„Gren­zen­los Ge­schich­ten er­zäh­len“

Ad­nan Maral ist Pro­du­zent des Films „Zaun an Zaun“und spielt die Haupt­rol­le

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Medien / Fernsehen - Von Mar­cel Ka­wen­tel Zaun an Zaun. Das Ers­te, heu­te, 20.15 Uhr

Be­kannt wur­de er mit der Rol­le des tür­kisch­stäm­mi­gen Kom­mis­sars Me­tin in der Kult­se­rie „Tür­kisch für An­fän­ger“. Nun prä­sen­tiert Ad­nan Maral den ers­ten Film sei­ner ei­ge­nen Pro­duk­ti­ons­fir­ma, die Ko­mö­die „Zaun an Zaun“, in der er an der Sei­te von Es­t­her Schweins spielt.

Der Pe­dant, der sei­ne Ro­sen pflegt und sich mit dem Nach­barn an­legt, weil nicht al­les sei­ne Ord­nung hat – man kennt ihn als Ur­ty­pen des deut­schen Klein­bür­gers. Doch in „Zaun an Zaun“hat der Spie­ßer tür­ki­sche Wur­zeln und wird ge­spielt von Ad­nan Maral. „Ob je­mand ein Spie­ßer ist, hat ja mit dem Men­schen zu tun, wie er sich fühlt, wie er so­zia­li­siert ist, nicht un­be­dingt mit der Na­tio­na­li­tät“, sagt Maral im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. „Na­tür­lich ha­ben Kli­schees auch ei­nen wah­ren Kern, aber man kann sich nicht auf ih­nen aus­ru­hen.“

Maral spielt Ken­an, den Wit­wer, der mit sei­ner Nach­ba­rin und Ver­mie­te­rin, der chao­ti­schen Ro­man­au­to­rin Lis­si (Es­t­her Schweins), im Dau­er­clinch liegt. Doch Ad­nan Maral spielt nicht nur die männ­li­che Haupt­rol­le, er hat den Film auch pro­du­ziert. „Ich ha­be zwei Bü­cher ge­schrie­ben und auch ei­ge­ne Ide­en für Dreh­bü­cher ent­wi­ckelt. Da ich auch mal Film stu­diert ha­be, war es für mich ein gro­ßer Wunsch, ei­ge­ne Ge­schich­ten zu er­zäh­len.“

Maral tat sich mit sei­nem Kom­pa­gnon Ha­mid Ba­roua zu­sam­men und grün­de­te Yal­la Pro­duc­tions. Das Mot­to ih­rer Fir­ma lau­tet: Bound­less Sto­ry­tel­ling, al­so gren­zen­lo­ses Ge­schich­ten­er­zäh­len. „Uns ist es wich­tig, gren­zen­los zu er­zäh­len, oh­ne Zu­schrei­bun­gen wie: ‚Bei den Tür­ken muss das so und so sein‘ “, er­klärt Maral. „Wir er­zäh­len Ge­schich­ten mit Mi­gra­ti­ons­vor­der­grund. Frei zu sein von Gren­zen fin­de ich ei­nen schö­nen Claim.“

Das se­hen in „Zaun an Zaun“nicht al­le so. Denn Ken­ans Kin­der wol­len den im­mer

ver­schro­be­ner wer­den­den Wit­wer ver­kup­peln. Ent­ge­gen ih­ren Be­mü­hun­gen, ihm ei­ne tür­ki­sche Frau schmack­haft zu ma­chen, ent­wi­ckelt Ken­an, der Lis­si nach ei­nem Brand in ih­rer Haus­hälf­te bei sich woh­nen lässt, Ge­füh­le für sei­ne ehe­ma­li­ge Erz­fein­din.

„Wir sind von dem fran­zö­si­schen Film ‚Mon­sieur Clau­de und sei­ne Töch­ter‘ aus­ge­gan­gen und ha­ben über­legt, wie wür­de so et­was um­ge­kehrt aus­se­hen, wenn die eher tra­di­tio­nell den­ken­den Kin­der den ver­wit­we­ten Va­ter ver­kup­peln wol­len? Ich

will nicht sa­gen ‚Cul­tu­re Clash‘ , das fin­de ich nicht zeit­ge­recht, es ist eher ‚Cross Cul­tu­re‘ .“Gren­zen zwi­schen Kul­tu­ren zu über­win­den ist ein An­lie­gen, das Ad­nan Maral sehr of­fen vor­trägt. So hat er in der Ver­gan­gen­heit auch die kli­schee­haf­te Be­set­zung von Schau­spie­lern mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund kri­ti­siert.

„Wir sind auf ei­nem su­per Weg,“sagt er heu­te da­zu. „Bei vie­len Rol­len, die ich mitt­ler­wei­le spie­len darf, ist es nicht so wich­tig, ob das ein Süd­län­der ist oder wel­che Haut­far­be ich ha­be. Vie­le Ent­schei­der in den Sen­dern ha­ben ver­stan­den, dass man auch ei­ne Fi­gur, die Vol­ker heißt, mit Ad­nan Maral be­set­zen kann.“Als er in Bo­ra Dag­te­kins Er­folgs­se­rie „Tür­kisch für An­fän­ger“den Va­ter spiel­te, war die­se Ent­wick­lung erst in den An­fän­gen. „Wer hät­te da­mals ge­dacht, dass die­se Se­rie so ei­nen Kult­sta­tus er­langt?“, sagt Maral. „Ich bin Bo­ra Dag­te­kin sehr dank­bar da­für, ein Teil da­von ge­we­sen zu sein, und freue mich auch zum Bei­spiel für mei­nen Film­sohn, Elyas M’ Barek. Als ich so alt war, konn­te man sich nicht vor­stel­len, dass ein Ori­en­ta­le der Ro­meo für al­le Mä­dels wird – dar­auf bin ich stolz!“

Mit sei­ner Fir­ma Yal­la Pro­duc­tions hat Ad­nan Maral schon die nächs­ten Film­pro­jek­te in Vor­be­rei­tung, doch spie­len wird er nicht im­mer selbst, ob­wohl er be­tont, dass sei­ne Rol­le als Darstel­ler und Pro­du­zent bei „Zaun an Zaun“kei­ne Dop­pel­be­las­tung war. „Es hat mich eher mo­ti­viert, in der Form wei­ter­zu­ma­chen.“

Mo­ti­va­ti­on kann auch Ken­an in Lis­si ent­fa­chen, die trotz ih­rer Schreib­blo­cka­de ei­nen neu­en Lie­bes­ro­man lie­fern muss, sonst droht die Zwangs­ver­stei­ge­rung des Hau­ses. Ken­ans Kin­der set­zen in­des al­les dar­an, ih­ren Va­ter und Lis­si zu ent­zwei­en. Die ko­mi­sche Ka­ta­stro­phe ist eben­so vor­ge­zeich­net wie die Ver­söh­nung über kul­tu­rel­le Gren­zen hin­weg. Wel­cher Film lohnt sich? Tipps auf noz.de/me­di­en

Fo­to: ARD De­ge­to/Eri­ka Haur

Ver­ste­hen sich im­mer bes­ser: Die ur­sprüng­lich ver­fein­de­ten Nach­barn Ken­an (Ad­nan Maral) und Lis­si (Es­t­her Schweins).

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