Fre­che Lie­der aus dem Ber­li­ner Kiez

SIR und Karl Neu­kauf prä­sen­tie­ren ei­ge­ne Songs bei „Live im Grü­nen“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Tom Bull­mann

Bei Tem­pe­ra­tu­ren wie im Hoch­som­mer hat­ten sich zahl­rei­che Os­na­brü­cker zum Bier­gar­ten am Büd­chen auf­ge­macht. Dort mix­ten SIR und Karl Neu­kauf fre­che Lie­der aus dem Ber­li­ner Kiez mit Songs über In­ter­net­da­ting und Se­ri­en­mör­de­rin­nen.

OS­NA­BRÜCK. Ein Ge­dicht von Erich Käst­ner stand Pa­te bei dem Lied „Fe­der­wol­ken“, das die jun­ge Frau auf der Büh­ne gera­de singt: „Man muss mal raus ins Grü­ne“heißt es da. Als hät­ten vie­le Os­na­brü­cker Glei­ches im Sinn ge­habt, ha­ben sie sich zahl­reich ins Grü­ne auf­ge­macht: Der Bier­gar­ten am Büd­chen ist an die­sem war­men Früh­lings­abend voll be­setzt, die Schlan­gen an Bier­bu­den und Grill­stand sind aus­ge­spro­chen lang, und die Stim­mung ist wun­der­bar, als Karl Neu­kauf den Abend mu­si­ka­lisch er­öff­net. Zu­sam­men mit der Schau­spie­le­rin Sas­kia In­ken Rut­ner, die als Mu­si­ke­rin den Künst­ler­na­men SIR trägt, gestal­ten sie den Mu­sik­mitt­woch im Rah­men der Rei­he „Live im Grü­nen“.

Neu­kauf ist ein mo­der­ner Lie­der­ma­cher. Mit der Gi­tar­re oder dem E-Pia­no be­glei­tet er sei­ne Songs über Se­ri­en­mör­de­rin­nen, Woh­nungs­mak­ler und Lie­be-Su­chen­de im In­ter­net. Wenn die Lie­der in Rich­tung Rock ten­die­ren, kom­men sei­ne Fü­ße zum Ein­satz: Mit ei­nem Pe­dal ent­lockt er der Ca­jon, auf der er sitzt, den Beat. Be­son­ders be­ein­druckt er je­doch mit sei­ner so­no­ren Stim­me, mit der er die „Tin­der-Pol­ka“oder sein lus­ti­ges Nost­al­gie­lied „für länd­li­che Re­gio­nen“singt: „Weißt du noch, da­mals auf dem Rübe­na­cker …“In sei­nen Kurz­lie­dern, die nur we­ni­ge Se­kun­den dau­ern, wird er gar po­li­tisch. Dann singt er, dass er ein­mal in Sach­sen auf der Au­to­bahn fah­rend die Aus­fahrt Hei­denau ge­nom­men ha­be: „Da woll­te ich nur mal nach dem Rech­ten se­hen!“

Im zwei­ten Teil des Mu­sik­pro­gramms ge­sellt sich Sas­kia In­ken Rut­ner zu Neu­kauf. Die bei­den sind ein groß­ar­ti­ges Team: Live tre­ten sie gern zu­sam­men auf und auch bei der Pro­duk­ti­on ih­res Al­bums „… statt Hollywood schau­keln“ha­ben sie zu­sam­men ge­ar­bei­tet. Nun be­glei­tet er die sin­gen­de Schau­spie­le­rin ver­siert durch ein Pro­gramm mit sehr ei­ge­nen Songs, die SIR mal in­nig, mal keck, mal ver­rucht, mal träu­me­risch vor­trägt. Spä­tes­tens bei der Co­ver­ver­si­on des Welt­hits „So­me­thing Stu­pid“merkt man, dass SIR ein rich­ti­ges Ber­li­ner Frücht­chen ist: Mit „So wat Blö­det, ick lie­be dir“über­setz­te sie den Text des Lie­des zünf­tig ins Ber­li­ne­ri­sche, das einst Frank und Nan­cy Si­na­tra träl­ler­ten.

Über­haupt liebt es Rut­ner, Be­ob­ach­tun­gen aus ih­rem di­rek­ten Um­feld in Lie­der zu ver­wan­deln. „Habt ihr hier in Os­na­brück auch so ty­pi­sche Schnö­sel­bars, in de­nen Hips­ter ge­lang­weilt Cock­tails trin­ken?“, fragt die Sän­ge­rin als Ein­lei­tung zu dem Song „Su­per Su­spekt“. Da­rin rech­net sie gna­den­los mit Zeit­ge­nos­sen ab, die ihr of­fen­bar nicht in den Kram pas­sen: „Wenn du noch ein­mal su­pi sagst, halt schon mal Aus­schau nach ’ nem Arzt“. Und das Lied „Bran­den­burg“tex­tet sie aus ge­ge­be­nem An­lass ein­fach mal um: „Wir fah­ren raus ins Grü­ne, nach Os­na­brück!“

Mit ei­nem ganz neu­en Stück, ei­ner Bal­la­de, in der SIR über die Zeit phi­lo­so­phiert, ver­ab­schie­det sich das Duo vom Pu­bli­kum, das hart­nä­ckig Zu­ga­ben for­dert – und sie auch be­kommt. Zu ei­ner Gi­tar­re, die in ih­rem mi­ni­ma­lis­ti­schen Stil an die Spiel­wei­se von Lou Reed von Vel­vet Un­der­ground er­in­nert, tanzt Sas­kia In­ken Rut­ner „al­lein in die Nacht hin­ein“.

Gu­tes Team: Sas­kia In­ken Rut­ner und Karl Neu­kauf tre­ten ger­ne zu­sam­men live auf. Fo­to: Eg­mont Sei­ler

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