Pre­paid-Kar­ten bald nur noch mit Aus­weis

Ge­setz­ge­ber re­agiert auf Ter­ror­ge­fahr und schiebt an­ony­mer Nut­zung ei­nen Rie­gel vor

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen - Von Mark Ot­ten

Der Kauf ei­ner Pre­paid-Kar­te für das Han­dy wird schon bald deut­lich auf­wen­di­ger als bis­her. Bis­lang kön­nen Kun­den ih­re Pre­paid-Sim-Kar­ten wie je­den an­de­ren Ar­ti­kel an der La­den­kas­se be­zah­len und mit­neh­men. Ab dem 1. Ju­li 2017 gel­ten neue Re­ge­lun­gen des Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­set­zes (TKG). Die­se be­tref­fen auch den Ver­kauf von Pre­paid-Kar­ten für Han­dys und Smart­pho­nes. Durch ei­nen Aus­weis­zwang beim Kauf kann je­de Num­mer ei­ner Per­son zu­ge­ord­net wer­den, ei­ne an­ony­me Nut­zung ist nicht mehr mög­lich. Al­te Pre­pai­dKar­ten sind nicht be­trof­fen. Es geht nur um Kar­ten, die ab dem 1. Ju­li ge­kauft wer­den. Wir ge­ben ei­nen Über­blick.

Was gilt ab dem 1. Ju­li 2017? Laut Pa­ra­graf 111 des

TKG müs­sen sich Kun­den ab dem 1. Ju­li 2017 be­reits beim Kauf ei­ner Pre­paid-Sim-Kar­te aus­wei­sen. Für den Kauf mit­füh­ren müs­sen Kun­den den Per­so­nal­aus­weis, Rei­se­pass oder ei­nen an­de­ren gül­ti­gen amt­li­chen Aus­weis mit Licht­bild. Re­gis­triert wer­den Na­me, An­schrift, Ge­burts­da­tum, Aus­weis­num­mer, Art des Aus­wei­ses und die aus­stel­len­de Be­hör­de. Aus­län­der iden­ti­fi­zie­ren sich mit ei­nem Auf­ent­halts­ti­tel oder ei­nem An­kunfts­nach­weis. Fir­men müs­sen ei­nen Aus­zug aus dem Han­delso­der Ge­nos­sen­schafts­re­gis­ter vor­le­gen. Zum Frei­schal­ten der Kar­te muss sich der Nut­zer au­ßer­dem beim je­wei­li­gen An­bie­ter iden­ti­fi­zie­ren.

War­um die­se Än­de­rung? Die Än­de­run­gen des TKG sind Be­stand­teil von schär­fe­ren An­ti-Ter­ror-Ge­set­zen. Die an­ony­me Nut­zung von Pre­paid-Kar­ten, ins­be­son­de­re durch Ter­ro­ris­ten und Kri­mi­nel­le, stel­le ein er­heb­li­ches Si­cher­heits­ri­si­ko dar, sag­te ei­ne Spre­che­rin des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums un­se­rer Re­dak­ti­on. Kri­mi­nel­le hat­ten in der Ver­gan­gen­heit mas­sen­haft Pre­paid-Kar­ten ver­wen­det, um ih­re Ak­ti­on zu pla­nen. Nach ei­nem Te­le­fo­nat hat­ten sie die Kar­te aus­ge­tauscht, so­dass sie nicht von den Er­mitt­lungs­be­hör­den ver­folgt wer­den konn­ten. Durch den Miss­brauch frem­der Adres­sen sind au­ßer­dem Un­schul­di­ge in Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ver­wi­ckelt wor­den. Auch das soll durch die neu­en Ge­set­ze ver­hin­dert wer­den.

Ist die Re­form ziel­füh­rend? Das ist un­klar, denn die Ge­set­zes­än­de­rung be­trifft nur Deutsch­land, nicht die EU-Staa­ten ins­ge­samt. Kri­mi­nel­le kön­nen sich al­so wei­ter­hin ih­re Weg­werf-Kar­ten im EU-Aus­land be­sor­gen. Al­ler­dings ver­schär­fen auch an­de­re EU-Staa­ten ih­re Vor­schrif­ten beim Pre­paid-Ver­kauf, un­ter an­de­rem Bel­gi­en.

Muss­te man sich bis­lang nicht re­gis­trie­ren? Doch, seit 2004 muss die Sim-Kar­te vor dem ers­ten Ein­satz beim je­wei­li­gen An­bie­ter re­gis­triert wer­den. Al­ler­dings wur­den die­se Da­ten in der Ver­gan­gen­heit sel­ten über­prüft. So mel­de­ten sich Nut­zer un­ter an­de­rem als „Mi­cky Maus“oder mit fal­schen Adres­sen an. Die wah­ren Nut­zer blie­ben un­er­kannt und konn­ten nicht er­mit­telt wer­den.

Wie läuft die Iden­ti­fi­zie­rung ab dem 1. Ju­li 2017? Kun­den müs­sen nicht nur ih­ren Aus­weis, son­dern auch mehr Zeit mit­brin­gen. Bei Me­dia Markt und Sa­turn gibt es be­reits ei­ge­ne Schal­ter für Mo­bil­funk­ver­trä­ge und Kre­dit­an­trä­ge, an de­nen auch der Pre­paid-Kauf ab­ge­wi­ckelt wer­den könn­te. Dis­coun­ter und Dro­ge­rie­märk­te prü­fen, ob sie ei­ge­ne Schal­ter oder Vi­deo­ter­mi­nals ein­rich­ten, da die Da­ten­auf­nah­me an der Kas­se die War­te­zei­ten be­trächt­lich ver­län­gern wür­de.

Stirbt Pre­paid aus? Für Deutsch­land hat bis­lang kein An­bie­ter sei­nen Rück­zug er­klärt.

Fo­to: dpa

Pre­paid-Sim-Kar­ten gibt es künf­tig nur ge­gen Vor­la­ge ei­nes Aus­wei­ses.

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