Ein Welt­fuß­bal­ler sagt Ser­vus

Lahm geht – und räumt am Mon­tag sei­nen Spind – „Man weiß nie, was kommt“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - Von Chris­ti­an Kunz und Manuel Schwarz

Wird es Trä­nen ge­ben? Mit dem Ab­schied von Phil­ipp Lahm en­det ei­ne der größ­ten deut­schen Fuß­ball­kar­rie­ren. Nach der Meis­ter­par­ty steht erst ein­mal das Le­ben als Pri­va­tier an. Die Rück­kehr zum FC Bay­ern bleibt ein The­ma.

Wie Phil­ipp Lahm in sei­ne ers­te Wo­che als Pri­va­tier star­tet, weiß der Welt­meis­ter schon ganz ge­nau. „Am Mon­tag wer­de ich um 7 Uhr von mei­nem Sohn Ju­li­an ge­weckt, spä­ter geht es Rich­tung Kin­der­gar­ten. Ich wer­de an­schlie­ßend zur Sä­be­ner Stra­ße fah­ren und mei­nen Spind räu­men“, sag­te Lahm, der am Wo­che­n­en­de ei­ne Kar­rie­re für die deut­sche Fuß­ball-Ewig­keit be­en­den wird. „Am Mon­tag hat auch mei­ne Mut­ter Ge­burts­tag, dann steht al­so die nächs­te Fei­er an.“

Be­vor aber Ma­ma Da­nie­la ge­fei­ert wird, darf der Welt­meis­ter-Ka­pi­tän ein Ab­schieds­wo­chen­en­de vol­ler Emo­tio­nen ge­nie­ßen. Noch ein­mal auf­lau­fen, sie­gen, die Meis­ter­scha­le in die Hö­he re­cken, rauf auf den Rat­haus­bal­kon, rein in die in­ter­ne Club­fei­er und und und. Je­den klit­ze­klei­nen Au­gen­blick will Lahm in den letz­ten Mo­men­ten ei­ner Bil­der­buch-Lauf­bahn aus­kos­ten. „Wir dür­fen uns freu­en, wir dür­fen trau­rig sein“, er­klär­te Vor­stands­chef Karl-Heinz Rum­me­nig­ge vor dem „Ser­vus“ei­ner Bay­ern-Grö­ße. „Phil­ipp – auch wenn du die­sen Ti­tel of­fi­zi­ell nie ge­tra­gen hast, warst du ein Welt­fuß­bal­ler über vie­le Jah­re.“

Als der Nach­wuchs­mann Lahm beim be­deu­tungs­lo­sen Cham­pi­ons-Le­ague-Spiel am 13. No­vem­ber 2002 der be­reits aus­ge­schie­de­nen Münch­ner ge­gen RC Lens ein­ge­wech­selt wur­de, konn­te nie­mand wis­sen, wie groß die­se Kar­rie­re wer­den wür­de. Lahms Au­gen blitz­ten, als er am Don­ners­tag in Mün­chen noch ein­mal über die­sen be­son­de­ren Au­gen­blick schwärm­te. „So was bleibt ein­fach in Er­in­ne­rung“, sag­te der 33-Jäh­ri­ge und zähl­te wei­te­re gro­ße Mo­men­te wie den Cham­pi­ons-Le­ague-Tri­umph und das Triple 2013 so­wie das ver­lo­re­ne „Fi­na­le da­ho­am“im Jahr 2012 auf.

Acht deut­sche Meis­ter­schaf­ten, sechs DFB-Po­kal­sie­ge, der Er­folg bei der Club­WM 2013 und als Krö­nung eben das Triple 2013 ste­hen in der ein­zig­ar­ti­gen Vi­ta Lahms. „Ich ha­be nie für ir­gend­wel­che Re­kor­de ge­spielt. Ich ha­be im­mer ge­spielt, um er­folg­reich zu sein“, er­klär­te Lahm. Das tat er auch im DFB-Tri­kot, in dem er als Welt­meis­ter im 113. Län­der­spiel zu den größ­ten deut­schen Fuß­bal­lern über­haupt auf­stieg. Am Mor­gen nach dem End­spiel teil­te er Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw die Ent­schei­dung mit, die DFB-Lauf­bahn auf dem Hö­he­punkt zu be­en­den. Ty­pisch Lahm.

