Fik­ti­ve Sym­pho­nie

To­bi­as Aeh­lig spielt zwei­te Or­gel­mu­sik

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Jan Kamp­mei­er

Ei­ni­ge hüb­sche „Klei­nig­kei­ten“er­öff­nen die zwei­te Or­gel­mu­sik im Dom. To­bi­as Aeh­lig be­ginnt sein Pro­gramm mit ei­nem kur­zen Con­cer­to von Jo­hann Ernst Prinz von Wei­mar, auf die Or­gel über­tra­gen hat es Jo­hann Se­bas­ti­an Bach. Re­la­tiv ge­mes­sen be­ginnt der Or­ga­nist das ei­gent­lich mun­ter ver­spiel­te Werk, vi­el­leicht auch we­gen der hal­li­gen Akus­tik. Den­noch: Ehe man sich’ s ver­sieht, ist das Stück schon wie­der vor­bei, der Schluss kommt un­er­war­tet plötz­lich.

Zwei der ka­no­ni­schen Stu­di­en Ro­bert Schu­manns fol­gen. Die sind ei­gent­lich nicht für die Or­gel ge­schrie­ben, al­so kann Aeh­lig man­gels Vor­ga­ben des Kom­po­nis­ten frei über die Klang­far­ben ver­fü­gen. Er wählt ei­ne Re­gis­trie­rung, die Schu­mann noch gar nicht hät­te vor­schrei­ben kön­nen, sol­che Klang­far­ben wur­den erst ent­wi­ckelt. Weich und ver­träumt wir­ken die Stu­di­en im ro­man­ti­schen Klang­ge­wand.

Da­nach geht es erst rich­tig los, Aeh­lig gibt ei­ne im­mer­hin 20-mi­nü­ti­ge Kost­pro­be sei­ner Im­pro­vi­sa­ti­ons­kunst, ei­ne Dis­zi­plin, in der er, durch ei­nen Wett­be­werbs­sieg do­ku­men­tiert, aus­ge­zeich­net ist. Ei­ne gan­ze Rei­he klei­ner Ver­set­ten über ei­nen Os­ter­hym­nus bringt er spon­tan auf die Tas­ten, na­tür­lich al­le in ganz neu­er Re­gis­trie­rung, im Cha­rak­ter sehr ver­schie­den und mün­dend, wie es sich ge­hört, in ein kräf­ti­ges, be­weg­tes Fi­na­le.

Was folgt, ist ei­ne „fik­ti­ve“Sym­pho­nie françai­se, Aeh­lig hat sie aus ein­zel­nen Sät­zen von Wi­dor, Vi­er­ne und Co­che­reau zu­sam­men­ge­stellt. Zwei Sät­ze von Wi­dor zu An­fang blei­ben eher düs­ter, zu­min­dest ge­deckt. In­ter­mez­zo und Ad­a­gio stam­men aus der drit­ten Sym­pho­nie von Lou­is Vi­er­ne, die letz­te Wo­che auch Do­mi­ni­que Sau­er ge­spielt hat­te. Im Ver­gleich wirkt das In­ter­mez­zo bei Aeh­lig ver­hal­te­ner, ge­heim­nis­vol­ler, die Kon­tu­ren schei­nen dif­fus, wie im Ne­bel. Teil­wei­se äh­neln sich die Re­gis­trie­run­gen auch, im Ad­a­gio wählt auch Aeh­lig ei­ne kräf­ti­ge Flö­te über ei­ner Be­glei­tung im ge­schlos­se­nen Schwell­kas­ten, bei ihm tritt sie al­ler­dings erst ge­gen En­de des Sat­zes auf.

Für das Fi­na­le kehrt der Or­ga­nist noch ein­mal zur Im­pro­vi­sa­ti­on zu­rück, al­ler­dings, ge­wis­ser­ma­ßen ei­ne Ku­rio­si­tät, spielt er die ei­nes Kol­le­gen nach: Pierre Co­che­reau im­pro­vi­sier­te sein Scher­zo sym­pho­ni­que 1974, es wur­de da­mals mit­ge­schnit­ten, spä­ter wur­de das Stück von der Schall­plat­te ab­ge­hört und in No­ten auf­ge­schrie­ben. Tur­bu­lent, quir­lig und teil­wei­se wit­zig geht es da zu, kei­ne gran­dio­se Apo­theo­se al­ler­dings, nur drei kräf­ti­ge, kur­ze Ak­kor­de mar­kie­ren den Schluss.

Fo­to: Swa­ant­je Heh­mann

Der Pa­der­bor­ner Do­m­or­ga­nist To­bi­as Aeh­lig spiel­te im Os­na­brü­cker Dom.

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