho­mas Op­per­mann äu­ßer­te

sich be­stürzt über die mut­maß­li­che Fäl­schung der Ak­ten. „Ich ha­be im­mer ge­sagt, dass bei Am­ri über­all in Deutsch­land schwe­re Feh­ler ge­macht wur­den“, er­klär­te er. „Das woll­te die CDU nie hö­ren. Aber dass Feh­ler durch Ur­kun­den­fäl­schung ver­tuscht wer­den soll­ten, schlägt dem Fass den Bo­den aus.“

Gei­sel sag­te im Ab­ge­ord­ne­ten­haus: „Wir kön­nen kein In­ter­es­se dar­an ha­ben, dass ir­gend­et­was ver­schlei­ert wird. Wenn es Schwach­stel­len gibt, dann muss man sie be­nen­nen.“Das sei der Se­nat den Op­fern, den An­ge­hö­ri­gen und den Über­le­ben­den schul­dig. Da­her ha­be er An­zei­ge we­gen des Ver­dachts der Straf­ver­ei­te­lung im Amt er­stat­tet und dis­zi­pli­nar­recht­li­che Schrit­te ein­ge­lei­tet.

Auch die Ber­li­ner Ge­werk­schaft der Po­li­zei (GdP) zeig­te kei­ner­lei Ver­ständ­nis für ei­ne nach­träg­li­che Ma­ni­pu­la­ti­on von Ak­ten. Die Tat­sa­che, dass Am­ri vor dem An­schlag nicht we­gen Dro­gen­han­dels fest­ge­nom­men wur­de, sei mit dem da­ma­li­gen Wis­sen al­ler­dings nicht un­be­dingt falsch, sag­te GdPSpre­cher Benjamin Jen­dro. Es ge­be kei­ne Ga­ran­tie, dass er auch in Haft ge­kom­men wä­re. „Man kann nicht sa­gen, die Kol­le­gen ha­ben de­fi­ni­tiv ei­nen Feh­ler ge­macht.“

Am­ri tö­te­te am 19. De­zem­ber zwölf Men­schen, wei­te­re 67 wur­den bei dem bis­lang fol­gen­schwers­ten is­la­mis­ti­schen Ter­ror­an­schlag in Deutsch­land ver­letzt. We­ni­ge Ta­ge spä­ter wur­de der Tu­ne­si­er auf der Flucht in Ita­li­en von der Po­li­zei er­schos­sen.

Der Ter­ror und die Fol­gen: Be­rich­te und Ana­ly­sen auf noz.de/po­li­tik

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