Ge­fähr­li­cher Mix

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Melanie Hei­ke Schmidt mh.schmidt@noz.de

Eins vor­weg: Auch im Wes­ten wer­den Flücht­lin­ge ver­un­glimpft und an­ge­grif­fen, exis­tie­ren Deutsch­tü­me­lei und völ­kisch-ver­bräm­te Ge­sin­nun­gen. Doch im Os­ten ist das Pro­blem grö­ßer. Wes­halb stär­ker ge­gen­ge­steu­ert wer­den muss.

Da­für braucht es ei­ne ehr­li­che Dia­gno­se. Die ist un­an­ge­nehm: For­scher at­tes­tie­ren ge­wis­sen Re­gio­nen – et­wa na­he Dres­den – ei­ne ge­wach­se­ne Nei­gung Rich­tung rechts­au­ßen. Dort ha­ben Frem­den­feind­lich­keit und Co. qua­si Tra­di­ti­on. Zwei Dik­ta­tu­ren bil­den die Gär­mas­se für ei­nen ge­fähr­li­chen Mix aus Un­kennt­nis und Frust.

Vor al­lem man­gelt es an Er­fah­run­gen. Im Os­ten le­ben so we­ni­ge Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, dass Ver­glei­che feh­len. Ar­beits­lo­sig­keit oder Ar­mut tref­fen Deut­sche, nicht Zu- ge­wan­der­te. Be­rich­te über Flücht­lin­ge las­sen dann die Wut hoch­ko­chen: De­nen hilft man, uns nicht!

Das ist na­tür­lich Un­sinn. Zwar hat der Struk­tur­wan­del ei­ni­ge Re­gio­nen hart ge­trof­fen. Aber: Die staat­li­chen Net­ze hal­ten. Nie­mand muss oh­ne Woh­nung oder Es­sen da­ste­hen. Nie­man­dem wer­den Be­zü­ge ge­kürzt, weil Flücht­lin­ge ver­sorgt wer­den. Nie­mand hat des­we­gen kei­nen Job, weil es Zu­wan­de­rer gibt.

Lei­der wird das im Os­ten kaum ver­mit­telt. Statt­des­sen re­la­ti­vie­ren oder igno­rie­ren Po­li­ti­ker rechts­ex­tre­me Aus­wüch­se. Und das ist der ei­gent­li­che Skan­dal.

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