Für die Ner­ven­schlacht ge­rüs­tet

So­wohl der HSV als auch Wolfs­burg set­zen im Re­le­ga­ti­ons-End­spiel auf Tor­hü­ter, die nicht als Num­mer eins ge­dacht wa­ren

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - Von Frank Hell­mann

Im Kampf ge­gen die Re­le­ga­ti­on ver­trau­en der HSV und der VfL Wolfs­burg Tor­war­ten, die nicht als Num­mer eins ge­dacht wa­ren – doch Chris­ti­an Ma­the­nia und Ko­en Cas­teels sind trotz­dem für die Ner­ven­schlacht wie ge­macht, weil sie Ähn­li­ches schon er­lebt ha­ben.

Andre­as Köp­ke kann sich noch gut er­in­nern. Ab­stiegs­kampf in grau­er Bun­des­li­gaVor­zeit, als der heu­ti­ge Bun­destor­wart­trai­ner selbst in knall­bun­ten Tri­kots zwi­schen den Pfos­ten stand. Selbst ein Na­tio­nal­tor­hü­ter half vor 21 Jah­ren nicht, um den ers­ten Ab­stieg der Frank­fur­ter Ein­tracht zu ver­hin­dern. Köp­ke wur­de in En­g­land gleich­wohl im sel­ben Som­mer Eu­ro­pa­meis­ter und wech­sel­te da­nach zu Olym­pi­que Mar­seil­le. Als der ge­bür­ti­ge Kie­ler 2001 sei­ne Kar­rie­re beim 1. FC Nürn­berg be­en­de­te, war er sa­ge und schrei­be sechs­mal ab­ge­stie­gen –

mit Hol­stein Kiel, dem SC Char­lot­ten­burg, Her­tha BSC und zwei­mal ex­trem bit­ter mit dem Club.

„Wer den Ab­stiegs­kampf nicht kennt, wird sich als Tor­wart um­schau­en. Je­der Feh­ler wird bru­tal be­straft“, sagt der 55-Jäh­ri­ge und fühlt nun wie­der mit den jün­ge­ren Kol­le­gen, die im Brenn­punkt die Bäl­le ab­weh­ren. Wenn sich der Ham­bur­ger SV (oh­ne den ver­letz­ten Pierre-Mi­chel La­sog­ga) und VfL Wolfs­burg am 34. Spiel­tag das ver­meint­li­che End­spiel um die Re­le­ga­ti­on lie­fern, du­el­lie­ren sich gar zwei Schluss­män­ner, die vor Sai­son­be­ginn nicht als ech­te Nr. 1 ein­ge­plant wa­ren.

Und die am we­nigs­ten für den Ab­sturz kön­nen: Chris­ti­an Ma­the­nia (Ham­burg) und Ko­en Cas­teels (Wolfs­burg). Der ei­ne ver­tritt den an der Rip­pe ver­letz­ten Ham­bur­ger Re­né Ad­ler, im­mer­hin zwölf­mal in der deut­schen Na­tio­nal­elf ein­ge­setzt; der an­de­re

hat Wolfs­burg Ka­pi­tän Die­go Be­naglio ver­drängt, der für die Schweiz noch bei der EM 2016 in Frank­reich das Hei­ligs­te hü­te­te.

Per­sön­lich ha­ben bei­de Prot­ago­nis­ten ei­ne ähn­lich wech­sel­haf­te Sai­son hin­ter sich, was die Ein­satz­zei­ten be­trifft. Ma­the­nia mach­te bis­lang 13 der 33 Spie­le: zu­erst vom elf­ten bis zum 18. Spiel­tag, ehe Ma­the­nia nach Ad­lers nächs­ter Pau­se an ihm vor­bei­flog. Sei­ne stärks­te Par­tie be­stritt der ver­gan­ge­nen Som­mer vom Ab­stei­ger SV Darm­stadt ver­pflich­te­te Tor­wart vor zwei Wo­chen bei der Null­num­mer ge­gen sei­nen Aus­bil­dungs­ver­ein FSV Mainz und ver­sprach her­nach, „bis zum letz­ten Atem­zug al­les zu ge­ben, um den HSV in der Li­ga zu hal­ten“. Ner­ven­flat­tern hat­ten nur sei­ne Vor­der­leu­te ge­zeigt.

Stoi­sche Ru­he kann auch Cas­teels aus­strah­len, der 2011 von KRC Genk zur TSG Hof­fen­heim in die Bun­des­li­ga wech­sel­te. Der 1,97-Me­ter-Hü­ne spielt sei­ne zwei­te Sai­son bei den „Wöl­fen“und kam vom ers­ten bis zum ach­ten Spiel­tag zum Zu­ge. Dann erst wie­der, als der neue Trai­ner An­dries Jon­ker über­nahm. Un­ter dem Nie­der­län­der ist der Mo­dell­ath­let aus der bel­gi­schen Tor­wart­schu­le ge­setzt. Soll­te dem Werks­klub der Klas­sen­er­halt ge­lin­gen, gibt es kei­nen Grund für den bis 2019 ge­bun­de­nen Cas­teels, über ei­ne Ve­rän­de­rung nach­zu­den­ken, wie er das noch im Win­ter ge­tan hat­te. Bei Wer­der Bre­men, wo­hin er 2015 be­reits ein Halb­jahr aus­ge­lie­hen war, wur­de er zu­vor be­reits auf der Tri­bü­ne ge­sich­tet.

Aus Re­spekt möch­te Köp­ke über Stär­ken und Schwä­chen der bei­den Ball­fän­ger vor dem Show­down im Volks­park­sta­di­on nicht spre­chen, aber ge­ne­rell gel­te: „Der Druck ist ei­ne Ex­trem­be­las­tung, denn ein Feh­ler kann jetzt nicht mehr aus­ge­bü­gelt wer­den.“

Die Nr. 1 des VfL: Ko­en Cas­teels. Fo­to: im­a­go/Sielski

Die Nr. 1 des HSV: Chris­ti­an Ma­the­nia. Fo­to: im­a­go/Schwarz

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