Trit­tin: Ga­b­ri­el ist ein Lei­se­tre­ter

Au­ßen­mi­nis­ter spricht in USA über In­cir­lik

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Bea­te Ten­fel­de

Der Grü­nen-Po­li­ti­ker Jür­gen Trit­tin hat Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) in der Fra­ge ei­nes Trup­pen­ab­zugs aus der Tür­kei „Lei­se­tre­te­rei“vor­ge­wor­fen. Ga­b­ri­el wäl­ze im Streit mit der tür­ki­schen Re­gie­rung um den Bun­des­wehr-Stütz­punkt in In­cir­lik die Ver­ant­wor­tung „auf den Gro­ßen Bru­der USA“ab, an­statt selbst zu han­deln, sag­te Trit­tin im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on.

„Es gibt nur ei­nen Aus­weg, den Ab­zug Deutsch­lands“, er­klär­te der Grü­nen-Au­ßen­po­li­ti­ker. „Die Ver­ant­wor­tung für un­se­re Sol­da­ten kann man nicht an die USA ab­tre­ten. Hier muss die Bun­des­re­gie­rung han­deln“, sag­te Trit­tin mit Blick auf Ga­b­ri­els Er­klä­rung nach des­sen gest­ri­gem Ge­spräch mit US-Au­ßen­mi­nis­ter Rex Til­ler­son. Ga­b­ri­el hat­te die US-Re­gie­rung im Streit um In­cir­lik um Un­ter­stüt­zung ge­be­ten.

Wei­te­rer Ab­zug mög­lich

Aus­ge­löst wur­de der Kon­flikt, als die Tür­kei ein Be­suchs­ver­bot für Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te auf dem Na­toStütz­punkt In­cir­lik ver­häng­te. Im In­ter­view mit un­se­rer Re­dak­ti­on hat­te Ga­b­ri­el die Re­gie­rung in An­ka­ra zum Ein­len­ken auf­ge­ru­fen. „Sonst wird der Deut­sche Bun­des­tag si­cher die Sol­da­ten nicht in der Tür­kei las­sen“, hat­te der Mi­nis­ter vor sei­ner Abrei­se in die USA be­tont.

In Washington droh­te Ga­b­ri­el nun auch mit ei­nem Ab­zug deut­scher Sol­da­ten aus ei­nem Nato-Ver­band. Es ge­he in der Aus­ein­an­der­set­zung mit An­ka­ra nicht nur um die in In­cir­lik sta­tio­nier­ten Tor­na­do-Auf­klä­rungs­flug­zeu­ge der Bun­des­wehr, son­dern auch um die Awacs-Auf­klä­rungs­flie­ger der Nato im tür­ki­schen Konya, sag­te er.

„Wer­den nicht fle­hen“

Die Awacs-Ma­schi­nen sind der bis­her ein­zi­ge grö­ße­re Bei­trag der Nato zum in­ter­na­tio­na­len Kampf ge­gen die Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on Is­la­mi­scher Staat (IS). Sie sind zu ei­nem Drit­tel mit Bun­des­wehr­sol­da­ten be­setzt. Bei ei­nem Ab­zug der deut­schen Sol­da­ten wä­re der Ein­satz ins­ge­samt ge­fähr­det.

An­ka­ras Au­ßen­mi­nis­ter Mev­lüt Ca­vu­sog­lu ver­tei­dig­te das Be­suchs­ver­bot. „Wenn sie ab­zie­hen wol­len, müs­sen sie das selbst wis­sen, wir wer­den sie nicht an­fle­hen“, sag­te Ca­vu­sog­lu. „Sie woll­ten kom­men, und wir wa­ren ih­nen be­hilf­lich. Wenn sie ab­zie­hen wol­len, sa­gen wir eben auf Wie­der­se­hen.“

Ga­b­ri­el sieht den Na­toGip­fel kom­men­de Wo­che als „gro­ße Mög­lich­keit“, das Pro­blem zu lö­sen. Am Ran­de wird es even­tu­ell ein Tref­fen von Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) mit Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan ge­ben.

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