Doch noch Zwei­fel am Fi­nanz­pakt

Lam­mert warnt vor „Zen­tral­staat“– Uni­ons-Frak­ti­on re­agiert über­rascht

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Bea­te Ten­fel­de

Hat sich Uni­ons­frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der (CDU) zu früh ge­freut über das „größ­te Re­form­werk“der Gro­ßen Ko­ali­ti­on im Bund? Fakt ist: Kaum war nach jah­re­lan­gen Be­ra­tun­gen von SPD und Uni­on die Ei­ni­gung über den Bund-Län­der-Fi­nanz­pakt ver­kün­det, gab es in der CDU Be­den­ken.

Bun­des­tags­prä­si­dent Nor­bert Lam­mert (CDU) kri­ti­sier­te in ei­ner Son­der­sit­zung der Uni­ons­frak­ti­on ei­nen „Bruch“mit der Ver­fas­sung bei der ge­plan­ten Neu­ord­nung der Fi­nan­zen zwi­schen den 16 Bun­des­län­dern und dem Bund. Er stieß sich vor al­lem dar­an, dass der Bund künf­tig di­rekt in Schu­len in­ves­tie­ren kann. Das war bis­her al­lein Län­der­sa­che.

Lam­mert be­fürch­tet laut Teil­neh­mern, dass sich die Län­der nun aus der Ver­ant­wor­tung steh­len könn­ten. Im „Han­dels­blatt“kün­dig­te er an, ge­gen die Re­form zu stim­men, und warn­te vor ei­nem „Zen­tral­staat“. Da­ge­gen ver­tei­dig­te Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) den Fi­nanz­pakt, der ein kom­pli­zier­tes Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren und 13 Än­de­run­gen des Grund­ge­set­zes ent­hält. Die Frak­ti­on zeig­te sich über­rascht über die­sen „Dis­put in ho­her Flug­hö­he“.

Wa­ckelt der Pakt? Kaum. Da auch die neue CDU-ge­führ­te Lan­des­re­gie­rung in Lam­merts Stamm­land Nord­rhein-West­fa­len drin­gend Geld für Schu­len braucht, ge­hen Be­ob­ach­ter fest da­von aus, dass der Pakt vom Bun­des­tag mit fast al­len Uni­ons­stim­men be­schlos­sen wird. Und dar­um geht es: Fi­nanz­aus­gleich: Vor al­lem der Bund greift „är­me­ren“Län­dern un­ter die Ar­me. Ins­ge­samt zahlt der Bund ab 2020 jähr­lich 9,751 Mil­li­ar­den Eu­ro – Ten­denz stei­gend.

Au­to­bahn­ge­sell­schaft: Beim Bund wird ei­ne zen­tra­le Ge­sell­schaft für Au­to­bah­nen und Bun­des­stra­ßen ge­grün­det. Sie soll ab 2021 Bau, Pla­nung und Be­trieb der Au­to­bah­nen und zu­min­dest ei­nes Teils der Bun­des­stra­ßen bün­deln.

In­ves­ti­ti­ons­hil­fen: Der Bund soll fi­nanz­schwa­chen Kom­mu­nen In­ves­ti­ti­ons­hil­fen zur Sa­nie­rung ma­ro­der Schu­len ge­wäh­ren kön­nen. Aus ei­nem Fonds zahlt der Bund den Län­dern Fi­nanz­hil­fen von 3,5 Mil­li­ar­den Eu­ro. Der Bund er­hält bei Fi­nanz­hil­fen an die Län­der mehr Steue­rungs- und Kon­troll­rech­te.

Un­ter­halts­vor­schuss: Der Staat springt ein, wenn El­tern für ih­re Kin­der nicht zah­len. Bis­her be­stand An­spruch nur für Kin­der bis 12 Jah­ren und ma­xi­mal 72 Mo­na­te lang. Nun wird der An­spruch aus­ge­wei­tet: Künf­tig gilt er für Kin­der bis zum 18. Ge­burts­tag und oh­ne Be­gren­zung der Leis­tungs­dau­er.

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