US-Jus­tiz droht Fi­at Chrys­ler

Kom­pro­miss könn­te Kla­ge we­gen Ab­gas-Tricks noch ab­wen­den

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

Der Ver­dacht der Ab­gas­ma­ni­pu­la­ti­on bringt den Au­to­rie­sen Fi­at Chrys­ler im­mer stär­ker in die Be­dräng­nis. Laut ei­nem Me­dien­be­richt be­rei­tet die US-Jus­tiz ei­ne Kla­ge vor. Auch in Eu­ro­pa steigt der Druck. Droht dem Kon­zern ein Skan­dal wie bei Volks­wa­gen?

WASHINGTON. Dem ita­lie­nisch-ame­ri­ka­ni­schen Au­to­bau­er Fi­at Chrys­ler könn­te we­gen an­geb­li­cher Ab­gas-Trick­se­rei­en wo­mög­lich ein Rechts­streit mit der US-Re­gie­rung dro­hen. Das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um be­rei­te ei­ne Zi­vil­kla­ge ge­gen den Kon­zern vor, die noch die­se Wo­che ein­ge­reicht wer­den könn­te, be­rich­te­te der Fi­nanz­dienst Bloom­berg am Mitt­woch­abend un­ter Be­ru­fung auf zwei In­si­der. Al­ler­dings dau­er­ten die Ge­sprä­che an, und es sei durch­aus mög­lich, dass es ge­lin­ge, die Streit­punk­te aus­zu­räu­men und die Kla­ge ab­zu­wen­den.

Ein Spre­cher des Mi­nis­te­ri­ums woll­te sich auf Nach­fra­ge nicht zu dem The­ma äu­ßern. Ein Spre­cher von Fi­at Chrys­ler be­zeich­ne­te es als „kon­tra­pro­duk­tiv“für die lau­fen­den Ver­hand­lun­gen mit den USBe­hör­den, wenn in dem Kon­flikt um mut­maß­li­che Ver­stö­ße ge­gen Um­welt­ge­set­ze ein Rechts­streit er­öff­net wür­de. Der Kon­zern wer­de sich im Fall ei­ner Kla­ge en­er­gisch ver­tei­di­gen, ins­be­son­de­re ge­gen jeg­li­che Vor­wür­fe, ab­sicht­lich

bei Ab­gas­tests be­tro­gen zu ha­ben. Man be­mü­he sich um ei­ne „fai­re und ge­rech­te“Lö­sung.

Im Ja­nu­ar hat­te die USUm­welt­be­hör­de EPA be­kannt ge­ge­ben, dass sie nach dem Skan­dal bei Volks­wa­gen auch Fi­at Chrys­ler we­gen ma­ni­pu­lier­ter Ab­gas­wer­te im Ver­dacht hat. Es geht um die An­ga­ben zum Aus­stoß des Schad­stoffs Stick­oxid bei rund 100 000 Die­sel­wa­gen. Ei­ne mög­li­cher­wei­se il­le­ga­le Soft­ware zur Ab­gas­kon­trol­le sei nicht of­fen­ge­legt wor­den, was ge­gen Um­welt­ge­set­ze

ver­sto­ße. Im März kam her­aus, dass das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um, die Bör­sen­auf­sicht und Ge­ne­ral­staats­an­wäl­te meh­re­rer US-Bun­des­staa­ten eben­falls er­mit­teln.

Fi­at Chrys­ler strei­tet die Vor­wür­fe ab und geht da­von aus, sich mit sei­ner Ab­gas­tech­nik im le­ga­len Rah­men zu be­we­gen. Kon­zern­chef Ser­gio Mar­chion­ne ver­si­cher­te: „Wir ha­ben kei­ner­lei Be­trug be­gan­gen.“Die von Be­ob­ach­tern ge­zo­ge­nen Par­al­le­len zur „Die­sel­ga­te“-Af­fä­re bei VW weist Mar­chion­ne ent­schie­den zu­rück.

Trotz­dem könn­te es auch für Fi­at Chrys­ler brenz­lig wer­den. In den USA lau­fen zu­sätz­lich zu den Er­mitt­lun­gen der Be­hör­den Sam­mel­kla­gen im Na­men von Die­sel­be­sit­zern. An­le­ger re­agier­ten ner­vös auf die an­geb­lich dro­hen­de Es­ka­la­ti­on in der Aus­ein­an­der­set­zung mit der US-Jus­tiz. An der Bör­se brach­te der Bloom­berg-Be­richt Fi­at Chrys­ler kräf­tig un­ter Druck. Die Ak­tie star­te­te am Don­ners­tag fünf Pro­zent schwä­cher in den Han­del und stand zu­letzt mit drei Pro­zent im Mi­nus.

Auch in Eu­ro­pa wird der Kon­zern der Ab­gas­ma­ni­pu­la­ti­on ver­däch­tigt. Zwi­schen Ita­li­en und Deutsch­land tobt ein Streit um mög­li­cher­wei­se ge­fälsch­te Schad­stoff­wer­te bei Fi­at Chrys­ler. Am Mitt­woch spitz­te sich der Kon­flikt wei­ter zu, die EU-Kom­mis­si­on lei­te­te ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren ge­gen Ita­li­en ein. Sie wirft Rom vor, An­schul­di­gun­gen ge­gen Fi­at nicht an­ge­mes­sen nach­zu­ge­hen.

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„Wir ha­ben kei­ner­lei Be­trug be­gan­gen“: Ser­gio Mar­chion­ne, Kon­zern­chef von Fi­at Chrys­ler, gibt sich ah­nungs­los. Fo­to: AFP

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