Rechts­ex­tre­mis­mus ein Ost-Pro­blem?

Stu­die of­fen­bart re­gio­na­le Un­ter­schie­de

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Ei­ne neue Stu­die im Auf­trag der Bun­des­re­gie­rung at­tes­tiert ei­ni­gen Re­gio­nen in Ost­deutsch­land ein gro­ßes Pro­blem mit Rechts­ex­tre­mis­mus. Zugleich sei Rechts­ex­tre­mis­mus nicht aus­schließ­lich ein Ost-West-Pro­blem, son­dern auch ein Zen­trum-Pe­ri­phe­rie-Pro­blem, heißt es in der Un­ter­su­chung der Wis­sen­schaft­ler um den Par­tei­en­for­scher Franz Wal­ter vom Göt­tin­ger In­sti­tut für De­mo­kra­tie­for­schung, die am Don­ners­tag­mit­tag von der Ost­be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung, Iris Glei­cke (SPD), in Ber­lin vor­ge­stellt wur­de. Er wer­de aber be­för­dert durch „Fak­to­ren, die in Ost­deutsch­land stär­ker aus­ge­prägt sind“.

Für die Stu­die „Rechts­ex­tre­mis­mus und Frem­den­feind­lich­keit in Ost­deutsch­land – Ur­sa­chen, Hin­ter­grün­de, re­gio­na­le Kon­text­fak­to­ren“hat­ten die Göt­tin­ger Wis­sen­schaft­ler von Mai bis De­zem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res die säch­si­schen Städ­te Frei­tal und Hei­denau so­wie den Er­fur­ter Stadt­teil Her­ren­berg un­ter­sucht.

Nicht in ganz Ost­deutsch­land, aber in ge­wis­sen Re­gio­nen und po­li­tisch-kul­tu­rel­len Um­fel­dern wie im Dresd­ner Um­land ge­be es ei­ne his­to­risch ge­wach­se­ne Nei­gung zu Frem­den­feind­lich­keit und rechts­ex­tre­mem Den­ken, kon­sta­tie­ren die Au­to­ren. So tra­fen sie be­son­ders um Dres­den her­um auf ei­ne Ver­klä­rung der Mi­gra­ti­ons­po­li­tik der DDR. De­ren Mot­to, Völ­ker­freund­schaft ja, aber al­le Mi­gran­ten sind Gäs­te mit be­grenz­tem Auf­ent­halts­sta­tus, wer­de als eth­no­zen­tri­sches Welt­bild wei­ter ge­pflegt. Da­zu kä­men ein stark aus­ge­präg­tes Be­nach­tei­li­gungs­ge­fühl ge­gen­über dem Wes­ten, ei­ne Über­hö­hung der ei­ge­nen bei­spiels­wei­se säch­si­schen Iden­ti­tät, ver­bun­den mit der Ab­wer­tung des Frem­den, ei­ne sehr fra­gi­le Zi­vil­ge­sell­schaft, Kon­flikt­scheu­heit, ein aus­ge­präg­ter Arg­wohn ge­gen­über der Po­li­tik und der Par­tei­en­viel­falt und der Wunsch nach ei­nem Staat, der al­les re­gelt.

Vor al­lem auch mit der Rol­le der säch­si­schen CDU ge­hen die For­scher hart ins Ge­richt. Die Do­mi­nanz der Uni­on in dem Frei­staat sei für die Ent­wick­lung der säch­si­schen Zi­vil­ge­sell­schaft eher von Nach­teil ge­we­sen, heißt es.

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