Der 33-Jäh­ri­ge war schon im­mer ein Selbst­be­stim­mer, und so ist das Kar­rie­re­en­de ein Jahr vor Aus­lau­fen sei­nes Ver­trags fast fol­ge­rich­tig. Jetzt tritt er in ei­ner star­ken Po­si­ti­on zu­rück, auch wenn ihn Trai­ner Car­lo An­ce­lot­ti ger­ne als „neu­en Pao­lo Mal­di­ni“ bis ins Al­ter von 40 Jah­ren auf dem Platz be­hal­ten hät­te. Aber so tickt Lahm nicht. Geld­ver­die­nen in ei­ner Alt­her­ren-Li­ga oder ein Kar­rie­re­en­de à la Bas­ti­an Schwein­stei­ger in den USA kommt für den Un­ter­neh­mer nach mehr als 500 Bay­ernSpie­len nicht in­fra­ge.

Die Sehn­sucht auf ein nicht vom Fuß­ball ge­lei­te­tes Le­ben ist bei Lahm rie­sen­groß, das ist dem Va­ter von bald zwei Kin­dern schon län­ger an­zu­mer­ken. „Erst ein­mal ma­che ich mit mei­ner Fa­mi­lie Ur­laub und le­be frei in den Tag hin­ein. Doch ich wer­de mir ei­nen Tag set­zen und den für mich als Start­schuss in mein neu­es Le­ben de­fi­nie­ren“, sag­te Lahm, der sich trotz ei­nes ab­ge­lehn­ten Sport­di­rek­to­ren­pos­tens beim FC Bay­ern ei­nes Ta­ges ei­ne Rück­kehr vor­stel­len kann. „Man weiß nie, was kommt. Erst mal möch­te ich Ab­stand ge­win­nen nach 22 Jah­ren FC Bay­ern mit ei­ner kur­zen Aus­zeit in Stutt­gart“, sag­te Lahm. Der Weg zu­rück zum Re­kord­meis­ter steht ihm aber wei­ter of­fen. „Er ge­hört auf je­den Fall in die Jahr­hun­dert­elf des FC Bay­ern“, sag­te der frü­he­re Nach­wuchs­trai­ner und ak­tu­el­le Bay­ern-As­sis­tent Her­mann Ger­land. Ger­ne er­zählt Ger­land im­mer wie­der die ku­rio­se Ge­schich­te, wie schwie­rig es war, Lahm in die Bun­des­li­ga zu brin­gen. „Es wa­ren re­nom­mier­te Trai­ner da­bei, die ab­ge­wun­ken ha­ben. Erst Fe­lix Ma­gath hat zu­ge­grif­fen“, er­in­ner­te Ger­land auch die­ser Ta­ge wie­der. Aus Stutt­gart kam Lahm ge­reift zu­rück und stieg zu ei­nem gro­ßen An­füh­rer der Bay­ern auf. „Die­ser Ver­ein hat Le­gen­den wie Franz Be­cken­bau­er, Gerd Mül­ler, Uli Ho­en­eß, Kal­le Rum­me­nig­ge. Phil­ipp Lahm ist auf die­sem Ni­veau“, rühm­te der ehe­ma­li­ge Bay­ern-Coach Pep Guar­dio­la.

„Ich hof­fe, dass mich die Fans als ei­nen gu­ten Fuß­ball­spie­ler in Er­in­ne­rung be­hal­ten, der über das ei­ne oder an­de­re Jahr or­dent­lich Fuß­ball ge­spielt hat auf ei­nem sehr gu­ten Ni­veau. Nicht mehr und nicht we­ni­ger, ge­nau das war ich ei­gent­lich, wür­de ich von mir be­haup­ten“, sag­te Lahm vor sei­nem Ab­schied.

Sein größ­ter Tri­umph: Phil­ipp Lahm, der Welt­meis­ter. Fo­tos: dpa (2), Wit­ters, im­a­go/Mül­ler

Der Cham­pi­ons-Le­ague-Sie­ger

Der Stutt­gar­ter

Der Fa­mi­li­en­mensch

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.