Ein Müh­le im wo­gen­den Sumpf

Wal­len­brock war einst Na­me für ei­ne ei­gen­stän­di­ge Sied­lung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost -

Wer von Wes­ter­beck gen Sees­te fährt, durch­quert ein Ge­biet na­mens Wal­len­brock, ei­ne von zahl­rei­chen Grä­ben durch­zo­ge­ne Tief­ebe­ne, ge­prägt von sump­fi­gen Wie­sen und vie­len klei­ne­ren, meist fla­chen Tüm­peln, von Qu­el­len ge­speist. Ei­ne die­ser Qu­el­len ist Diers­manns Wel­len, de­ren Was­ser ei­nen klei­nen Teich füllt.

In ei­nem Gü­ter­ver­zeich­nis aus dem Jahr 1188 wird Wal­len­brock erst­mals er­wähnt: in par­ro­chia Kap­pe­len pro­pe The­ke­ne­borch do­mus in Wal­len­bro­eke – im Kirch­spiel Cap­peln bei Teck­len­burg, ein Haus in Wal­len­brock. 1580 ist ein Mey­er zu Wal­len­brock im Schat­zungs­re­gis­ter ver­zeich­net. Bei­de Er­wäh­nun­gen als Orts­an­ga­be las­sen dar­auf schlie­ßen, dass es sich vor­mals um ein ei­gen­stän­di­ges Sied­lungs­ge­biet han­del­te, des­sen Na­me ver­mut­lich von ei­nem gleich­lau­ten­den Fl­ur­na­men stam­men dürf­te.

„Wal­le, wal­le, man­che Stre­cke...“, fühlt man sich mit Blick auf die Wal­len­bro­cker Kla­res In­diz für die Nut­zung der Was­ser­kraft der Diers­manns Wel­len: ei­ne Stau­mau­er mit Durch­lass; hier soll die Müh­le ge­we­sen sein.

Stra­ßen­schil­der an Goe­thes Zau­ber­lehr­ling er­in­nert. Der mein­te mit wal­le al­ler­dings das al­te Wort für lau­fen. Denn die­se Wir­kung soll­te schließ­lich der Zau­ber­spruch auf den Be­sen ha­ben. Dass „wal­len“da­bei auch gleich den Bo­gen zum spru­deln­den Was­ser schlägt, macht die Ver­se noch ele­gan­ter. Mit dem Sees­ter Wal­len­brock hat Goe­thes wal­len je­doch nichts zu tun.

Viel­mehr be­zieht sich Wal­len­brock auf das spru­deln­de Was­ser, wel­ches hier an vie­len Stel­len aus dem Bo­den an die Ober­flä­che drückt. Brock stammt vom ger­ma­ni­schen bro­ka – Sumpf­land – ab, wal­len kommt aus dem Mit­tel­nie­der­deut­schen und geht

zu­rück auf das alt­säch­si­sche wal­lan in der Be­deu­tung „wo­gen, ko­chen, qu­el­len“. Wal­len­brock ist wört­lich ge­nom­men al­so der quel­len­de Sumpf.

Ei­ni­ge Qu­el­len wa­ren sehr er­gie­big, das gilt ins­be­son­de­re für Diers­manns Wel­len, die hin­ter dem ehe­ma­li­gen Hof Diers­mann bis heu­te ein Klein­ge­wäs­ser spei­sen. Der Teich kam den See­stern im Som­mer sehr zu­pass, denn was dem Wes­ter­kap­pel­ner sein Bul­ler­teich, das war dem Sees­ter „Diers­manns Wel­len“- ein be­lieb­tes Frei­bad in der war­men Jah­res­zeit.

Über das Ba­de­ver­gnü­gen hin­aus er­füll­te der Teich aber of­fen­bar noch ei­ne an­de­re wich­ti­ge Auf­ga­be. „Die Qu­el­le

hat viel Kraft“, weiß Wil­helm Diers­mann. Und eben­die­se Was­ser­kraft wur­de vor drei Ge­ne­ra­tio­nen noch ge­nutzt. „Groß­va­ter Fried­rich soll hier ei­ne Ge­trei­de­müh­le ge­habt ha­ben“, be­rich­tet Mar­ga­re­te Diers­mann.

In den al­ten Re­gis­tern ist die Was­ser­müh­le zwar nicht ge­lis­tet, auch nicht in Hun­sches Orts­chro­nik; Trotz­dem spre­chen die Müö­len­wies­ke am Au­brink, die zu der Diers­mann’ schen Müh­le ge­hört ha­ben dürf­te, und die noch heu­te exis­tie­ren­de Stau­mau­er samt Durch- und Ablass ein­deu­tig da­für. Und dann gibt es da noch die al­ten Mühl­stei­ne, die vom Hof Diers­mann auf das Dö­l­e­mey­er’ sche An­we­sen um­zo­gen.

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