Si­cher­heits­be­hör­den sind ei­ne Dau­er­bau­stel­le

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Er­hard Böh­mer e.boeh­mer@noz.de

Zwölf Men­schen­le­ben hat der tu­ne­si­sche At­ten­tä­ter Anis Am­ri auf dem Ber­li­ner Weih­nachts­markt bru­tal aus­ge­löscht. In das Ent­set­zen misch­ten sich als­bald die re­flex­ar­ti­gen For­de­run­gen nach ei­nem här­te­ren Durch­grei­fen des Staa­tes. Stär­ke­re Über­wa­chung öf­fent­li­cher Plät­ze, so­for­ti­ge Aus­wei­sung mög­li­cher Ge­fähr­der aus der Is­la­mis­ten­sze­ne oder doch min­des­tens die elek­tro­ni­sche Fuß-

fes­sel für eben­je­ne, um sie un­ter Kon­trol­le zu wis­sen.

Heu­te zeich­net sich ab, dass all das nicht nö­tig ge­we­sen wä­re. Die bit­te­re Er­kennt­nis scheint eher zu lau­ten: Die vor­han­de­nen Re­geln hät­ten längst aus­ge­reicht, sie wur­den aber im Fall Am­ri of­fen­bar nicht an­ge­wandt. Hin­zu kommt nun der schwer­wie­gen­de Vor­wurf, dass Mit­ar­bei­ter des Ber­li­ner LKA ver­sucht ha­ben sol­len, ihr Ver­sa­gen zu ver­tu­schen.

Wel­che Schlüs­se sind zu zie­hen? Die Ar­beit der Be­hör­den in den Län­dern und auf Bun­des­ebe­ne auf den Prüf­stand stel­len? Die Ant­wort muss ein­deu­tig Ja lau­ten. Al­ler­dings nicht, um nach dem Am­ri-An­schlag nun pla­ka­ti­ve Er­geb­nis­se vor­wei­sen zu kön­nen und für den nächs­ten Wahl­kampf zu nut­zen. Die Ar­chi­tek­tur der Si­cher­heits­be­hör­den in Deutsch­land ist ei­ne Dau­er­bau­stel­le, weil sie per­ma­nent den wech­seln­den An­for­de­run­gen an­ge­passt wer­den muss. Das liegt in der Na­tur der Sa­che. Glei­ches gilt für die ge­setz­li­chen Grund­la­gen.

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