Skan­da­le und Stars in Os­na­brück

Hin­ter­grün­de und Fak­ten zum Re­mar­que-Frie­dens­preis

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional -

Von An­na­le­na Klein

Al­le zwei Jah­re ver­gibt die Stadt Os­na­brück den Erich-Ma­ria-Re­mar­que-Frie­dens­preis. Heu­te ver­kün­det sie die dies­jäh­ri­gen Preis­trä­ger. Aber wo­für steht die Aus­zeich­nung, und wer hat sie bis­her er­hal­ten? Hier fin­den Sie Ant­wor­ten auf die wich­tigs­ten Fra­gen.

Wo­für steht der Frie­dens­preis? In Er­in­ne­rung an das pa­zi­fis­ti­sche En­ga­ge­ment des Schrift­stel­lers Erich Ma­ria Re­mar­que ver­gibt sei­ne Hei­mat­stadt Os­na­brück seit 1991 den Erich-Ma­ria-Re­mar­queF­rie­dens­preis. Leit­li­nie sei das Mot­to Re­mar­ques „Mein The­ma ist der Mensch die­ses Jahr­hun­derts, die Fra­ge der Hu­ma­ni­tät“, heißt es von den Or­ga­ni­sa­to­ren. Mit dem Preis wer­den Au­to­rin­nen und Au­to­ren aus­ge­zeich­net, die sich mit den The­men „in­ne­rer und äu­ße­rer Frie­de“aus­ein­an­der­set­zen, so­wie Per­sön­lich­kei­ten, de­ren pu­bli­zis­ti­sches En­ga­ge­ment für Frie­den, Hu­ma­ni­tät und die Frei­heit des Men­schen bei­spiel­haft ist. Aus­ge­zeich­net wer­den Ar­bei­ten aus Bel­le­tris­tik, Jour­na­lis­mus und Wis­sen­schaft so­wie do­ku­men­ta­ri­sche Ar­bei­ten.

Wie hoch do­tiert ist der Preis? Der Erich-Ma­ria-Re­mar­que-Frie­dens­preis ist mit 25 000 Eu­ro die höchst­do­tier­te Aus­zeich­nung, die von der Stadt ver­ge­ben wird. Dar­über hin­aus kann auf Vor­schlag der Ju­ry ein Son­der­preis in Hö­he von 5000 Eu­ro ver­ge­ben wer­den, der in­halt­lich in Zu­sam­men­hang mit dem Haupt­preis ste­hen muss.

Wer wa­ren die bis­he­ri­gen Preis­trä­ger?

Lew Ko­pe­lew (1991) Hans Magnus En­zens­ber­ger (1993)

Uri Av­ne­ry (1995) Lud­vik Va­cu­lik (1997), Huschang Gol­schi­ri (1999) Swet­la­na Ale­xi­je­witsch (2001)

Prof. Dr. Dan bar-On und Mahmud Dar­wisch (gleich­ran­gig 2003) Leo­lu­ca Or­lan­do (2005) Prof. Dr. To­ny Judt (2007) Hen­ning Man­kell (2009) Ta­har Ben Jell­oun (2011) Avi Pri­mor und Ab­dal­lah Fran­gi (gleich­ran­gig 2013) Ado­nis (2015)

Son­der­prei­se er­hiel­ten: Anja Lund­holm (1991) Dör­te von Wes­tern­ha­gen (1993)

Mil­jen­ko Jer­go­vic (1995) Ge­mein­sa­me Deut­schT­sche­chi­sche His­to­ri­ker­kom­mis­si­on (1997) Grün­dungs­ko­mi­tee des Ver­ban­des ira­ni­scher Schrift­stel­ler (1999) In­ter­na­tio­na­le Ge­sell­schaft für his­to­ri­sche Auf­klä­rung, Men­schen­rech­te und so­zia­le Für­sor­ge ME­MO­RI­AL (2001) Ju­ri An­druchow­ytsch (2005)

Gri­go­ri Pas­ko (2007) Lu­kas Bär­fuss (2009) Pro Asyl (2011) EXIT-Deutsch­land (2013) Gi­u­sep­pi­na Ma­ria Ni­co­li­ni (2015)

Wer sitzt in der Ju­ry? Zur Ju­ry ge­hö­ren der­zeit Os­na­brücks Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert, Prof. Dr. Wolf­gang Lü­cke (Vor­sit­zen­der), Prof. Dr. Ri­ta Süss­muth, Prof. Dr. He­ri­bert Prantl, Dr. Hu­bert Win­kels, Jo­ha­no Stras­ser, Jut­ta Sau­er, Prof. Dr. Til­man West­pha­len, Dr. Sven Jür­gen­sen und Dr. Tho­mas F. Schnei­der.

Gab es Skan­da­le? 2015 sorg­te die Ver­ga­be an den sy­risch-li­ba­ne­si­schen Au­tor Ali Ah­mad Said Es­ber (86), der un­ter dem Künst­ler­na­men Ado­nis schreibt, für ei­ne hef­ti­ge öf­fent­li­che Kon­tro­ver­se. Kri­ti­ker, dar­un­ter sy­ri­sche Op­po­si­tio­nel­le und Men­schen­recht­ler, wer­fen Ado­nis vor, sich nicht deut­lich ge­nug ge­gen das As­sad-Re­gime po­si­tio­niert zu ha­ben. Die Bür­ger­meis­te­rin von Lam­pe­du­sa, Gi­u­sep­pi­na Ma­ria Ni­co­li­ni, soll­te den Son­der­preis er­hal­ten. Aus Pro­test ge­gen Ado­nis teil­te sie je­doch mit, dass sie die ihr zu­ge­dach­te Eh­rung für ihr En­ga­ge­ment für ein neu­es eu­ro­päi­sches Ein­wan­de­rungs- und Flücht­lings­recht nicht an­neh­men wol­le.

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